Freitag, Oktober 7, 2022

Selbst die besten Produkte verkaufen sich nicht von selbst

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

WIANCO OTT Robotics ist Startup of the Month im November des Frankfurt Forward Awards

Stellen Sie sich und das Startup WIANCO OTT Robotics doch kurz unseren Lesern vor! 

Mit dem Beginn meiner Selbstständigkeit als Softwareentwickler im Jahr 1996 parallel zu meinem Studium der Wirtschaftsinformatik in Darmstadt widme ich mich seit 2004 als Geschäftsführer der WIANCO Solutions Group der Programmierung von Systemen im Bereich IT-Sicherheit und der IT-Qualitätssicherung sowie der Durchführung zugehöriger Projektmanagement Aufgaben. Vor rund 10 Jahren begann für mich zusammen mit Paul Tessmann – ebenfalls Geschäftsführer und Mitgründer der WIANCO OTT Robotics GmbH und zudem ein sehr guter Freund – die Reise der Entwicklung einer Lösung, der es gelingen sollte, menschliche Interaktionen mit beliebiger Software auf beliebigen Devices zu imitieren, um Mitarbeiter in der Durchführung repetitiver, monotoner Aufgaben zu entlasten.

Roboter und die Themengebiete der künstlichen Intelligenz faszinierten uns bereits seit unserer Kindheit. Dass es unserem Team gelingen würde, eine kognitive künstliche Intelligenz zu entwickeln, die ausgestattet mit Wahrnehmung und der Fähigkeit zur Bedienung jedes Systems, auch Nicht-IT-lern ermöglicht, ganze Geschäftsprozesse innerhalb von kürzester Zeit zu automatisieren, wirkte zu dieser Zeit für viele noch wie Science-Fiction.

Heute ist unsere Lösung, die freundliche digitale Assistentin EMMA, in Unternehmen unterschiedlicher Branchen im Einsatz und erledigt wiederkehrende Aufgaben schnell, zuverlässig und kostengünstig, sei es die Durchführung von Jahresabschlüssen in Steuerkanzleien, der Erstellung von Reports für Präsentationen für Geschäftsführer und Vorstände in Banken, der Versandvorbereitung und Rechnungserstellung für Webshop-Betreiber, Automatisierungen in SAP, Salesforce und anderen ERP Systemen, der Durchführung von Testautomatisierungen für IT-Unternehmen oder der Automatisierung von Social Media Management Aktivitäten auf unterschiedlichen Kanälen. EMMA kann jede Software sofort auf jedem Gerät bedienen, um alle zugehörigen Aufgaben zu erledigen, die keine Kreativität und keinen menschlichen Enthusiasmus erfordern. Und das sind bei genauer Betrachtung mehr Aufgaben, als man im ersten Moment erkennt.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen? 

Den beständigen und früh verankerten Wunsch nach Freiheit, Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit in der persönlichen Weiterentwicklung haben Paul Tessmann und ich sicherlich mit vielen Gründern gemeinsam. In den Geschichten berühmter Entdecker und Erfinder – seien es fiktive Charaktere wie Daniel Düsentrieb oder reale Personen wie Konrad Zuse – inspirierte uns der Gedanke, etwas zu entwickeln, das nicht nur für einen selbst, sondern für viele Menschen, bis hin zur einer ganzen Gesellschaft Nutzen und damit einen Mehrwert stiftet. In Kombination mit unserer Leidenschaft für Roboter, KI und Automatisierung musste das zwangsläufig zur Gründung eines Unternehmens in diesen Disziplinen führen.

Welche Vision steckt hinter WIANCO?

Das Zeitalter der Digitalisierung generiert weltweit einen sehr hohen Bedarf an Softwareentwicklern und anderen Fachkräften, die weder aktuell noch in den nächsten Jahren in ausreichender Anzahl vorhanden sein werden. Mit EMMA ist es uns gelungen, eine Lösung zu entwickeln, die auch Menschen ohne Programmierkenntnisse in die Lage versetzt, ihre eigenen repetitiven Prozesse zu automatisieren, um damit zum wertvollen Unterstützer und Teilnehmer der Digitalisierungsstrategien der Länder und der Unternehmen zu werden, statt die Position eines Zuschauers einzunehmen, der nicht wirklich versteht, wie sich die Welt in den nächsten Jahren um ihn herum verändert. 

