Montag, Dezember 5, 2022

Wettbewerbsvorteil Nachhaltigkeit – wie der Versand grüner wird

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Der E-Commerce wächst und wächst. Zugleich ist der Klimawandel ein Riesenthema und die Konsumenten nehmen die Unternehmen für ein nachhaltigeres Wirtschaften in die Pflicht. Online-Händler können – und müssen – grüner werden, wenn sie dem Planeten Gutes tun und sich die Sympathie und Loyalität ihrer Kundinnen und Kunden sichern wollen.

„E-Commerce ist normal“, meldet der Branchenverband bevh. Annähernd jeden siebten Euro, der den Deutschen im Jahr 2021 für Haushaltsausgaben zur Verfügung stand, investierten sie in Waren im E-Commerce. Das führt zu einem Riesentransportvolumen. Und das führt, wenn Online-Händler nicht aufpassen, zu CO2-Emissionen, Verpackungsbergen und Ressourcenverschwendung. 

Nachhaltigkeit ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. Die GfK meldet in einer aktuellen Studie, dass sich die Konsumenten stark um Umweltverschmutzung und Klimawandel sorgen. Dem Marktforschungsunternehmen zufolge fordern mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Befragten von Unternehmen, sich möglichst umweltbewusst zu verhalten. 

Für die Menschen wird mehr und mehr selbstverständlich, dass Firmen nachhaltig wirtschaften. Das betrifft selbstverständlich auch den E-Commerce mit seinem rapiden Wachstum. Online-Händler können viel gegen den Klimawandel tun, wenn sie „grüner“ werden. Das ist dringend notwendig, weil es dem Planeten hilft. Es wirkt sich aber auch positiv auf Image, Kundenzufriedenheit und Budget aus. Derzeit ist das Vertrauen der Konsumenten in das Engagement der Branche eher mau: Laut einer YouGov Studie glauben 46 Prozent der Befragten in Deutschland, dass Online-Handel nicht nachhaltig ist. Grund für diese Bedenken sind Transport und Verpackungsmüll. 

Verpackung und Versand sind große Hebel

Der nachhaltige Versand ist eine wichtige Stellschraube auf dem Weg zum klimaneutralen E-Commerce. Das Umweltbundesamt rechnet in seiner Studie „Die Ökologisierung des Online-Handels“ vor, dass eine Einkaufsfahrt von fünf Kilometern im eigenen Auto zwischen 600 bis 1.100 Gramm CO2 verursacht. Die private Shoppingtour ist somit deutlich schädlicher als eine Lieferung vom Online-Händler, bei der im Schnittzwischen 200 und 400 Gramm CO2 anfallen.

Die positivere Bilanz wird mit der besseren Fahrzeugauslastung, effizienten Lieferrouten und dem zunehmenden Einsatz von Elektrofahrzeugen begründet. Aber es gibt eben auch Aspekte, die die Klimabilanz des E-Commerce deutlich schmälern: Umweltbelastende Faktoren im Online-Handel seien die Versandverpackungsabfälle und der Lieferabschnitt bis zur Haustür, die „letzte Meile“.

Das Umweltbundesamt schätzt, dass sich bei Versandhandelsverpackungen pro Jahr zwischen 180.000 und 370.000 Tonnen Verpackungsabfall einsparen ließen – was einer Reduktion um 22 bis 45 Prozent entspräche. Das ist eine enorme Menge. Effizientere Verpackungen würden nicht nur Müll, Transportvolumen und somit Geld sparen, sondern auch die Erwartungen der Kundinnen und Kunden erfüllen: Sie möchten nicht, dass ihre Bestellung in unnötig vielen Einzelteilen, womöglich noch in überdimensionierten Kartons und mit Füllmaterial aus Plastik bei ihnen eintrifft.

Online-Händler, die Paketgrößen den Produktgrößen entsprechend angemessen wählen, Bestellungen bündeln und umweltfreundliche Verpackungsmaterialen sparsam einsetzen, können ihren ökologischen Fußabdruck bei der Logistik deutlich senken. Auch Mehrwegverpackungen, die leer zurückgeschickt werden, sind eine Lösung, um die Abfallmenge zu reduzieren. 

Fahrten vermeiden, wo immer es geht

Nicht nur in puncto Verpackung können E-Commerce-Unternehmen „quick wins“ für mehr Nachhaltigkeit erzielen. Auch die Vermeidung von Retouren hat eine große Wirkung: Die Rücksendung einer Ware drückt bekanntlich nicht nur die Marge, sondern belastet auch das Klima. Je besser, detaillierter und originalgetreuer die Händler ihre Produkte in Online-Shops präsentieren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Käuferinnen und Käufer sie behalten und sie nicht wieder hin- und hergefahren werden muss.

Und dann ist da noch die letzte Meile: Online-Händler können schon bei der Auswahl der Zustellunternehmen einen Unterschied machen und ihre Klimabilanz erheblich verbessern. Dabei gilt: CO2-Kompensation ist gut – CO2-Vermeidung ist besser. Wenn Dienstleister die letzte Meile zur Haustür der Kundschaft mit E-Bikes, zu Fuß oder mit grünem Strom betriebenen Elektro-Autos bewältigen, ist die Zustellung emissionsfrei.

Verfügt ein Logistiker zudem über Packstationen, spart auch das viele vergebliche Zustellversuche. Setzt er auf eine optimierte Zustellung und bietet eine digitale Sendungsverfolgung, die Zustellung zur Wunschzeit und die Ablage der Ware an einem vorher vereinbarten Ort, dann macht das nicht nur die Empfängerinnen und Empfänger happy, sondern ist auch gut fürs Klima.

Allerdings können nicht Auftraggeber und Unternehmen allein den Klimawandel aufhalten. Es gilt, auch die Konsumenten mit ins Boot zu holen – etwa indem sie längere Lieferzeiten in Kauf nehmen, wenn dann mehrere Produkte gebündelt werden können, oder indem sie keine Auswahlbestellungen ordern. Gemeinsam lässt sich viel erreichen. 

Autor:

Thomas Kempkes ist Head of Partnermanagement Warenversand bei DHL Paket GmbH und unterstützt Unternehmen im E-Commerce dabei, ihren Versand nachhaltiger zu gestalten

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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