Auf sein Bauchgefühl hören und einfach anfangen

YouFlake Bio Müsli zum Selberflocken

Stellen Sie sich und das Startup YouFlake kurz unseren Lesern vor!

Guter Kaffee wird mit frisch gemahlenen Kaffeebohnen gebrüht. Warum essen wir dann Müsli mit alten Haferflocken? Um wirklich gutes Müsli zu essen, muss man die Haferflocken aus dem ganzen Haferkorn frisch herstellen. Das geht ganz einfach mit einer unserer Flockenquetschen und unseren Bio Müslis zum Selberflocken. So bleiben alle Nährstoffe und Aromen in voller Qualität erhalten. Wir, David Niermann und Philipp Roeser, haben YouFlake Anfang 2018 zu zweit gegründet, um einfache Produkte und Lösungen zum Selberflocken von Müsli zu entwickeln und anzubieten. Denn bisher steckt das Thema total in einer „Öko-Ecke“, wo es überhaupt nicht hingehört. Jeder der gutes Müsli essen will, sollte nämlich die Flocken aus Hafer und anderem Getreide dafür frisch herstellen!

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Wir haben bei Umfragen im Bekanntenkreis herausgefunden, dass bislang fast niemand weiß, dass Haferflocken erhitzt werden und gar nicht so natürlich sind wie man denkt. Flockenquetschen kannten auch nur ganz wenige, obwohl es diese Geräte seit über 30 Jahren für den Heimgebrauch gibt. Der Wunsch ein Unternehmen zu gründen, entstand dann aus dem Antrieb, mehr Menschen dies zu vermitteln. Wir haben uns daher überlegt, ein Produkt zu entwickeln, das genauso einfach zu verwenden ist wie ein Fertigmüsli, jedoch eben frisch verarbeitet wird.

Ein erster Prototyp war schnell entwickelt, den wir dann auf Märkten getestet haben und gemerkt haben, dass sich das Produkt auf diesem Wege auf jeden Fall gut verkauft. Gleichzeitig haben wir Flockenquetschen online und auch auf Märkten verkauft und so direkt von Anfang an Geld verdient. Dass sich unser Produkt auf so viele andere Bereiche und Branchen anwenden lässt, haben wir erst später erkannt. Wir haben also einige Zeit gebraucht, unser eigenes Produkt zu verstehen und haben auch noch viele Verbesserungsmöglichkeiten erkannt im ersten Jahr, die wir dann zu Beginn des zweiten Geschäftsjahres umgesetzt haben.

Welche Vision steckt hinter YouFlake?

Wir wollen es möglichst vielen Menschen ermöglichen, frische Flocken zu essen. Dazu müssen sie erstmal wissen, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt und dass es so einfach ist, selbst Haferflocken herzustellen. Dadurch wollen wir erreichen, dass mehr Menschen sich möglichst natürlich, nährstoffreich und gesund ernähren können. Besser schmecken tut es auch noch – jedenfalls bekommen wir das oft zurückgemeldet.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Zunächst zum zweiten Teil der Frage: Bislang haben wir alles aus eigener Tasche sowie dank finanzieller Unterstützung unserer Familien finanziert, denn zu Beginn war unser Produkt noch sehr experimentell und wir wollten kein unnötiges Risiko eingehen. Inzwischen sind wir uns unserer Sache deutlich sicherer und wissen, was funktioniert und was wir eigentlich genau anbieten können. Wir haben auch verstanden, wie wir Leute bzw. Unternehmen von unseren Produkten überzeugen können und für wen sie überhaupt interessant sind. Deshalb werden wir in 2020 auch die Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft vornehmen und sind nun auf der Suche nach Investoren, um schneller wachsen zu können. Was wir machen, ist sehr kapitalintensiv und wir brauchen gute Vertriebsstrukturen. Die aufzubauen, kostet natürlich Geld.

Und nun zum ersten Teil der Frage: Die Finanzierung ist auch eine der größten Herausforderungen. Bevor irgendwas passiert, muss man erstmal eine ganze Menge Geld ausgeben. Die Margen im Lebensmittelsektor sind gering und erst bei größeren Mengen fängt man an, überhaupt Geld zu verdienen. Zum Glück konnten wir von Anfang an mit den Geräteverkäufen, also den Flockenquetschen, Geld verdienen. Denn mit dem Müsli ist es ganz langsam angelaufen.