Wir möchten wesentlich dazu beitragen, im Wirtschaftsstandort Deutschland in den Bereichen der Digitalisierung und der Weiterentwicklung der kognitiven künstlichen Intelligenz kompetitive Vorteile auf- und weiter auszubauen. Die Leistungsfähigkeiten unserer KI-Entwicklungen sind noch lange nicht am Ende ihrer Möglichkeiten angelangt, sondern entfalten regelmäßig weitere Potenziale.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert? 

Auch die besten Produkte verkaufen sich nicht von selbst. Noch schwieriger ist der Verkauf von hochinnovativen Produkten, weil viele Entscheidungsträger lieber Verfahren und Lösungen anwenden, die bereits von anderen Konzernen eingeführt wurden, denn „dann kann man ja nichts falsch machen“. Schade ist es, wenn man sich damit der Chance beraubt, schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt etwas besser zu machen. Ein Unternehmen, deren Einheit die Umsetzung von Prozessautomatisierungen vornimmt, hat uns gegenüber mal erstaunlicherweise die Befürchtung geäußert, die Einfachheit und Effektivität von EMMA würde ihr Geschäftsmodell angreifen, da sie daran verdienen, möglichst viele MannTage für die Automatisierung und Wartung von Prozessen an ihre Kunden zu fakturieren. Zu unserem Glück haben dann andere Unternehmensberatungen verstanden, dass sie mit EMMA gerade aufgrund der geringen Komplexität wesentlich mehr Prozesse in kürzerer Zeit automatisieren können, so dass sich der Mehrwert für ihre Kunden signifikant erhöht, ohne dass der Projektumfang reduziert werden muss. 

Mittelfristig setzen sich Qualität und innovative disruptive Lösungen durch, aber am Anfang muss ein Startup lernen, mit solchen Situationen umzugehen, bis es die richtigen Partner gefunden hat, die Vorteile ihrer Lösung einer größeren Bühne zugänglich zu machen. 

Bisher finanzieren wir uns aus den eigenen Umsätzen, da die kognitive KI von EMMA sehr gut funktioniert und zunehmende Aufmerksamkeit erfährt, doch sind wir uns darüber bewusst, dass die Aufnahme von „intelligentem Kapital“ eine zielgerichtete Skalierung des Unternehmens wesentlich beschleunigt und neue Möglichkeiten zur Weiterentwicklung der KI bewirkt.

Wer ist die Zielgruppe von WIANCO? 

Die Digitalisierung und damit schließlich Automatisierung von Geschäftsprozessen ist ein Thema dem sich mittelfristig kein erfolgreiches Unternehmen entziehen kann. Den Gesamtmarkt nicht aus dem Auge verlierend haben wir uns darauf spezialisiert, durch EMMA gerade auch für kleine und mittelständische Unternehmen eine preislich attraktive und sehr effektive Lösung zu schaffen. In nur 90 Minuten hat die Facharbeiterin eines mittelständischen Unternehmens im B2C E-Commerce mit EMMA ihren Prozess zur Bestellannahme und Versandvorbereitung inkl. Rechnungserzeugung im Webshop Backend automatisiert und damit 3 Stunden an täglicher Bearbeitung dieses wiederkehrenden Prozesses pro Mitarbeiter eingespart.

Das macht bei 220 Arbeitstagen und einem Stundensatz inkl. Personalnebenkosten in Höhe von 20 € rund 13.200 € pro Jahr an Einsparung pro Mitarbeiter aus. Die anteiligen gegenüberstehenden Kosten der Automatisierung lagen bei rund 680 €. Das überzeugt, und die Entscheidung für den Kauf von EMMA wurde noch in derselben Woche getroffen. Doch auch einzelne Fachbereiche im Banken- und Konzernumfeld haben sich bereits von den Vorteilen von EMMA überzeugt und präsentieren ihre Erfolge weiteren Unternehmenseinheiten. Sie automatisierten Prozesse an 1 bis 2 Tagen, für die sie vorher 15 – 20 Tage benötigten. Unsere Zielgruppe sind damit zwar prinzipiell Unternehmen aller Größen, doch liegt ein wesentlicher Vorteil von EMMA in der kurzen Einarbeitung, der schnellen Umsetzung einer Prozessautomatisierung und damit in der unmittelbaren Einsatzfähigkeit in jedem mittelständischen Unternehmen.

Wie funktioniert EMMA? Wo liegen die Vorteile? 

