whicee: für niveauvolle Kommentare im Netz

whicee: konstruktive Debatten führen

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen whicee doch kurz vor!
whicee ist die neue Plattform für niveauvolle Kommentare im Netz. Bei uns kommen diejenigen zu Wort, die eine Diskussion voranbringen statt zerstören wollen und ihre Meinung (ausreichend) begründen können. Unser Online-Medium ermöglicht es mit Hilfe von einfachen Regeln – u.a. einer Mindestlänge von 100 Wörtern – konstruktive Debatten zu führen, ohne Hasskommentare oder wechselseitigen Beleidigungen.
Die whicee Unternehmergesellschaft wurde im April 2015 in Hamburg gegründet. Mit einem Team bestehend aus Webentwicklern, BWLern und AutorInnen wurde zunächst am Aufbau und Inhalt der Webseite gearbeitet, die schließlich im Juli 2015 in der BETA-Version online gegangen ist.
Bei whicee kann jeder mitmachen, der in einem niveauvollen Umfeld seine Meinung äußern möchte. Die Anmeldung ist kostenlos.

Wie ist die Idee zu whicee entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Als Anfang des Jahrzehnts soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter rasant gewachsen sind, stieg auch die Anzahl der Belanglosigkeiten und Hasskommentare, die über diese Medien verbreitet wurden. Uns ist aufgefallen, dass mit den diversen, zur Verfügung gestellten Kommentarfunktionen keine fruchtbare Diskussion stattfindet. Stattdessen beleidigen sich die User oft nur gegenseitig oder streiten über etwas, das nichts mehr mit dem Ausgangsthema zu tun hat. Zudem gibt es Beiträge, z.B. auf Facebook, die innerhalb von Minuten von mehr als 1000 Nutzern kommentiert werden. Sinnvolle und längere Beiträge gehen dabei in der Masse von Belanglosigkeiten völlig unter. Uns persönlich hat das immer davon abgehalten, uns überhaupt an solchen Diskussionen zu beteiligen. Julian dachte damals, dass es eine Plattform geben müsste, wo zu diversen Netzinhalten nur die sinnvollen Kommentare gesammelt werden. Zum einen könnte man dann als Autor sichergehen, keinem „Shitstorm“ zum Opfer zu fallen, wenn man seine Meinung äußert. Zum anderen wüsste man als Leser dann, dass man seine Zeit nicht mit Beleidigungen und Belanglosigkeiten verschwendet, wenn man auf einer solchen Plattform unterwegs ist.
Zu diesem Zeitpunkt hat Julian an der Nordakademie in Elmshorn BWL studiert und seinem Professor in Datenverarbeitung von seiner Idee erzählt. Der war begeistert von Julians Enthusiasmus, aber auch skeptisch, ob es gelingen kann, ein Konzept zu entwickeln, dass die Leute davon abhält „Blödsinn“ zu schreiben. Außerdem gehöre eine Menge Computer-Know-how dazu, um ein „quasi zweites Facebook“ zu entwickeln, gab er zu bedenken. Julian ließ sich davon nicht abschrecken, schaute sich nächtelang Youtube-Tutorials über HTML, PHP und SQL an und programmierte den ersten Prototypen selbst. Die Seite nannte Julian damals „Your Comment“, woraus sich der heutige Name whicee (gesprochen wie die englischen Buchstaben „Y“ und „C“) ableitet. Mit diesen ersten Ansätzen schaffte Julian es, seinen Mitstudenten Christian von der Idee zu überzeugen, sodass die beiden von da an das Projekt gemeinsam vorantreiben konnten. Sie versuchten, dazu auf alle Ressourcen zuzugreifen, die sie irgendwie verfügbar machen konnten. So konnten sie z.B. Julians Cousin, der gerade seine Ausbildung zum Grafik-Designer abgeschlossen hatte, dazu überreden, für uns ein Logo zu entwerfen und das erste, wirklich professionelle Frontend zu programmieren. Richtig Fahrt nahm das Projekt dann auf, als Mitte 2014 Daniel als erfahrener Backend-Entwickler zum Team dazu gestoßen ist. Julian und Daniel hatten zuvor gemeinsam an einigen Projekten im gleichen Unternehmen gearbeitet und nach einigen Tassen Cappuccino und etwas Überzeugungsarbeit hatten wir Daniel an Bord. Als er uns dann auch noch zwei Investoren vorstellte, die bereit waren, uns mit dem nötigen Startkapital auszustatten, war der Weg für die Gründung im April 2015 frei. Unsere Plattform wäre aber heute noch eine leere weiße Seite, wenn wir nicht kurz nach der Gründung noch Karin für unser Content Management und das Social Media Marketing hätten gewinnen können.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größte Herausforderung war es, die geeigneten Leute für das Unternehmen zu finden und am Ball zu halten. Vor der Gründung mussten wir versuchen, fast gänzlich ohne Kapital auszukommen. Unter dieser Voraussetzung eine komplexe Internet-Plattform aufzubauen ist ein schwieriges Unterfangen. Web-Entwickler sind (zurecht) hochbezahlte und gefragte Leute, die schwer davon zu überzeugen sind, in ihrer Freizeit „pro bono“ an weiteren Projekten zu arbeiten.
Bei der Gründung haben wir aus dem sogenannten „Family, FriendsandFools“-Umfeld das nötige Seed Capital erhalten, um die Webseite auf den heutigen Stand zu bringen. Zur Finanzierung des nun geplanten Wachstums sind in naher Zukunft Gespräche mit weiteren potentiellen Investoren vorgesehen.
Einnahmen erzielt die Seite derzeit durch Anzeigenwerbung. Wir entwickeln jedoch momentan vor allem die Nutzung für den akademischen Bereich als neues, vielversprechendes Geschäftsfeld.