Eine weitere Herausforderung ist, dass erstens alles immer länger dauert – und zweitens als man denkt.

Wenn man heute Geld in Vertrieb und Marketing investiert, merkt man die Effekte teilweise erst Monate später. Wir haben zum Beispiel ca. ein Jahr daraufhin gearbeitet, dass unser Müsli nun seit Mitte September in der Bio Company zu kaufen ist, denn der Handel hat natürlich nur ein begrenztes Platzangebot und der Platz für ein neues Produkt muss eben erstmal da sein und langfristig eingeplant werden. Aber wir haben gelernt, diese Phasen gut zu nutzen. So haben wir z.B. unser Produkt weiterentwickelt, Verpackung und Aufmachung optimiert, die Website überarbeitet, alles aufeinander abgestimmt.

Wir sehen Herausforderungen aber generell sehr positiv, denn dadurch lernt man und entwickelt sich weiter. Nur das Warten nervt manchmal, da man oft nur darauf wartet, endlich mit etwas weitermachen zu können und diese Zeit irgendwie überbrücken muss.

Wer ist die Zielgruppe von YouFlake?

Unser Müsli richtet sich vor allem an gesundheitsbewusste Müsligenießer, die weiterdenken und sich nicht mit den industriell hergestellten Müslis zufrieden geben. Diese Menschen essen Müsli da es besonders gesund sein soll und sie merken, dass die ganzen Fertigmüslis und Fertighaferflocken gar nicht so gesund sind wie man meint, da sie durch Erhitzung zur Haltbarmachung und starke Verarbeitung vieler Nährstoffe wie auch Geschmacksaromen beraubt werden. Die passenden Produkte für Endverbraucher vertreiben wir online und inzwischen auch im Bio-Lebensmitteleinzelhandel, aktuell bei der Bio Company in Berlin und Dresden. Das wollen wir in Zukunft weiter ausbauen, damit Bio Müsli zum Selberflocken bald bundesweit erhältlich ist.

Wir richten uns aber nicht nur an Endverbraucher, sondern haben unseren Fokus auch im B2B-Geschäft. Es gibt ein riesiges Potential bei Hotels und Cafés sowie in Büros und im Fitnessbereich für unsere Produkte. In so ziemlich jedem kleinen Café oder in jedem Büro steht inzwischen ein sündhaft teurer Kaffeevollautomat, der natürlich die Kaffeebohnen frisch mahlt, weil der Kaffee dann deutlich besser schmeckt. Genau das Gleiche wollen wir auch für Müsli erreichen, denn frisch geflocktes Müsli ist eine sehr gesunde und vollwertige Mahlzeit, die sich nicht nur zum Frühstück, sondern auch als Snack eignet. Und um wirklich gutes Müsli zu essen, kommt man nicht darum herum, die Flocken frisch herzustellen. Denn sonst entgeht einem eben vieles, genau wie beim Kaffee. Wir haben die passenden Lösungen für all diese Kundensegmente.

Was ist das Besondere an YouFlake? Wo liegen die Vorteile?  Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Wer gerne Müsli mag, wird YouFlake lieben! Denn frisch geflockter Hafer ist, mit anderen Zutaten, deutlich aromatischer als Fertig-Haferflocken. Letztere werden zum einen ultrahocherhitzt um sie haltbar zu machen und sind oft schon Monate alt. Dabei gehen neben intensiver Geschmacksaromen der Öle im Hafer auch viele Nährstoffe verloren. Vor allem aktive Enzyme, Vitamine und Ballaststoffe werden bei der Erhitzung und Lagerung beschädigt oder verlieren stark an Qualität. Mit frisch geflocktem Bio Müsli von YouFlake bleiben diese Nährstoffe und die Aromen allesamt erhalten. Dazu gibt es leckere Toppings aus gefriergetrockneten Früchten und anderen wertvollen Zutaten wie etwa rohen Kakaonibs und Sonnenblumenprotein-Crisps, um das Müsli geschmacklich abzurunden.