EMMA erledigt zeitaufwendige, mühselige Aufgaben, die ansonsten Mitarbeitende an den Medienbrüchen ausführen. Deswegen beherrscht EMMA dieselben Arbeitsschritte wie die Mitarbeitenden. Das sind im Wesentlichen: Programm-Icons , Texte und Felder suchen, Scrollen, Texte oder Daten lesen und vergleichen,

Klicken, um z. B. Dateien oder Programme zu öffnen, Daten oder Texte kopieren und einfügen, Daten oder Texte eingeben, Daten auslesen, Daten sortieren, Entscheidungen treffen: 

Wenn A erfüllt ist, dann tue B, ansonsten C, So lange wiederholen, bis eine Bedingung erfüllt ist, Dateien drucken, u. a. als pdf, an Systemen anmelden, Programme „wechseln“, Dateien oder Verzeichnisse anlegen, Mails schreiben und versenden, …

Auf einem Desktop-Rechner, einem Notebook oder einer virtuellen Maschine installiert ermöglicht EMMA dem Benutzer, ihr auf sehr einfache Weise zu „erklären“, was und wie sie es zu machen hat – ähnlich der Einarbeitung neuer Mitarbeiter. Anschließend kann sie alle gelernten Prozesse 24/7 für das Unternehmen durchführen, wird nicht müde, braucht keinen Urlaub, übersieht nichts und vertippt sich nicht. Dadurch wird das wertvolle Prozess-Know-how im Unternehmen konserviert, dokumentiert und ist jederzeit abrufbar und ausführbar. Die Einfachheit von EMMA steigert zudem den Wertschöpfungsskill der Mitarbeiter und motiviert diese zur Unterstützung der Digitalisierung.

Häufig existierende Vorbehalte und Ängste zur Digitalisierung lösen sich schnell auf, und die Produktivität steigt, während die Arbeit mit EMMA wirklich Spaß macht, was uns involvierte Mitarbeiter unserer Kunden regelmäßig bestätigen. Darüber hinaus beweist EMMA mit Fakten, was und wie sie es durchgeführt hat, statt über elektronisch erzeugte technische Protokolle lediglich fehleranfällige Behauptungen zu erstellen. Damit bildet auch die Art ihrer revisionssicheren Dokumentation automatisierter Abläufe einen wesentlichen Vorteil für Fach- und Abteilungsverantwortliche, den es in dieser Form bisher nicht gab. Denn auch sie wurde erst durch die kognitive KI ermöglicht, die die Prozessausführung, Überwachung und Dokumentation aus der Benutzer Perspektive vornimmt.

Sie sind Startup of the Month im Monat November. Wie geht es jetzt weiter? 

Nun, wir würden uns sehr freuen, wenn der innovative gesellschaftliche Mehrwert von EMMA uns auch die Auszeichnung „Startup of the Year“ ermöglicht. 

WIANCO OTT Robotics, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Mit einem Umsatzziel von über 400 Millionen Euro und rund 1300 Mitarbeitern befindet sich WIANCO auf einem Weg, der unserem wachsenden Team ein Höchstmaß an Konzentration und Disziplin abverlangt, während sich unsere aufbau- und ablauforganisatorischen Unternehmensstrukturen einer fortlaufenden, rapiden Veränderung unterziehen werden. Erfolgreich vorgemacht haben das schon andere, doch wissen wir um die hierfür notwendigen Unterstützungen durch starke Partner. Das Bewusstsein darüber, dass es sich dabei nicht um einmalige, zufällige Ereignisse, sondern reproduzierbare Strukturen handelt, stärkt unsere Entschiedenheit diesen Weg ebenfalls zu gehen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben? 

  1. Selbst die besten Produkte verkaufen sich nicht von selbst. Investiert frühzeitig in den Aufbau von starken Partnerschaften. Bis sich diese entwickeln und reifen vergeht ebenfalls viel Zeit.
  2. Schwierigkeiten und Fehlschläge sind keine Ausnahmen, sondern gehören zum Lern- und Wachstumsprozess dazu. Auch die größten Boxer schlagen regelmäßig daneben und lagen ausnahmslos auf den Brettern. Trainiert Eure geistige und körperliche Konstitution, ernährt Euch gut und vernachlässigt nicht die Physik Eurer Körper.
  3. Seid hilfsbereit, freundlich und stiftet Eurer Zielgruppe den Mehrwert, der sie erfolgreich macht. Euer Erfolg resultiert aus der Menge und Höhe des Nutzens, den Ihr für sie generiert – nicht aus den Features Eurer Produkte.

Wir bedanken uns bei den Gründern für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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