Einfach tun. Nicht warten.

Younited Cultures: Schals die wahrhaftig persönliche Geschichten in die Gesellschaft tragen

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Younited Cultures doch kurz unseren Lesern vor!
Mein Name ist Andra Slaats, ich komme aus Rumänien und lebe seit 12 Jahren in Wien. Aus dem Wunsch die positive Wirkung der Migration sichtbar zu machen und Diskriminierung wegen der Herkunft am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft zu bekämpfen habe ich gemeinsam mit Iulia das Social Startup Younited Cultures gegründet. Wir promoten das positive Image von MigrantInnen in dem wir ihre Erfolgsgeschichten in Schals umwandeln und diese in die Gesellschaft tragen. Wortwörtlich!
Um noch mehr Sichtbarkeit dieser positiven Seite zu schaffen, haben wir ein Symbol der kulturellen Vielfalt ins Leben gerufen: den „Celebrate Migration“ Schal. Das bunte Muster macht die Schönheit und die positive Wirkung der kulturellen Vielfalt sichtbar. Die Erlöse fließen dann in das Erzählen und Promoten von weiteren Geschichten, bzw. MigrantInnen.
Zusätzlich dazu, bieten wir Unternehmen Workshops an, welche ArbeitgeberInnen helfen sollen ihre vielfältigen MitarbeiterInnen besser zu verstehen und zu unterstützen. Durch Kooperation und Kreativität, beide Seiten lernen sich besser kennen, arbeiten und zeichnen zusammen und erkennen dabei die Vorteile ihrer Migrationshintergründe. Optional können die Geschichten auf den eigenen Firmenschal visualisiert werden und diesen als Mitarbeiter- oder Kundengeschenk anschließend anbieten.

Wie ist die Idee zu Younited Cultures entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Die Idee kam aus dem Wunsch den negativen Schlagzeilen der Boulevardzeitungen, die oft nur Ausländer mit Nationalitätsangaben bei Delikten erwähnen, entgegen zu wirken. Tagtäglich werden Rumänen, Polen, Bulgaren ua. als Diebe, Bettler oder Schläger pauschaliert. Die Wahrnehmung, dass wir zur Wirtschaft und Gesellschaft beitragen ist nicht gegeben. Das muss sich ändern. Wir brauchen mehr Werbung und wir müssen uns mehr sichtbar machen. Nur so können wir das negative Image, das tagtäglich in den Zeitungen und anderen Medien vorgestellt wird beeinflussen.
Ich komme aus der Luxus Kosmetik Branche. Dort habe ich erkannt, dass die Schönheit der Produkte in ihren Details, in ihren Geschichten und Wirkung liegt. Meine Leidenschaft für Produktentwicklung hat mich auf die Idee gebracht, MigrantInnen mit funktionalen Produkten zu kombinieren und so mittels hochwertigen Accessoires, ihre Erfolgsgeschichten zu kommunizieren.
Durch einen kreativen Prozess, gemeinsam mit der ausgewählten Person mit Migrationshintergrund verewigen wir die Erlebnisse und den Integrationsweg aufeinen Schal. Mittels der Broschüre und edler Verpackung erzählen wir über die Errungenschaften der Person mit Migrationshintergrund und lassen ihre Geschichte in die Gesellschaft anschließend tragen. Wortwörtlich!
Als ich diesen Ansatz und die Umsetzbarkeit dieser Idee getestet habe, wollte ich gleichzeitig eine Mitgründerin finden, die mit mir diesen Weg gehen möchte. Ich habe Iulia mittels Impact Hub Vienna kennengelernt. Sie wollte auch Migration promoten, sie hat auch viel mit Diskriminierung kämpfen müssen, also sie konnte sich mit der Vision sehr identifizieren. Wir haben dann die Idee gemeinsam bei dem SAP Social Impact Start Programm gepitched und einen 6 monatige Stipendium gewonnen um die Idee umzusetzen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Am schwierigsten war einen Textilhersteller für die Schals zu finden. Wir wollten lokal bleiben und in Österreich nachhaltig herstellen lassen. Das hat sich als eine große Herausforderung erwiesen. Es hat lang gedauert jemanden zu finden und dann war es auch sehr teuer. Die Schals wurden schließlichin der Produktionzu teuer. Wir mussten somit einen Ersatz finden. Das haben wir dann in Italien gefunden.
Eine zusätzliche Herausforderung war die Finanzierung unserer GmbH Gründung sowie der Herstellung der Schals. Als wir 2014 gegründet haben gab es keine Förderung für soziale Unternehmen, die als GmbH gegründet waren. Es gab nur für NGOs. Soziales Unternehmertum war damals nur als Verein bekannt. Für unseren Zweck war aber ein Verein nicht der richtige Weg um Eleganz, Hochwertigkeit und Qualität mit MigrantInnen zu verbinden. Menschen würden dann eher unsere Schals aus Mitleid kaufen.
Das Wort Migrant fällt ziemlich negativ auf und wird meist mit billiger Arbeitskraft, kriminellen oder ArbeiterInnen assoziiert. Unsere Schals sind nicht von MigrantInnen hergestellt sondern sie erzählen über die Errungenschaften und Werte der Menschen mit Migrationshintergrund. Mit der Younited Cultures Marke wollen wir Menschen das Gefühl vermitteln unsere Produkte aus Stolz zu tragen und die Geschichten sichtbar zu machen.
Also, wir haben anfangs unseren Eigenkapital investiert und die GmbH Light damit finanziert.Später haben wir auch den Social Impact Start Award gewonnen und 5000€ dafür bekommen. Dann haben wir eine Crowdfunding Kampagne und 6000 € gesichert sowie einen Mikrokredit von 10.000 aufgenommen. 2015 war somit gesichert. In 2016 haben wir uns bereits aus den Verkäufen der Schals finanzieren können, aber Förderungen gab es auch wieder kaum. In November 2016 haben wir endlich unsere erste Förderung, dievon AWS kam um eine E-Commerce Strategie zu entwickeln.
Die Erlöse werden allgemein verwendet um neue Geschichten zu entwickeln und so MigrantInnen zu promoten. Gleichzeitig setzen wir uns für sie mit Mentoring und Coaching ein um ihnen auf dem Einstieg in den Arbeitsmarkt zu helfen.

