Konzentriert euch auf ein konkretes Produkt, nicht auf 10

Yatri: Handwerkskunst aus Nepal fair und nachhaltig gehandelt

Stellen Sie sich und das Startup Yatri doch kurz unseren Lesern vor!
Mit Yatri wollen wir die nepalesische Handwerkskunst mit dem westlichen Bedürfnis nach fair gehandelten und nachhaltigen Produkten verbinden. Unsere Vision ist es, traditionelle Unikate durch eine moderne, persönliche Note der breiten Masse zugänglich zu machen. Darüber hinaus schaffen wir mit unserem transparenten Handeln einen messbaren Erfolg, der benachteiligten Schichten in Nepal ein besseres Leben beschert.

Wie ist die Idee zu Yatri entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Gegen die Lehrmeinung vieler, sind wir Sandkastenfreunde und haben schon einige Märsche hinter uns. Ohne den anderen tut sich gar nichts und zusammen sind wir ein erfolgreiches und glückliches Team. Mit einem engen Bezug zu Nepal und „bekannte“ Infos rund um Land & Leute, ist die Entscheidung quasi von alleine gefallen. Natürlich waren auch die berüchtigten Gläser Bier im Spiel, die letztendlich unseren kreativen Ideenprozess beschleunigten.

Warum haben Sie sich entschieden ein eigenes Unternehmen zu gründen?
Wir sind nicht die Typen die stundenlang im Biergarten darüber philosophieren was alles schief läuft, sondern lieber selber Anpacken und versuchen durch einen Social Impact die Dinge gerade zu ziehen. Speziell nach dem Erdbeben im April 2015 sind Helferkreise und Spendenaufrufe in Nepal wie Pilze aus dem Boden geschossen, nachhaltige Unterstützung sind über die Grenzen der Hauptstadt fast nicht angekommen. Wir wollen den Menschen in abgelegenen Regionen durch Arbeitsplätze und Bildungsmaßnahmen helfen, langfristig ihre Lebensverhältnisse zu verbessern.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Wir versuchen in einem Land ohne Strukturen und Ordnung Business zu betreiben und müssen dabei zwei komplett verschiedene kulturelle Ebenen auf einen Nenner bringen. Ohne Durchhaltevermögen, Biss und einem dicken Fell geht da gar nichts. Trotzdem wollen wir unseren nepalesischen Freunden auf Augenhöhe begegnen und uns auch nicht den Spaß an der Sache nehmen lassen, weil mal wieder etwas nicht nach Plan läuft. Unsere Herausforderung ist es jeden Tag aufs Neue Good Vibrations mit Business zu verbinden. Bei der Finanzierung haben wir uns von Anfang für den konservativen Weg entschieden. Ohne Geldgeber im Nacken, mit viel Leidenschaft und absoluter Unabhängigkeit wollen wir die Fäden selbst in der Hand halten und ein nachhaltiges Wachstum anstoßen.

Wer ist die Zielgruppe von Yatri?
Prinzipiell sprechen wir mit unseren klassischen Designs und nachhaltigem Konzept all diejenigen an, die mit dem Begriff Kaviargrün etwas anfangen können. Also eine Gesellschaft, die hohe soziale und ökologische Anforderungen stellt, und die dadurch entstehenden Mehrkosten gerne in Kauf nehmen. Auch Menschen die unsere Idee und Story super finden, kaufen gerne Produkte von Yatri.

Was  findet man auf Yatri?
Im Moment führen wir ausschließlich Textil-Accessoires. Dabei reicht unsere Taschenkollektion von kleinen Schminktaschen über Notebook-Cases bis hin zur Yogamattentaschen aus Bio-Baumwolle. Interessierte mit einem exklusiveren Geschmack können durch hochwertige Schals und Tüchern aus Kaschmir, Yak und Seide im Großstadtdschungel die Blicke auf sich ziehen.

Worauf achten Sie bei der Auswahl der Stoffe?
Wir haben es groß auf unsere Fahne geschrieben, dass die Prozesse und nicht die Produkte im Mittelpunkt stehen. Aus diesem Grund legen wir hohen Wert auf Lieferanten-Audits und regelmäßige Besuche vor Ort. Wir können die Stoffe bis zum Garn zurückverfolgen. Bei Yatri werden ausschließlich hochwertige Naturtextilien verarbeitet. Polyester und Co. sind zwar in der Textilbranche durch ihre scheinbar „guten“ Eigenschaften immer noch heiß begehrt, aber für uns absolut keine Alternative!

Wo wird gefertigt?
Ausschließlich in Nepal. Die Taschen werden in Heimarbeit in abgelegenen Bergdörfern gewebt und in Pokhara genäht. Damit erreichen wir die scheinbar Unerreichbaren, und können durch die wirtschaftliche Partizipation von Frauen wirklich etwas bewegen.

Die Schals und Tücher werden von einer Kleingruppe im Kathmandu Valley hergestellt. Alle Produktionsschritte finden in einem ehemaligen Wohngebäude unter einem Dach statt. Im unteren Stockwerk wird gefärbt, im mittleren gewebt, und Oben ist die Qualitätskontrolle – einfach und clever.

Was ist das Besondere an den Kleidungsstücken?
Unsere Produkte verbinden Kunsthandwerk und Fair Fashion. Zudem haben wir durch das Arbeitsmodell Heimarbeit, die Möglichkeit unsere Kapazitäten flexibel auszubauen ohne Mode von der Stange zu erzeugen. Massenprodukte kommen bei uns nicht in die Tüte – bei Yatri gibt’s ausschließlich feinste Unikate.

Yatri, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Das Arbeiten in einem Start-up ist so dynamisch und unvorhersehbar und darum haben wir schon längst damit aufgehört detaillierte langfristige Pläne für die Schublade zu produzieren – denn ohne Glaskugel geht das einfach nicht. Wir versuchen vielmehr jeden Tag unserer Prozesse zu optimieren und unser Geschäftsmodell an die ständig ändernden Anforderungen anzupassen, damit wir auch für die Zukunft gut gerüstet sind. Grundsätzlich haben wir im letzten Jahr viele Erfahrungen auf Märkten und Festivals gesammelt und sind aktuell dabei unser Vertriebsnetzt noch stärker mit dem Fachhandel zu verbinden und gemeinsam weiterzuentwickeln. Wir sind ehrlich gesagt froh das wir noch nicht von dem sich ständig ausweitendem Cyber-Business abhängig sind (einen Webshop gibt’s aber trotzdem) und wollen unseren persönlichen Weg weitergehen und ein nachhaltiges Wachstum erwirtschaften.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
– Konzentriert euch auf ein konkretes Produkt, nicht auf 10
– NEINS sammeln hilft, wenn das nächste wichtige JA in unerreichbarer Ferne liegt
– Einfach machen, auch mal eine blutige Nase abholen und es das nächste Mal besser machen

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Michael König und Andreas Bodenmiller für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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