Wer ist die Zielgruppe von whicee?
Ein großer Teil unserer Nutzer sind BloggerInnen, JournalistInnen oder BuchautorInnen. Das liegt hauptsächlich daran, dass diese Nutzergruppe im Schreiben geübt ist und die 100-800 Wörter leichter von der Hand gehen. Wir wollen whicee jedoch bewusst für jedermann zugänglich und interessant machen. Das Gute an whicee ist, dass man nicht wie bei einem Blog eine Stammleserschaft aufbauen und dann regelmäßig neue Geschichten abliefern muss. Bei uns kommentieren viele, die sonst das Internet kaum als Medium nutzen, um sich mitzuteilen, aber zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt ihre Meinung zu einem Thema äußern und verbreiten wollen. Das Wunderbare ist, dass dabei eben nicht die typischen „das muss jetzt endlich mal gesagt werden“-Kommentare heraus kommen, sondern vornehmlich konstruktive Ansätze zur Problemlösung, wie z.B. in den aktuellen Debatten um Flüchtlinge oder sexuellen Missbrauch. Dafür sorgen unsere Konventionen und unser sehr aktives Content Management.
„Niveauvolle Diskussion“ bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass man sich nur über die großen, schwierigen Themen dieser Welt äußern kann. Tatsächlich gibt es auf whicee inzwischen sogar niveauvolle Kommentare zum „Bachelor“ oder zum „Dschungelcamp“!

Wie funktioniert whicee?
whicee hebt sich vor allem durch seine Funktionsweise und das besondere Format der Beiträge von klassischen sozialen Netzwerken, Diskussionsforen und Blogs ab. NutzerInnen können Beiträge („Comments“) zu verschiedenen Themen veröffentlichen und sich dabei auf eine beliebige Quelle aus dem Internet beziehen. Die Bandbreite reicht dabei von sozialpolitischen Fragen bis hin zu Film, Musik und Lifestyle. Alle Beiträge müssen dabei eine Länge von 100 bis 800 Wörtern einhalten und einfache Regeln befolgen, die zur Sicherung der Qualität beitragen. Die NutzerInnen sichern die Einhaltung der Regeln selbst durch das Bewerten und ggf. Melden der Comments und werden dabei von einem Moderatorenteam unterstützt. