Und plötzlich ist alles anders – Wie die Digitalisierung den Arbeitsmarkt verändert.

Es passiert gerade etwas und das passt so gar nicht zu den guten deutschen Tugenden wie Perfektion, Top Qualität und ausgereifte Technologie. Jahrzehnte lang waren genau das die Eigenschaften, die „Made in Deutschland“ ausmachten und jetzt soll das anders sein? Ja, denn es ist nicht mehr so wie früher.

Niemand wird bestreiten, dass die Geschwindigkeit, in der sich Dinge verändern in den letzten Jahren dramatisch zugenommen hat.  Und natürlich ist damit jetzt nicht Schluss, sondern diese Veränderungsgeschwindigkeit wird weiter zunehmen. Getrieben von neuen Technologien wie künstlicher Intelligenz, Digitalisierung und Robotics verändert sich unsere Arbeitswelt. Aber diese neuen Technologien sind nur ein Teil des Problems. Die viel größere Herausforderung liegt darin, dass wir in bestimmten Bereichen komplett umdenken müssen – und das fällt vielen schwer.

Das Ende der Experten

Noch vor wenigen Jahren gab es Experten. Menschen, die in irgendeinem Bereich besonders viel Wissen angehäuft hatten und die damit einen Vorsprung anderen gegenüber hatten. Wenn ich heute einen Vortrag vor jungen Menschen halte, dann gibt es diesen Wissensvorsprung nicht mehr. Wenn das Publikum groß genug und vor allem jung genug ist, kann man schon während des Vortrags messen, dass plötzlich genau nach meinen Schlagwörtern gegoogelt wird – in der Region, in der ich den Vortrag halte und zu der Zeit, in der ich den Vortrag halte. Das bedeutet, meine Zuhörer überprüfen in Echtzeit meine Aussagen. Sie überprüfen die Aussagen aber nicht nur, sie folgen gleichzeitig weiterführenden Links. Während ich also rede, steht meinen Zuhörern in Echtzeit das gesamte Wissen des Internets zur Verfügung. Wenn es also jemand darauf anlegen würde, mich zu wiederlegen – ich hätte keine Chance.

Das Ende der Erfahrungen

Noch nie in der Geschichte gab es in einer so kurzen Zeit derartig viele, tiefgründige Veränderungen. Und mit vielen dieser Veränderungen hat noch vor kurzem niemand gerechnet. Wer hätte noch vor zehn Jahren geglaubt, dass es heute in Amerika praktisch keine Taxen mehr gibt? Noch vor wenigen Jahren waren die Straßen in New York orange. Und heute ist man ohne uber-App völlig aufgeschmissen. Und dabei sind die Taxen nur ein beliebiges Beispiel.

Neue Technologien wälzen unseren Alltag um. Disruption war das Businesswort 2015 und heute kann es keiner mehr hören und doch betrifft es uns alle. Es ist heute schon möglich, dass ein Computer in einem Restaurant anruft und einen Tisch bestellt – und keiner merkt, dass es ein Computer ist. Autos brauchen keine Fahrer mehr und Operationen werden von Robotern durchgeführt. Wenn aber plötzlich alles anders ist, wenn diese Disruptionen in unseren Alltag einziehen und unser Leben bestimmen, was nutzen dann noch alte Erfahrungen? Erfahrungen können uns natürlich vor Fehlern bewahren. Sie stehen uns aber auch oft genug im Weg.

Kultur des Ausprobierens

Ist das nun ein Problem? Werden wir in Zukunft alle unsere Jobs verlieren? Ich glaube nein! Allerdings müssen wir uns verändern. Wir müssen Traditionen und Erfahrungen loslassen. Wir müssen uns vor der Frage „Wo hat der das gelernt?“ verabschieden und wir brauchen eine neue Kultur. Eine Kultur des Ausprobierens. 

Wenn wir vom Silicone Valley eines lernen können, dann ist es genau das. Ausprobieren. Und wo kann man ein Produkt oder eine Idee am besten ausprobieren? Natürlich, beim Kunden. Anstatt nach Perfektion zu streben sollten wir uns besser mit dem Konzept des Minimum viable Products befassen, des einfachsten, überlebensfähigen Produktes. Wir müssen in Prototypen denken und mit diesen Prototypen möglichst schnell an den Markt gehen. Und hier können Start ups ihren Vorteil voll ausspielen. Start ups sind meist klein und damit flexibel genug, um schnell zu reagieren. Außerdem schleppen sie nur wenige „Erfahrungen“ mit sich rum, die sie daran hindern, Neues zu probieren.

Bei allem Ausprobieren muss man sich aber eine Sache immer wieder klar machen. Es werden Fehler passieren und es wird Rückschläge geben. Wer Angst vor Fehlern hat, wird den Wettlauf um die Disruptionen verlieren.  Wer sich aber von althergebrachtem löst, bereit ist Fehler zu machen, wer dann aus diesen lernt und so sein Produkt oder seine Dienstleistung immer weiter verbessert, für den stehen alle Türen offen.

Autor: Peter Brandl

Mit über 3.000 Veranstaltungen in mehr als 20 Ländern und beinahe 25 Jahren Erfahrung gehört Peter Brandl zu den gefragtesten Rednern zu den Themen Veränderung, Innovation und Management. Der mehrfache Autor ist Präsident der German Speakers Association und lebt in Berlin.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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