Man muss nicht gleich das Rad neu erfinden, aber einzigartig sein

Wie junge Unternehmen in einen bereits besetzten Markt vordringen können

Um sich als junges Unternehmen im Markt zu positionieren braucht es zwei Dinge – den unbeirrbaren Willen, etwas verändern zu wollen, und, noch wichtiger, eine einzigartige Idee und sei es fürs Marketing. Denn klar ist, gehört man zu denen, die bestehende Produkte oder Dienstleistungen durch eine vermeintlich perfekte Innovation aufwerten, begibt man sich immer in einen bereits umkämpften Markt.

Die erste Herausforderung: Kunden müssen vom Wechsel zum Ungewohnten überzeugt werden. Dass dies gelingen kann, zeigt das Beispiel fritz-kola, und illustriert zugleich, dass ein Markt mit wenigen Teilnehmern stärker offen ist für Disruption. 2002, als fritz gegründet wurde, hatte Coca-Cola für Softdrinks einen ähnlichen Status wie Google heute unter den Suchmaschinen. Wieso hätte es also einer neuen Cola bedürft? – Ohne die finanziellen Mittel eines Corporates dafür mit einem frechen Marketing, einem unverbrauchten Image sowie einer gewissen Unbekümmertheit und Freshness hat man sich einen festen Platz im deutschen Softgetränke-Markt erobert. Doch wie funktioniert das? Wie kann man die Dynamik des Markts ausnutzen, um vermeintlich unveränderliche Standards zu verabschieden? Wie sich ein Stück vom bereits verteilten Kuchen abschneiden?

Neue Standards und konkurrenzlose Nachfrage schaffen

Am besten lassen sich Bissen von Kuchen ergattern, die gerade am Aufgehen sind. Oder ohne Metaphorik gesprochen – das größte Potential bieten Wachstumsmärkte. Unser Team von drive by beispielsweise hat sich dem Carsharing verschrieben. Nicht zuletzt, weil alternative Mobilitätskonzepte langfristig Marktpotential bieten. Die Anzahl der Nutzer ist zwischen 2012 und 2017 von 262.000 auf 1.715.000 (Statista) gestiegen und viele Experten sehen die besten Zeiten und den richtigen Durchbruch noch kommen. Uns war also klar, dass wir uns auf einem Zukunftsmarkt bewegen.

Aber auch diese Erkenntnis bedeutet nicht automatisch Erfolg. Um beim Kuchen zu bleiben: Er muss einen einzigartigen Geschmack haben, der Menschen begeistert. Was es braucht, um einen Absatzmarkt zu schaffen, sind smarte USPs. Man muss nicht gleich das Rad neu erfinden, aber einzigartig sein und sei es durch ein eigenes Image, dass eine andere Zielgruppe erreicht. Firstmover decken zwar einen Großteil der Nachfrage ab, sind Kunden jedoch vertraut mit einem Produkt, entstehen neue Bedürfnisse. Diese zu begreifen, am besten durch den Austausch mit der eigenen Zielgruppe, ist ein wichtiger Schritt, um eine auf lange Sicht konkurrenzlose Nachfrage zu schaffen. Denn trotz Diversifizierung – im Regelfall kommt es wieder zu einer Konsolidierung wachsender Märkte. Wie das Beispiel fritz-kola zeigt, ist eine Koexistenz neben den Big Playern dann aber möglich.

Die beschränkten Mittel als Gewinn und das Team als Trumpf verstehen

Smarte USPs und boomende Branchen beiseite – ohne marktfähiges Konzept und dem richtigen Team gelingt nichts. Ich habe meine Erfahrung in Corporates gesammelt. Die Ressourcen waren gefühlt endlos. Diese Komfortzone gab es beim Wechsel ins Startup zu verlassen. Man kann das als Herausforderung, aber auch als Gewinn verstehen. In jedem Fall wird man durch begrenzte Mittel zum „Machen“ gezwungen. Alles muss wohl überlegt sein, zugleich ist ein langfristiges Planen nicht möglich. Zeit und Geld sind obligatorisch knapp. Dass dies jedoch ein Vorteil ist, hat nicht zuletzt Eric Ries mit der Lean Startup Methode aufgezeigt. Verschlankte Prozesse und die Konzeptlegung sozusagen learning-by-doing, sorgen nicht nur für eine schnellere Entwicklung, sondern dafür, dass am Ende ein marktfähiges Produkt steht und nicht eines ohne Absatzmarkt. So können weniger Ressourcen zu mehr Ertrag führen

Damit dies gelingt, gilt es auch dem alltäglichen Druck standzuhalten, der entsteht, wenn es darum geht kreative Wege zu gehen und zugleich Investoren zufrieden zu stellen. Umso wichtiger ist es, die kostbaren Ressourcen Geld und Zeit nicht von Egoismen auffressen zu lassen. Hier ist ein funktionierendes Team das Fundament zum Erfolg. Man verzeihe mir diese erneute Küchenmetapher, aber: viele Köche verderben den Brei. Einzelinteressen sind nicht nur hemmend, sondern wiedersprechen der Grundhaltung von Startups. Innovation werden letztlich von Menschen gemeinsam zum Leben erweckt. Es gilt die Identifikation mit dem eigenen Unternehmen, dem eigenen Produkt und auch immer mit der eigenen Zielgruppe zu wahren, um als Team zusammenzuwachsen.

Motivation als finale Zutat und den Spaß nicht vergessen

Funktionieren kann das aber nur, wenn man bei der Steuerung des Unternehmens die gemeinsamen Ziele für alle immer transparent macht. Denn mit großen Gehältern spielen, funktioniert nicht. Es hilft nur Teilhabe für alle spürbar zu machen und vor allem Motivation, Motivation, Motivation. So gilt es immer wieder die Leidenschaft dafür zu wecken, gemeinsam einen Markt zu knacken und die gemeinsame Idee Wirklichkeit werden zu sehen. Natürlich hilft dabei auch der unendliche Spaß im Startup-Alltag weiter. Kommt dieser noch als letzte Zutat zur einzigartigen Idee und den smarten USPs, lässt sich mit solch einem Team die Dynamik eines wachsenden Marktes nutzen.

UnternehmenWir bekommen das täglich zu spüren. Da wir unseren Service zurzeit noch nur in Berlin anbieten, wird jeder Erfolg für uns direkt spürbar, vom wachsenden Stamm an Nutzern bis hin zum steigenden Interesse der Corporates für unser Konzept. Dieses direkte Erfahren des schrittweisen Durchbruchs wünsche ich allen Gründern. Denn eines ist klar, Größe ist nicht auf Lebenszeit gepachtet. Wenn man, wie beispielsweise Nokia die Trends verschläft, kann man Federn lassen und vielleicht ist es dann ein smartes Startup, das den Markt aufrollt.

Titelbild: pixabay

Timo Nührich

Timo Nührich, 35, hat über zehn Jahre Automotive Erfahrung in verschiedenen Positionen im Business Development, Vertrieb und Marketing bei Audi, Toyota und Peugeot. Carsharing hält er für einen der wenigen skalierbaren Services im Bereich der neuen Mobilitätskonzepte. Mit dieser Überzeugung ergänzt er seit September 2017 als CEO das Gründerteam von drive by mobility. Timo Nührich doziert nebenberuflich an der Hochschule München.

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