Wie FinTechs um Talente kämpfen

Employer Branding ist A und O

Die Digitalisierung verändert nicht nur unser Leben und die Produkte und Dienstleistungen, die wir nutzen, sondern auch die gesamte Arbeitswelt – und zwar flächendeckend und auf allen Gebieten: Angefangen bei den Arbeitsprozessen, und -inhalten, bis hin zu den Fähigkeiten, die von den Mitarbeitern erwartet werden. Eingeschlossen sind dabei selbstverständlich auch die Wege, wie Unternehmen überhaupt zu ihren Angestellten kommen. Die klassische Bewerbungsmappe ist zwar längst zu den Akten gelegt, doch viele Firmen arbeiten stattdessen mit dem elektronischen Pendant. Nun werden große PDFs verschickt – auch dies ist kein zeitgemäßer Weg. Die Digital Natives haben heute kaum noch Lust zum Einscannen und Zusammenkopieren von Abschlüssen und Zeugnissen – sind aber trotzdem bestens für den Job geeignet. Also muss man sie als Arbeitgeber da abholen, wo sie sind: am Smartphone, idealerweise mit Apps und einfachen Funktionen zum Hochladen der Dateien.

Damit wir uns nicht missverstehen:

Wir sind ein Anbieter von zuverlässigen Identifikationsdienstleistungen. Wenn wir für unsere Kunden Personen verifizieren, so können sie sich zu 100 Prozent darauf verlassen. Also wollen wir auch keinen laxen Umgang mit Bewerbungen Vorschub leisten, zumal in diesem sensiblen Bereich. Doch man muss es den Fachkräften so leicht wie möglich machen, sich zu bewerben – sonst sind sie rasch woanders, und zwar dort, wo Unternehmen die Zeichen der Zeit erkannt haben.

Der Fachkräftemangel ist seit Jahren in aller Munde.

Doch es wird leider immer schlimmer, vor allem in einzelnen Sparten. Nehmen wir einmal unsere Branche, FinTechs: Dort ist das Job-Angebot im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 51 Prozent angestiegen (in der Gesamtwirtschaft nur um 15 Prozent). Doch 30 Prozent der Stellen dort können leider nicht besetzt werden. Und das ist nur der Durchschnitt. Bei begehrten Spezialisten sieht es noch trauriger aus – und LegalTechs etwa müssen bei einem Jobwachstum von mehr als 150 Prozent noch härter um geeignete Bewerber kämpfen, ebenso HealthTechs. Das Fachmedium „IT-Finanzmagazin“ berichtet von „erheblichen Problemen, die passenden Fachkräfte zu rekrutieren.“ Schließlich richte sich ein Fünftel der Stellenausschreibungen an stark nachgefragte IT-Spezialisten.

Was also lässt sich tun, damit Stellen bei Fintechs – mit 13.000 ausgeschrieben Vakanzen in den vergangenen 24 Monaten der mit Abstand größte Tech-Bereich – besser besetzt werden können? Auch wenn jeder Arbeitgeber unterschiedliche Bedürfnisse hat und jeweils anderes Personal sucht, möchte ich hier kurz davon berichten, was wir bei der WebID Solutions GmbH tun. Zunächst: Wir suchen wesentlich weniger Akademiker als andere FinTechs. Dort sind es branchenweit sage und schreibe 75 Prozent, wie es die Jobplattform Joblift herausgefunden hat. Bestimmte Berufe, und wenn wir Spezialisten suchen, erfordern auch bei uns einen Hochschulabschluss. Doch andere Tätigkeiten lassen sich auch ohne Bachelor, Master oder Diplom bewerkstelligen. Das ist ein großer Vorteil für uns. 

Die WebID ist eines der am schnellsten wachsenden FinTechs, Marktführer bei der Videoidentifikation und Technologiepionier.

Für unsere permanente Expansion, für unsere neuen Kunden und neuen Märkte suchen wir dabei auch viele andere Fachleute an unseren vier deutschen Standorten Berlin, Hamburg, Solingen und Kiel und für unsere Tochtergesellschaften weltweit: Vom Verkaufsprofi, über den Call-Center-Agent bis zum Juristen und IT-Crack. Dabei machen Call-Center-Agents bei uns den Löwenanteil der offenen Stellen aus, es ist der Kern unserer Dienstleistungen mit aktuell rund 400 Stellen. Und viele unserer Mitarbeiter dort besuchen tatsächlich eine Uni. Denn bei uns lässt sich neben dem Studium Geld mit einem soliden und verantwortungsvollen Job verdienen. Diese Flexibilität hat dazu geführt, dass wir weniger Probleme mit Stellenbesetzungen haben. Daneben gewinnen wir unsere Mitarbeiter mit überdurchschnittlicher Bezahlung, individuellen Arbeitszeiten und permanenter Weiterbildung.

Diese vier Punkte sind meiner Meinung nach die wichtigsten Erfolgsfaktoren beim raschen Stellenbesetzen.

Hinzu kommen flache Hierarchien und vor allem Aufstiegsmöglichkeiten, die wir ebenfalls bei uns anbieten. Denn haben unsere Studenten erstmal den Uni-Abschluss in der Tasche, stehen ihnen bei uns noch mehr Türen offen – und gleichzeitig müssen sie sich nicht mehr bei uns vorstellen. Wir kennen uns schon alle. Dieses Prinzip lässt sich sicherlich nicht überall anwenden, trägt bei uns aber entscheidend dazu bei, dass bei uns der Anteil unbesetzter Stellen weit unter den branchenüblichen 30 Prozent liegt.

Autor: Frank S. Jorga

Frank S. Jorga ist Co-CEO der WebID Solutions GmbH und für die strategische Ausrichtung sowie die weltweite Expansion der WebID verantwortlich. Das Unternehmen ist in Europa Marktführer für Online- Personenidentifikation und Online-Vertragsabschlüsse.

Weitere Informationen finden Sie hier

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