Montag, Oktober 25, 2021

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Wolt aus Finnland großartiges Essen entdecken und geliefert bekommen – bis nach Hause oder ins Büro

Stellen Sie sich und das Startup Wolt doch kurz unseren Lesern vor!

Sehr gerne! Mein Name ist Miki Kuusi und ich bin Mitgründer und CEO von Wolt. Wolt ist ein Technologieunternehmen aus Finnland – ganz im Norden von Europa. Wir machen es viel einfacher, großartiges Essen zu entdecken und geliefert zu bekommen – bis nach Hause oder ins Büro. Und wir haben einen Service entwickelt, der Ihnen köstliche Speisen liefert und so den Stress des Kochens vermeidet. Wir helfen Ihnen also, kulinarische Highlights zu genießen – egal an welchem Ort. Dadurch machen wir jede Stadt, in der wir aktiv sind, zu einem lebenswerteren Ort. 

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Ich komme aus dem Bereich der Start-ups und des Unternehmertums, daher war es vielleicht ein natürlicher und logischer Schritt für mich, Gründer zu werden. Bevor ich Wolt gegründet habe, war ich CEO von Slush, einer der größten Technologiekonferenzen der Welt. Ich hatte schon immer eine Leidenschaft dafür, Dinge zu entwickeln und mit Technologien zu arbeiten, die die Welt gestalten.

Die Idee für Wolt entstand 2011, als ich einige Zeit im Silicon Valley verbrachte. Dort habe ich einen ersten Eindruck von lokalen Diensten bekommen, bei denen es möglich war, sich über das Mobiltelefon fahren zu lassen. Gemeinsam – mit meinen 5 anderen Mitgründern – haben wir verstanden, dass die Welt in diese Richtung geht – zunehmende Digitalisierung durch das mobile Internet, das Aufkommen von Plattformen und extreme Verbraucherfreundlichkeit.

Im Jahr 2014 haben wir begonnen mit Wolt zu arbeiten, als ich von Slush wegging. In den darauffolgenden 12 Monaten haben wir dann das Unternehmen aufgebaut. Unser Service ging erstmals im Frühjahr 2015 in Helsinki an den Start. Danach haben wir unser Geschäft von Finnland aus auf inzwischen über 80 Städte in 23 Ländern ausgeweitet.

Welche Vision steckt hinter Wolt?

Wir wollen die Leute glücklicher zu machen: Glücklichere Restaurants, die mehr Kunden haben und mehr Leute einstellen können. Glücklichere Lieferanten, die mit uns eine flexible Möglichkeit haben, Geld zu verdienen. Glücklichere Kunden, die eine größere und vielfältigere Auswahl an großartigem Essen haben, egal wann und wo – und dabei auch noch Zeit sparen. Man könnte sagen, unsere Mission ist es, Städte zu einem lebenswerteren Ort zu machen. Um genauer zu sein, wollen wir jede Stadt, in der wir aktiv sind, besser machen. Unser Unternehmensziel geht nämlich weit über die Erstellung einer „Bestell„App“ hinaus. Warum? Weil wir eine ganz neue Infrastruktur schaffen möchten. Wir bauen eine Verbindung zwischen Restaurants, Lieferanten und Kunden auf.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Wir haben Wolt vor 6 Jahren gegründet, und unsere ersten Lieferungen gingen vor 5 Jahren raus. Am Anfang war es wirklich schwierig für uns, in die ersten neuen Märkte außerhalb Finnlands zu expandieren. Diese Länder waren Schweden, Estland und Dänemark. Aber wir haben es geschafft, dort zu starten und unsere ersten Kunden zu gewinnen. Wir sind nach wie vor in diesen Ländern tätig, und diese Erfahrungen waren grundlegend dafür, wie wir heute unsere Wachstumsstrategie angehen. Der Markteintritt in Deutschland zum Beispiel verlief wesentlich reibungsloser als in den ersten Ländern, da wir nun über eine 5-jährige Erfahrung verfügen.