Wer ist die Zielgruppe von Younited Cultures?
Anfangs war es schwierig diese genau zu definieren. Wir haben sie durch Trial & Error gefunden. Sie sind Frauen über 35, mit Migrationshintegrund oder/und mit internationalen Freunden, sie kaufen nachhaltig und bewusst ein und zur Gesellschaft beitragen. Gleichzeitig sehnen sie sich nach einem positiveren Image der kulturellen Vielfalt, sie haben teilweise selbst Diskriminierung erlebt und wollen dagegen mitwirken. Daher entscheiden sie sich für einen unserer Schals.
Eine weitere Zielgruppe sind Unternehmen mit vielfältigen MitarbeiterInnen denen wir den Signature Schal „Feiere die Migration“ als Geschenk vorschlagen, sowie unseren Workshop „Vielfalt als Erfolgsfaktor“ anbieten.

Was ist das Besondere an den Accessoire von wem und wo wird gefertigt?
Unsere Accessoires sind nicht nur Produkte sondern tragen wahrhaftig persönliche Geschichten mit in die Gesellschaft mit. Sie sind Informationskanäle und verkörpern die Eleganz, Schönheit, Hochwertigkeit und Qualität der Menschen mit Migrationshintergrund.
Diese Accessories vermitteln Gefühle und lassen über Menschen erzählen. Das Symbol der kulturellen Vielfalt, unser „Celebrate Migration“ Schal ist bereits als Symbol dafür erkannt. In Wien tragen ihn schon viele und sind stolz darauf durch das bunte Muster ein Zeichen für Sichtbarkeit der positiven Seite der Migration zu setzen.
Wir achten sehr darauf wer sie produziert, in welchen Verhältnissen die MitarbeiterInnen arbeiten und woher die Stoffe kommen.Unsere Schals sind teilweise in Österreich, teilweise in Italien nachhaltig hergestellt.

Wie ist das Feedback?
Das Feedback ist sehr gut. Wir haben bereits 400 Schals verkauft und Menschen lieben die Eleganz der Produkte sowie die Aufmerksamkeit zum Detail. Die Verpackung ist sehr edel und die Geschichten von besonderem Interesse. Mit jeder Gelegenheit, ob bei Messen, Veranstaltungen oder online über Facebook und Co, erzählen wir immer von diesen MigrantInnen und werben für sie und ihre Errungenschaften.
Die kreative Art wie wir uns gegen Diskriminierung wegen der Herkunft ausdrucken ist sehr einzigartig und Menschen lieben unseren positiven Ansatz.

Younited Cultures, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir wollen die kulturelle Vielfalt promoten. Wir wollen das bunte Muster international als Symbol der kulturellen Vielfalt etablieren und dieses über andere Produkte diversifizieren (Krawatte, Socken, T-Shirts, etc). Jede Person, die es trägt wird zur Botschafterin dieser Vision. In 5 Jahren sehen wir uns mit einem eigenen Younited Cultures Shop in dem nicht nur Schals verkauft werden sondern Menschen mit Migrationshintergrund promotet werden. Es werden persönliche Verkaufsgespräche sowie wahre Erlebnisse angeboten.

Zum Schluss: Welche3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Netzwerken, immer neue Menschen kennenlernen, durch konstante Treffen mit gleichgesinnten und durch gezieltes Ansuchen eines sinnvollen Austausch zwecks gesellschaftlicher Impact.
Zweitens, es ist immer gut wenn man sich am Anfang von nicht allzu vielen Experten beraten lässt. Es kommt oft dazu, dass du dein Projekt in Fragen stellst, denn du findest kaum 2 Experten, die der gleichen Meinung sind. Zu viele Ratschläge führen zu Ungewissheit. Du weißt später weniger als vor der Expertise
Einfach tun. Nicht warten.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Andra Slaatsfür das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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