Wie ihr euer FinTech Startup vor dem Scheitern bewahrt

Die FinTech-Szene boomt, gleichzeitig wird das Bankenwesen disruptiert. Die Anzahl der FinTech Startups hat sich in den letzten drei Jahren mehr als verdoppelt. Ein attraktiver Markt, in dem viele junge Gründer große Chancen sehen, zu recht. Trotzdem darf nicht vergessen werden, dass der Finanzsektor sehr sensibel und von gesetzlichen Regulierungen durchzogen ist.

Damit eure Innovationen nicht gleich im Keim erstickt werden, folgen anbei fünf Tipps um euer FinTech Startup vor einem vorzeitigen Aus zu bewahren:

1. Kümmert euch um eine Banklizenz
Wer unabhängig Bankgeschäfte betreiben will, braucht nach der deutschen Gesetzeslage eine Banklizenz von einer zuständigen Behörde für Bankenaufsicht. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin, stellt derartige Lizenzen aus. Klingt einfach – ist es aber nicht. Der Prozess, eine Banklizenz zu erhalten, kann sich über mehrere Monate ziehen. Die Forderungen der BaFin variieren je nach Geschäftsmodell. In der Kategorie „Alternative Bezahlmethoden“ zum Beispiel greift das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz. In diesem aufreibenden Verwaltungsprozess hat PAYMILL in der Vergangenheit die entscheidenden Schritte verpasst, um die Lizenzierung als Payment Facilitator zu erhalten. Sollte es mit einer BaFin Lizenz nicht klappen, ist es durchaus sinnvoll, über Alternativen nachzudenken. Irland und Luxemburg sind zurzeit am besten geeignet, um ein FinTech anzumelden und eine Lizenzierung zu beantragen. In diesen beiden Ländern ist die Bankenindustrie seit Jahren sehr etabliert, die Lizenzierung ist darauf ausgerichtet, Aktivitäten im gesamten SEPA-Bereich zu ermöglichen. Die gesetzlichen Regulierungen erlauben im Heimatland zu arbeiten und dennoch das Geschäft über die Landesgrenzen hinaus auszubauen.

2. Macht euch nicht abhängig
Gerade junge FinTechs sind kaum in der Lage, die Anforderungen für eine BaFin-Lizenz im ersten Anlauf zu erfüllen. Eine Abhängigkeit von Banken ist daher zu Beginn oft unvermeidbar. Wenn ihr mit Banken oder anderen Abwicklern kooperiert, geht keine unüberlegten Forderungen ein. Einmal in einen Knebelvertrag eingestiegen, kann es lange dauern, bis es zu neuen Verhandlungen kommt. Aus diesem Grund sollten sich Unternehmer frühzeitig externe rechtliche Unterstützung hinzuziehen. Eine Lizenz ist jedoch gleichzeitig der Schlüssel, um bessere Vertragsbedingungen mit den Banken auszuhandeln und mit anständigen Margen das Geschäft profitabel zu machen. Es ist kein großes Geheimnis: Als lizensierter Bank Partner trägst Du zwar das Risiko selbst, aber Du profitierst auch gleichwertig. Meine Ansicht ist: Wo ein Risiko ist, ist auch eine Prämie. Dein FinTech-Durchbruch wird durch eine gute Vertragsstruktur kommen.

3. Hebt euch von der Masse ab
FinTechs sprießen momentan wie Pilze aus dem Boden. Der Markt gilt nicht mehr als neu. Bei so viel Konkurrenz reicht es nicht aus, sich nur auf dem Produkt auszuruhen. Wer den Wettbewerb gewinnen will, muss Alleinstellungsmerkmale entwickeln. Marketing Maßnahmen können hierbei sehr behilflich sein und eure USP’s in das richtige Licht rücken. Bei über einem Dutzend etablierter Peer-to-Peer Lending Plattformen oder Payment-Anbieter am deutschen Markt, wird es für den Verbraucher schwer, zu selektieren. Letztlich kommt der Wettbewerber mit der innovativsten Vermarktungsstrategie am besten an.

4. Schafft Vertrauen
Bei Themen, die sich um Geld und die Finanzwelt drehen, fordern Verbraucher ein besonderes Maß an Vertrauen. Dem aktuellen World Wide FinTech Report 2017 zu Folge nimmt schon jeder zweite Bankkunde die Leistung eines FinTechs in Anspruch. In puncto Vertrauen sind die Nutzer jedoch skeptisch. In Europa gaben nur 16,1 % der Befragten an, einem FinTech Angebot zu vertrauen. Was FinTechs also in Zukunft leisten müssen, ist mehr Transparenz. Nur so kann das Vertrauen der Kunden langfristig gewonnen werden. Die Handhabung von Datenschutz und Sicherheit sind Themen die aktiv und offen kommuniziert werden müssen.

5. Zeigt dem Kunden, was er von euch hat
Egal, ob konventionelle Bank oder disruptives FinTech, dem Kunden ist vor allem der Nutzen hinter der Idee wichtig. Prozesse im Bankwesen werden nur schleppend digitalisiert, viele Strukturen sind veraltet und befriedigen nicht mehr die Bedürfnisse einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft. Nutzer brauchen einen Mehrwert, eine Vereinfachung von bürokratischen Bankdienstleistungen. Gestaltet eure Innovation so benutzerfreundlich wie möglich und optimiert eure User-Experience, bevor ihr an den Markt geht. Das reicht von der Legitimation für ein Girokonto über Videochat bis hin zum einfach zu implementierenden Bezahldienst im E-Commerce.

Outline
Yannick Decaumont, Managing Director von PAYMILL, hat das Scheitern eines FinTech Startups selbst miterlebt. Nach einer strategischen Insolvenzanmeldung im April, ist der Finanzdienstleister PAYMILL nun wieder zurück im Geschäft. Yannick Decaumont gibt nun jungen FinTech Gründern wertvolle Tipps mit auf den Weg, um erst gar nicht in dieses Worst Case Szenario zu geraten.

redaktion

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