Flexibilität ist der Zaubertrank für die Arbeitswelt von morgen

Wer kennt sie nicht, die Abenteuer-Geschichten von Asterix & Obelix aus Gallien im ewigen Kampf gegen die Römer? Ein Zaubertrank des Druiden Miraculix ist ihre wirkungsvollste Waffe gegen die Eroberer. Ein geheimnisvoller Trunk, der die Gallier unbesiegbar macht.

Während die Ingredienzen, die Miraculix zusammenbraut, sein wohl gehütetes Geheimnis bleiben, sind die Zutaten, die es für ein modernes, familienfreundliches Arbeitsleben braucht, inzwischen bekannt. Der Zaubertrank der Arbeitswelt von morgen heißt Flexibilität.

Ebenso wie die – dank Zaubertrank unbesiegbaren – Frauen in Gallien ihr Dorf allein gegen die römischen Soldaten verteidigen, während Asterix und Obelix auf der Suche nach einem würdigen Druiden-Lehrling durch die Lande ziehen, so waren es seit Beginn der Corona-Pandemie im März dieses Jahres wiederum vor allem Frauen und Mütter, die an allen Fronten kämpften. Die aufgrund geschlossener Kitas und Schulen Job und Kinder parallel managen mussten.

Sicher, der Zaubertrank Flexibilität verleiht Müttern keine übermenschlichen Kräfte, wie wir sie aus dem legendären französischen Comic von Autor René Goscinny und Zeichner Albert Uderzo kennen. Aber Flexibilität gibt Müttern zumindest das Rüstzeug an die Hand, mit dem sie ihre Herausforderungen meistern können.

Menschen arbeiten zu Hause produktiver als gedacht

Google-Manager Sundar Pichai sagte dem Tech-Blog „The Verge“: „Die positive Überraschung ist, dass Menschen von Zuhause aus viel produktiver arbeiten als erwartet. Viele dachten, dass in der Krise alles einfach auseinanderbrechen würde, aber das Gegenteil ist der Fall.“

Pichais Erkenntnis wird von der Forschung gestützt. Die Initiative Chefsache hat jüngst eine repräsentative Studie vorgelegt, die die Auswirkungen von New Work auf die Chancengleichheit untersucht und der Frage nachgeht, ob es im Frühjahr in dieser Hinsicht gar ein Umdenken gegeben hat.

Das Ergebnis:

Der Schritt ins Home Office und die Notwendigkeit, flexibel zu arbeiten, hat die Akzeptanz von Maßnahmen, die die Chancengleichheit von Männern und Frauen fördern, spürbar verbessert. So sagten 40 Prozent der befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im April dieses Jahres, das die Akzeptanz für mobiles Arbeiten gestiegen ist.  30 Prozent sehen eine größere Bereitschaft, sich mit flexiblen Arbeitszeitmodellen auseinanderzusetzen. Bei den Führungskräften ist die Akzeptanz für diese Maßnahmen sogar noch stärker gestiegen: 46 Prozent beim mobilen Arbeiten und 35 Prozent in Bezug auf die flexiblen Arbeitszeitmodelle. 

Wie also muss es weitergehen?

Unternehmen können jetzt lernen, mit Home-Office zu arbeiten und somit die Weichen stellen, um ihren Angestellten auch in der Post-Corona-Zeit flexible Arbeitsmodelle anbieten zu können. Diese Angebote nehmen gerade Eltern dankbar an, aber auch viele andere Mitarbeiter, die familiären Verpflichtungen, wie der Betreuung von kranken oder alten Familienmitgliedern nachkommen müssen.

Wann, wenn nicht jetzt, wäre die perfekte Gelegenheit, Neuerungen anzustoßen und gestärkt aus der Krise heraus zu gehen? Arbeitgeber sollten die positiven Erfahrungen, die sie in den letzten Monaten mit ihren Arbeitnehmern gemacht haben, mit in die Zeit nach Corona nehmen und die Gelegenheit nutzen, ein Arbeitsklima der Wertschätzung zu etablieren, um insbesondere Mitarbeitenden mit Kindern gute Arbeitsmöglichkeiten zu bieten. Es lohnt sich, neue Arbeitsmodelle und –abläufe auszuprobieren. Werden beispielsweise wichtige Termine grundsätzlich vormittags angesetzt, hilft das Müttern enorm. 

Die Corona-Krise bietet Führungskräften die Chance, den eigenen Führungsstil zu überdenken. Und eine bislang gelebte nine-to-five-Anwesenheitspraxis durch gute Organisation, Kommunikation und Struktur zu ersetzen. Nicht zuletzt würde auch eine längere Elternzeit für Väter zur Geschlechtergerechtigkeit im Job beitragen. 

Freiwillige vor! 

Die Corona-Krise hat unsere Art zu arbeiten fundamental verändert. Diese Errungenschaften müssen wir uns erhalten. Ein Zurück in das Arbeitsleben vor COVID-19 ist keine Option. Machtnix und Ändertnix hätten im Kampf gegen die Römer keine Chance. Was es braucht, ist Mut und Entschlossenheit, jetzt einfach mal zu machen. Oder wie es bei Axterix heißt: „Alea iacta est“ – der Würfel ist gefallen. Freiwillige vor! 

Sandra Westermann ist die Gründerin von www.superheldin.io, der ersten Stellenbörse, die familienfreundliche Arbeitnehmer und Mütter von und mit Beruf zusammen bringt. Vor zwei Jahren gegründet, zählt das junge Unternehmen bereits mehr als 500 Kunden, darunter Coca-Cola, Vattenfall, Kreditreform oder die Vermögensverwaltung Heysenberg.  

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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