Auch in den nächsten Jahren wollen wir weiterwachsen und Personal aufstocken. Aber natürlich nur so, dass unsere Unternehmenskultur keinen Schaden nimmt. Aktuell beschäftigen wir rund 1200 Mitarbeitern und arbeiten hart daran, dass sich alle als Teil desselben „Wolt“- Unternehmens fühlen.

Beim Thema Finanzierung, haben wir zusätzlich zu den anfänglichen Seed- und Angel-Investitionen vier Finanzierungsrunden abgeschlossen. Insgesamt haben wir 258 Millionen Euro von Top-VCs aus der ganzen Welt erworben. Wir sind sehr froh, dass so viele erstklassige Unternehmen uns und unserer Art das Geschäft aufzubauen, großes Vertrauen entgegengebracht haben. Wir machen zwar noch immer Verluste, aber wir sind auf dem Weg zur Rentabilität, insbesondere in unseren älteren Märkten. 

Wer ist die Zielgruppe von Wolt?

Jeder, der Lust auf gutes Essen in heimischer Umgebung hat.

Wie funktioniert Wolt? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Wir kommen aus Finnland. Hier haben wir unser Geschäft auch gestartet: Helsinki, eine kleine Stadt mit einer geringen Einwohnerzahl, aber einer breit verteilten Stadtfläche und oft schlechtem Wetter. Darüber hinaus hatte Helsinki als Stadt noch keine richtige Lieferkultur für Essen. Helsinki ist oder war daher wahrscheinlich eine der schwierigsten Städte in Europa, um einen Essenslieferdienst aufzubauen. Daher mussten wir vom allerersten Tag an unser Geschäft anders aufbauen – in kleinen Schritten, mit enormer Effizienz und mit einem nicht nachlassenden Fokus auf die Verwendung von innovativen Technologien. Unsere nordische Herkunft und der Mangel eines großen Binnenmarktes hat uns dabei geholfen, drei Faktoren beim Aufbau unseres Geschäfts zu priorisieren – Effizienz, Technologie und Kundenerfahrung – die heute unsere Arbeitsweise bestimmen. Auf dieser Basis ist die Firma seit 2014 stark und stetig gewachsen. 

Konkret bedeutet dies, dass wir eine Technologie zur Optimierung der Logistik aufbauen, damit wir nicht nur während der Stoßzeiten, sondern auch während der Randzeiten zuverlässig und rentabel arbeiten können. Es bedeutet Dinge wie das Verknüpfen von Lieferungen („Bundling“), bei dem anstelle eines Kuriers, der von einem Restaurant zu einem Kunden geht, dieser Kurier Lebensmittel von 3 nahegelegenen Restaurants abholt und an 3 Kunden im gleichen Gebäude oder in der gleichen Nachbarschaft liefert.

Ein weiterer Aspekt ist, unser Umgang mit dem Kundenservice.

Wir stellen in allen Ländern, in denen wir tätig sind, ein Team von lokalen Kundendienstmitarbeitern ein, so dass wir in der Lage sind, auf Nachrichten von Kunden, Restaurants oder Kurieren in durchschnittlich weniger als 1 Minute zu reagieren. Und damit meinen wir echte Antworten von echten Menschen in der jeweiligen Landessprache – nicht von Robotern. Dies ist auch ein Grund dafür, warum wir im App Store mit 4,8 von5 und in Google Play mit 4,7 von 5 die höchsten Bewertungen bei der Lieferung von Lebensmitteln erzielen.  

Letzten Endes ist es unsere Aufgabe, ein nachhaltiges Geschäft aufzubauen, das drei Parteien in ausgewogener Weise verbindet: den Kunden, das Restaurant und den Kurier. Das bedeutet, dass wir dafür sorgen müssen, dass der Kunde sein Essen schnell genug zu einem vernünftigen Preis erhält, dass das Restaurant durch uns ein bedeutendes Einkommen erzielt und dass die Kuriere genügend Lieferungen mit ausreichend hohen Einnahmen haben. 

Wie hat sich ihr Unternehmen mit Corona verändert? Wie haben Sie sich darauf eingestellt und welche Änderungen haben Sie vorgenommen?

