Wird Mark Zuckerberg bei Facebook rausgeworfen?

Skandale und harte Kritik sind bei Facebook bereits seit Monaten an der Tagesordnung. Nun gipfeln die öffentlichen Anschuldigungen in einem erneuten Höhepunkt: vier staatliche US-Fonds fordern offiziell den Rücktritt des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg als Verwaltungsratschef. Die Aktion ist derzeit lediglich als eine symbolische zu werten aber dennoch ist Zuckerbergs Imperium als gefährdet anzusehen.

Auf den ersten Blick mag die Forderung, Zuckerberg aus seinem eigenen Unternehmen zu drängen, gar wahnwitzig klingen. Die Hintergründe sind jedoch durchaus nachvollziehbar. Mark Zuckerberg ist derzeit sowohl Chef des Vorstands als auch des Aufsichtsrats. Als Inhaber dieser Posten überwacht er sich damit selbst. Es wird argumentiert, dass Facebook gesellschaftlich eine zu große Rolle spiele, als dass Zuckerberg diese Verantwortung als Einzelperson tragen könne.

Der Investment-Fonds Trillium Asset Management besitzt aktuell eine 11-Millionen-Dollar-Beteiligung an Facebook. Trillium ist es jüngst gelungen, eine Anzahl weiterer Investoren für die Sache gegen Zuckerberg zu gewinnen. So gaben vier weitere Fonds der US-Bundesstaaten Illinois, Rhode Island, Pennsylvania und New York City zwischenzeitlich offiziell bekannt, ebenfalls Befürworter von Zuckerbergs Rücktritt zu sein.

Neben der gesellschaftlichen Verantwortung werden als Gründe die anhaltenden Negativmeldungen über Facebook angeführt: der Cambridge Analytica Datenskandal, russische Wahlmanipulationen, Hackerangriffe und Datenmissbrauch. All dies ließ die Forderung laut werden, Zuckerberg solle sich vor einem unabhängigen Gremium verantworten. Die Position von Zuckerberg als Facebooks „Alleinherrscher“ stelle aus Sicht der Investoren ein zu hohes Risiko dar und müsse zwingend verändert werden.

Persönliche Folgen für Zuckerberg

Wie eingangs erwähnt, ist die Forderung nach Zuckerbergs Rücktritt zunächst rein symbolisch zu werten. Begründet liegt dies in der ungewöhnlichen Verteilung der Aktien; Facebook untergliedert die Wertpapiere in A-Aktien und B-Aktien. A-Aktien sind mit jeweils einer Stimme versehen und werden allgemein am Markt gehandelt. B-Aktien werden ausschließlich von Zuckerberg selbst sowie anderen Insidern gehalten. Zwar machen diese nur 18% des gesamten Aktienvolumens aus, doch B-Aktien sind mit jeweils 10 Stimmen ausgestattet. Durch diese Struktur bedingt, hält Zuckerberg selbst ca. 60% der Stimmrechte.

Zwar kann Zuckerberg vor diesem Hintergrund nicht zwangsweise abgesetzt werden. Dennoch sind die Forderungen staatlicher Investoren kein gutes Zeichen. Für Facebook stellt, in diesem Licht betrachtet, nicht mehr die Konkurrenz die größte Gefahr dar, sondern eine mögliche staatliche Regulierung.

Mögliche Konsequenzen für das Imperium

Wirtschaftlich gesehen sieht für Facebook alles gut aus. Die Zahlen sind tiefschwarz – trotz der letzthin deutlich zurückgegangen aktiven Nutzerzahlen in Europa. Zwar führte dieser Rückgang bei Aktionären teilweise zu Panikverkäufen, dennoch ist die Finanzlage des Unternehmens als überaus positiv und stabil zu werten. Sowohl Quartalsumsatz als auch Jahresgewinn stiegen gegenüber dem Vorjahr enorm.

Auch die Konkurrenz stellt keine ernstzunehmende Gefahr für Facebook dar. Google wird im kommenden Kalenderjahr den Dienst Google+ einstellen. Unter Zuhilfenahme von Instagram-Stories konnte Facebook zudem einen großen Konkurrenten ausbremsen: Snapchat.

Betrachtet man die Fakten, so stellt aktuell eine Zerschlagung des Imperiums die größte Gefahr dar, denn neben der Tatsache, dass einigen Investoren Zuckerbergs Ämterhäufung nicht gefällt, ist auch diese Monopolstellung vielen ein Dorn im Auge. Es mag derzeit (noch) unvorstellbar klingen, doch für Facebook wäre ein staatlich erzwungener Verkauf – beispielsweise von Instagram – ein herber Schlag.

Auswirkungen für private User

Für private Facebook Nutzer sind keine großen Veränderungen zu erwarten. Facebook wird Strategien mit der Zielsetzung einsetzen, höhere Werbeeinnahmen zu generieren. Hierzu gehört beispielsweise, Video-Inhalte noch stärker in den Vordergrund zu stellen.

Auswirkungen für Unternehmen

Besonders bei KMU’s (kleinen und mittelständischen Unternehmen) ist Facebook besonders beliebt, wenn es um Werbekampagnen geht. Kein anderes Medium bietet die Möglichkeit, potenzielle Kunden derart zielgerichtet anzusprechen.

Es ist jedoch damit zu rechnen, dass für Unternehmen Facebook Kampagnen im Preis steigen werden. Dieser Umstand liegt darin begründet, dass die Anzahl der Nutzer sinkt, sich Facebook Werbung aber immer größerer Beliebtheit erfreut und dadurch mehr Kampagnen platziert werden. Hinzu kommt, dass Facebook Anzeigeninhalte immer schärfer prüft und die Unternehmen dadurch immer mehr Ressourcen benötigen um ihre Anzeigen laufend zu optimieren und performant zu halten.

Mark Zuckerbergs Zukunft

Viele Spekulationen ranken sich um Mark Zuckerberg. Letztlich wird er selbst seine Zukunft bestimmen.

Zuckerberg betont wieder und wieder, dass es ihm immer nur darum ging, Menschen zu vernetzen. Ob man dem Milliardär diese Aussage glauben mag, bleibt jedem selbst überlassen. Unumstößlicher Fakt ist jedoch: Facebook wird nicht so schnell verschwinden – und die Wirtschaftswelt hat sicherlich bereits schlechtere Vorstandsvorsitzende als Mark Zuckerberg gesehen.

Über den Autor:

Jakob Hager ist der Gründer der internationalen Performance Marketing Agentur on2performance.com, Buchautor und Speaker. Er hilft Unternehmen Systeme aufzubauen, um automatisiert über das Internet Neukunden zu gewinnen. Hager betreute bereits NBA Vereine sowie einen Premier League Verein und hat es sich nun zur Mission gemacht, mit dem innovativen Konzept seiner Agentur den deutschen Mittelstand fit für die Digitalisierung zu machen.

Links:

www.jakobhager.com

www.on2performance.com

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

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