Was übrigens noch besonders ist an YouFlake und der Grund dafür, warum wir auf unserem Gründerfoto nackt sind… Wir nutzen für unsere Müsli Basis ausschließlich Nackthafer. Das ist eine besondere Art Hafer, die keinen Spelz hat und daher nicht erhitzt werden muss, um diesen zu entfernen. Den Spelz kann man nämlich nicht mitessen. Normaler Hafer wird erhitzt um den zu entfernen, da er sich sonst nicht ablösen lässt. Unser Nackthafer ist daher besonders nährstoffreich, da er eben nicht erhitzt wurde. Außerdem kommt all unser Getreide und auch der Buchweizen aus Deutschland, da uns Regionalität wichtig ist und wir weite Wege vermeiden wollen.

Wie ist das Feedback?

Wir haben von Beginn an viele positive Reaktionen bekommen. Bzw. muss man eigentlich sagen, dass viele Leute erstmal erstaunt waren, dass industriell hergestellte Haferflocken erhitzt werden. Da erzählen wir den meisten dann tatsächlich etwas neues und viele sind dafür dankbar und freuen sich über den Wissenszuwachs. Das war bei uns vor ein paar Jahren auch nicht anders, denn bis dahin wussten wir das auch nicht, hatten uns darum einfach nie Gedanken gemacht. Für unsere Produkte kriegen wir auch zunehmend positive Reaktionen. Die Aufmachung gefällt vielen sehr und fast alle die probieren erzählen uns, dass sie Müsli nochmal komplett neu für sich entdeckt haben. Die finden, dass es doch etwas sehr anderes ist, die frischen Flocken zu essen statt der alten erhitzten und abgestandenen Flocken.

YouFlake, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Gute Frage! Wir wollen diesen weg auf jeden Fall weitergehen und alles dafür geben, dass Müsli zum Selberflocken zu einem ernstzunehmenden Produkt im Müslimarkt wird. Je mehr Menschen von mehr Nährstoffen und besserem Geschmack profitieren, desto besser finden wir das. Wir hoffen also, dass unsere Geräte und Müslis in vielen Haushalten sowie in Bio-Märkten, Büros, Cafés und Hotels zu finden sein werden. Denn überall dort gehören sie hin und bieten den Menschen einen echten Mehrwert.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Ein Tipp wäre auf jeden Fall, dass man seine Idee zwar prüfen sollte, aber auf sein Bauchgefühl hören sollte. Gerade am Anfang wurde unsere Idee teilweise auch stark angezweifelt und es wurde uns gesagt, dass es dafür keinen Markt gäbe. Das hatte sicher auch damit zu tun, dass wir selber das Produkt noch nicht ganz verstanden und durchdacht hatten. Aber deshalb ist es eben so wichtig auf sein Bauchgefühl zu hören und einfach anzufangen, denn nur dann kriegt man Feedback und macht sich selber auch die richtigen Gedanken, um weiterzukommen. Wenn das Bauchgefühl also stimmt, dann sollte man dem folgen.

Trotzdem ist es natürlich wichtig, das Risiko überschaubar zu halten, das ist der zweite Tipp. Bei einer Gründung gehört etwas Risiko immer dazu. Ohne Risiko kein Unternehmertum. Man sollte sich aber natürlich nicht in zu große Unkosten und nicht in unkalkulierbare Schulden stürzen. Deshalb ist es wichtig, einen Businessplan zu erstellen. Das haben wir im ersten Jahr getan und unser Businessplan hat uns sehr geholfen, zu verstehen was wir tun und wo eigentlich unser Markt ist. Außerdem hat er uns einen besseren Überblick darüber gegeben, wofür wir unser Geld ausgeben können und wollen und wie viel wir überhaupt ausgeben können.

Der dritte Tipp:

Scheut euch nicht davor nochmal nachzuhaken. Wenn wir eines gelernt haben, ist es, dass man bei vielen Sachen hinterher sein muss, sonst passiert nichts. Das hat einfach damit zu tun, dass im Geschäftsleben alle immer viel zu tun haben und einfach Dinge vergessen oder liegen bleiben. Also muss man sich in Erinnerung rufen, damit etwas passiert. Das muss natürlich freundlich und respektvoll geschehen. Unsere Erfahrung zeigt, dass einem das niemand übel nimmt. Und so kann man auch eine Beziehung zu den Menschen aufbauen, denn die meisten freuen sich über einen netten Kontakt und so fällt es auch leichter, in Erinnerung zu bleiben. Die merken dann, dass man es ernst meint.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei David Niermann und Philipp Roeser für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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