Als der Ausbruch von COVID-19 begann, haben wir frühzeitig eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um unsere Mitarbeiter zu schützen: Wir haben alle Mitarbeiter ins Home-Office geschickt (einschließlich des Kundensupports), den menschlichen Kontakt mit unserem kontaktlosen Lieferverfahren minimiert, ein Kurier-Unterstützungsprogramm gestartet und Richtlinien für alle Beteiligten bezüglich Hygiene und Sicherheit festgelegt. Obwohl die Einschränkungen (teilweise) aufgehoben wurden, haben wir die kontaktlose Lieferung als Standardoption beibehalten und legen weiterhin Wert auf soziale Distanzierung und besonders hohe Hygienestandards. Zusätzlich zu unseren direkten gesundheitsbezogenen Maßnahmen haben wir in vielen unserer Märkte Unterstützungsprogramme eingeführt, um Restaurants, die von den Sperrmaßnahmen stark betroffen waren, bei der Überwindung der Krise zu helfen.

Wo sehen Sie in der Krise die Chance?

Menschen zeigen in der Krise ihren wahren Charakter. Das gilt auch für Unternehmen: Verstehen Unternehmen die Krise? Können sie sich schnell auf die veränderte Situation einstellen, Alternativ- und Bewältigungsstrategien entwickeln? Und was lernen sie aus der Krise? Unternehmerisches Handeln ist eine ständige Herausforderung. Insofern bietet jede Krise die Chance, eingefahrene Wege zu verlassen und neue Lösungen zu erarbeiten. Ganz konkret hat die Corona-Pandemie zu einem großen Digitalisierungsschub weltweit geführt, auch in den Ländern, die bislang eher zögerlich waren. 

Für uns bedeutete Covid-19, die Arbeit an der Erschließung neuer Vertikalmärkte für Wolt zu beschleunigen. Da die Menschen in der Krisenzeit zu Hause bleiben mussten, haben wir schnell angefangen unseren Wolt Service um Lebensmittel und andere Einzelhändler zu erweitern.

Wir hatten bereits über diesen Entwicklungsschritt nachgedacht und erwogen, dies in Zukunft auszuprobieren, aber es war klar, dass die Menschen Lebensmittel schnell geliefert bekommen mussten, und so haben wir die Entwicklung enorm beschleunigt, um der Kundennachfrage nachzukommen. Deshalb stellten wir im Februar einen Leiter für den Bereich Einzelhandel ein und arbeiten aktuell mit 400 Veranstaltungsorten in 18 Ländern zusammen. Der Bereich ist vielversprechend für uns, und wir sind gespannt, wie sich der Einzelhandel entwickelt. Dies ist etwas, dass wir auch in Deutschland zukünftig in Betracht ziehen.

Wolt, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Es gibt nicht viele erfolgreiche Technologieunternehmen im Lebensmittelsektor, die aus Europa kommen, und wir wollen ein nachhaltiges Technologieunternehmen aufbauen, das langfristig Bestand hat. Letztendlich geht es bei jedem Unternehmen darum, ein nachhaltiges Geschäft aufzubauen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Fokus. Gerade in der Anfangsphase ist es unglaublich wichtig, sich auf das eigene Geschäftsmodell zu konzentrieren und sich eine eigene Nische zu suchen. Gleichzeitig ist es wichtig, das richtige Produkt oder die richtige Dienstleistung für den Kunden zu entwickeln. Letztendlich bedeutet Fokussierung auch, Nein sagen zu können, um sich auf das Wichtigste zu konzentrieren.

Scheitern akzeptieren und weiter machen. Scheitern ist Teil des Prozesses bei der Gründung eines Start-Ups. Es ist wichtig, eine Kultur aufzubauen, die schnelles Ausprobieren und Scheitern akzeptiert und auch fördert. Ebenso wichtig ist es, aus diesen Misserfolgen zu lernen, um nicht dieselben Fehler zu wiederholen, und dann einfach weiterzumachen.

Priorität liegt auf dem Kundenerlebnis. Wenn ein Unternehmen nicht die Einstellung hat, dass der Kunde an erster Stelle steht, ist es praktisch unmöglich, erfolgreich zu sein. Denken Sie also in allen Bereichen des Unternehmens immer an Ihre Kunden.  

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Miki Kuusi für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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