Was passt zu mir?

Das Unternehmen bestimmt den Kommunikationsstil

Jedes Startup hat eine andere Geschichte, was in der Regel schon das erste Differenzierungsmerkmal im Markt ist. Die Geschichte ist aufgrund der Menschen, die daran beteiligt sind, und deren Entwicklung besonders und einzigartig ist. Doch leider verlieren sie das gern aus dem Fokus und meinen mit zunehmendem Professionalisierungsgrad, dass Sie es so machen müssen wie die anderen oder wie man es von Ihnen und in der jeweiligen Branche erwartet. In meinen Augen ein riesen Fehler, denn das Unternehmen und die Unternehmer bestimmen den Stil der Kommunikation. Aber fangen wir vorne an.

Die Story ist die Basis

Ohne Geschichte keine PR. Doch bleiben Sie bei Ihrer eigenen. Viele Startups denken, sie müssten eine möglichst gut klingende oder effekthaschende Geschichte präsentieren, um aufzufallen. Mein Rat an dieser Stelle, die Lüge fliegt auf und wird durch geschickte Detailfragen schnell entlarvt. Also entwickeln sie nicht nur das Geschäftsmodell sorgfältig sondern definieren sie auch die reale Storyline Ihres Startups.

Von anderen lernen

Damit man seinen Stil finden kann, schadet es nie über den Tellerrand zu schauen. Doch bitte nicht nur in der eigenen Branche. Denn wenn alle auf der gleichen Plattform surfen, werden alle durch das Gleiche inspiriert und am Ende kommt das Gleiche dabei raus. Austauschbar und langweilig ohne Charakter. Es gibt viele Ideen für Kommunikationsmittel, -formen oder -kanäle, die inspirierend und bereichernd sind aber aus ganz anderen Lebensbereichen als den eigenen stammen.

Mein Tipp:
Stöbern Sie in mindestens 2 Branchen, die nichts mit Ihrem Thema zu tun haben, und stellen fest, wie dort kommuniziert wird. Halten Sie 2 Punkte fest, die Ihnen gefallen haben und auch für Ihr Startup anwendbar sind.

Wie erzähle ich die Geschichte?

Eine Geschichte zu erfinden ist nicht leicht, aber seine eigene, echte Geschichte zu erzählen ist das Einfachste. Warum? Nichts ist ausgedacht, sondern alles real erlebt. Es ist glaubwürdig, authentisch, nachvollziehbar und charakteristisch. Also trauen Sie sich Ihre Geschichte zu erzählen – von der Idee, über die Entscheidung zu gründen bis hin zum ersten großen Auftrag.

Mein Tipp:
Formulieren Sie ein Portrait Ihres Unternehmens in 3 Sätzen. Danach probieren Sie es nur in einem Satz. Sie werden erstaunt sein, wie anstrengend es ist, aber auch wie schön, sich mal kurz zu fassen.

Anders als die anderen

Nichts geht über eine gute Analyse der Mittel, der Möglichkeiten und des Marktes. Sie werden es von Ihrem Businessplan kennen, doch haben Sie das auch für die Kommunikation getan?
Auffallen heißt nicht automatisch, alles schreiend laut zu designen und die Kommunikation so provokant wie möglich zu gestalten. Das Besondere eines Unternehmens und seiner Kommunikation lässt sich ganz in drei einfachen Punkten ausdrücken:

1. Die Menschen, die es tun.
2. Die Art wie sie es tun.
3. Die Art wie sie darüber sprechen.

Und in jedem einzelnen Punkt steckt ein sehr individuelles Geheimnis, das der Schlüssel zu Ihrem Kommunikationsstil und Ihrer eigenen Kommunikationsstrategie ist.

Mein Tipp:
Nehmen Sie ein Blatt Papier und schreiben Sie für Ihr Unternehmen die drei oben genannten Punkte auf. Danach vergleichen Sie diese mit Ihren Wettbewerbern. Sie werden feststellen, dass sie bereits Dinge anders tun als andere. Also sprechen Sie auch darüber!

Der Trend geht vorüber, doch was nutze ich

Startups fragen mich gern, ob sie die neueste Technologie einsetzen müssen, damit sie erfolgreicher und zeitgemäß kommunizieren. Meine klare Antwort ist: „Nein.“

Es ist auch hier die ehrliche Frage, die eine ebenso ehrliche Antwort verdient: „Was passt zu mir?“ Nicht jedes Startup muss alle verfügbaren Kommunikationskanäle auch bespielen.
Das Wichtigste ist, dass Sie aktiv und regelmäßig kommunizieren und zusätzlich auf Situationen vorbereitet sind, in denen Sie kommunikativ auf etwas reagieren müssen (einen Testbericht, Kritik oder eine Krisensituation).

Entscheiden Sie sich bei den Mitteln und den Kanälen für eine Auswahl, die zum Charakter Ihres Unternehmens und zum Stil Ihrer Neuigkeiten passen. Selektieren Sie eine sinnvolle Anzahl von Kanälen, deren Betreuung Sie regelmäßig gewährleisten können.

Mein Tipp:
Überlegen Sie welcher Charaktereigenschaften für Ihr Unternehmen stehen. Danach überlegen Sie welche Neuigkeiten oder Nachrichten Sie verbreiten wollen / müssen. Als letztes schauen Sie sich an, welcher der möglichen Kommunikationskanäle Ihre Basis ist und definieren Art, Umfang, und Häufigkeit. Danach wissen Sie, ob ein Trend für Sie relevant ist oder nicht.

Fazit

Seien Sie ehrlich zu sich selbst: Was ist sinnvoll, was hilft und was kann regelmäßig mit Informationen bedient und betreut werden. Rennen Sie nicht irgendwelchen Kommunikationstrends hinterher, die nicht zu Ihnen passen. Sie machen sich unglaubwürdig. Definieren Sie die Mindestanforderung Ihrer Kommunikation und realisieren sie diese exzellent. Denn eine solide Basis schafft mehr Vertrauen und Glaubwürdigkeit als regelmäßiges Trendhopping.

Foto: © volkovslava -Fotolia.com

Annett Oeding

Annett Oeding berät seit 22 Jahren Geschäftsführer und Vorstände in Kommunikationsfragen. Sie leitete Kommunikationsabteilungen von Konzernen und arbeitete als Pressesprecherin. 2013 gründete sie ihre eigene Strategieberatung für Kommunikation AOSK und unterstützt neben etablierten Unternehmen immer mehr Startups, die sie in unterschiedlichen Phasen kommunikativ berät, trainiert, coacht und begleitet. Alle Informationen finden Sie auch auf http://aosk.de/

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