Dienstag, November 30, 2021

Die Zukunft des Crowdfunding in Europa

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Der Crowdfunding-Sektor wird derzeit auf europäischer Ebene harmonisiert. Ab dem 10. November 2021 müssen Plattformen, die Crowdfunding-Dienstleistungen anbieten wollen, eine europäische Zulassung beantragen. Doch was bedeutet diese Neuerung für den Crowdfunding-Markt in Europa? Vor welcher Herausforderung stehen die Plattformen nun und wie gehen sie in den einzelnen europäischen Mitgliedsstaaten damit um? Die wichtigsten Impulse zu diesen Fragen von unterschiedlichen europäischen Branchenexperten hat Sebastian Vetter, Head of North, East & Central Europe bei MANGOPAY, zusammengestellt. 

Crowdfunding in Europa ist ein bunter Markt

Ein Blick in unterschiedliche Länder zeigt schnell, wie komplex das Thema Crowdfunding ist. Französische Plattformen setzen laut Jérémie Benmoussa, Präsident des FPF (Financement Participatif France), historisch bedingt stark auf Spenden. Die Menschen unterstützen neue Projekte aus einem Solidaritätsgedanken heraus, sodass jedes Jahr rund 100 Millionen Euro an Spendengeldern zusammen kommen. Hinzu kommen Finanzierungen aus dem Kreditmarkt sowie Beteiligungskapital. Der französische Markt ist einer der am stärksten diversifizierten Märkte in Europa, wenn man die Wirtschaftssektoren und auch die Finanzierungsinstrumente betrachtet: Nahezu alle Branchen nutzen Crowdfunding und bedienen sich dazu Aktien, Anleihen, Spenden und anderer Mittel.

Aus Sicht von Karsten Wenzlaff, Generalsekretär des Bundesverbands Crowdfunding, gestaltet sich der Crowdfunding-Markt immer stärker als europäisches Konstrukt, in dem die Initiativen der unterschiedlichen Länder voneinander profitieren und miteinander interagieren. In Sachen Finanzierung führt in Deutschland der Kreditmarkt mit einem Volumen von 800 Millionen Euro das Feld deutlich an, gefolgt von etwa 400 Millionen Euro aus dem Aktienmarkt.  Doch Wenzlaff sieht hier drastische Veränderungen kommen: “Institutionelle Investoren nehmen eine immer wichtigere Rolle im Crowdfunding-Markt ein und auch die Interaktion zwischen öffentlichen Einrichtungen – Städten, Gemeinden oder Bundesländern – und den Plattformen nimmt zu. Zu guter Letzt entwickeln sich neben dem klassischen Crowdfunding auch sogenannte Digital-Investing- oder Impact-Investing-Initiativen, die nicht die klassische Crowd aus Kleinanlegern ansprechen, sondern auch anspruchsvolleres Publikum involvieren.”

Kirsti Pent, Mitglied der Crowdfunding-Arbeitsgruppe von FinanceEstonia, sieht in den baltischen Staaten einen diversen Markt, der sich von Land zu Land stark unterscheidet. Estland erlegt Crowdfunding-Unternehmen beispielsweise keine spezifischen Vorschriften auf, sodass diese völlig frei agieren können. Lettland hingegen fokussiert sich stärker auf Peer-to-Peer-Kreditvergabe. “Wenn es um Branchen geht, führt in den baltischen Staaten das Immobilien-Crowdfunding den Markt deutlich an,” führt Pent aus.

Insbesondere im Vergleich zu Deutschland und Frankreich ist der Crowdfunding-Markt in Spanien eher klein. Ramon Saltorn, Mitglied der spanischen Fintech- und Insutech-Vereinigung, spricht von einem Volumen von etwa 200 Millionen Euro insgesamt und erklärt dies mit der eher traditionellen Ausrichtung der Investoren: “Die Regeln der spanischen Aufsichtsbehörde sind streng und machen das Crowdfunding-Geschäft relativ schwierig, sodass spanische Anleger eher die klassischen, bekannten Wege gehen. Kredite und Eigenkapital sind hier die wichtigsten Finanzierungsmittel.”

Große Veränderungen in Sicht 

Die Einführung der europäischen Zulassung wirkt sich auf alle Mitgliedsstaaten aus und wird den Crowdfunding-Markt spürbar verändern. Saltorn sieht für die spanischen Akteure großes Potenzial in der europäischen Harmonisierung: “Die neue Verordnung wird es den Crowdfunding-Plattformen hierzulande ermöglichen, Investmentformen zu schaffen, die den Markt wachsen lassen. Die Normalisierung ist ein wichtiger Schritt für die internationale Zusammenarbeit und gemeinsames Wachstum.” Wenzlaff sieht ebenfalls Erleichterungen in den gemeinsamen Richtlinien, auch wenn es für einige kleinere Plattformen eine Herausforderung sein kann, sämtliche Vorschriften zu erfüllen: “In den nächsten drei bis vier Jahren wird es voraussichtlich zahlreiche neue Akteure auf dem europäischen Markt geben. Doch letztlich gehe ich davon aus, dass die großen Player den Wettbewerb nach und nach übernehmen und weiter wachsen werden.”

In jedem Fall stehen einige Veränderungen für den europäischen Crowdfunding-Markt an. Dabei haben viele Länder bisher noch nicht die Gesetze geschaffen, die zur Umsetzung der neuen Richtlinie ab dem 10. November notwendig sind. Benmoussa räumt ein, dass auch Frankreich bisher eine vorsichtige Rolle eingenommen hat. “Die neuen Regularien bergen ein Wachstumspotenzial für französische Akteure, die sich bisher eher auf inländische Investments konzentriert haben. Wir gehen davon aus, dass mehr ausländische Plattformen nach Frankreich kommen werden und sind gespannt, wie die neue Verordnung sich in der Praxis auswirken wird.” Auch den baltischen Plattformen gibt die europäische Harmonisierung die Möglichkeit, international aktiver zu werden. Pent begrüßt die übergreifenden Spielregeln: ”Klare Anforderungen, Lizenzen sowie überwachte Strukturen vermeiden zwielichtige Angebote und führen zu einem fairen Markt für alle Beteiligten. Die nationalen Gesetzgebungen sind auf einem guten Weg und die entsprechenden Entwürfe stehen bereit.”

Die Branchenexperten sehen in der europäischen Regulierung auch eine Blaupause für andere Länder und Regionen, die bisher noch relativ heterogen agieren. Europa beginnt nun damit, einheitliche Regeln zu etablieren und damit die internationale Zusammenarbeit auf stabile Füße zu stellen. Denn neben Herausforderungen für die Umsetzung bringt die neue Verordnung vor allem auch Klarheit und Sicherheit in Bezug auf Prozesse, Payment-Strukturen und Compliance-Anforderungen. Mit diesen transparenten, übergreifenden Spielregeln lassen sich globale Gemeinschaftsprojekte in der Praxis wesentlich leichter umsetzen und dem gemeinsamen, sicheren Wachstum steht nichts mehr im Wege.

Autor:

Sebastian Vetter ist als Head of North, East & Central Europe bei MANGOPAY verantwortlich für die Expansion des Unternehmens in Europa. In seiner Rolle baute er zum DACH-Markteintritt bereits die Büros in Berlin und Amsterdam auf und plant weitere Niederlassungen in Warschau, Stockholm und Zürich. Sebastian Vetter hat einen Master-Abschluss in International Business Management, Finance und Marketing von der Middlesex University, London.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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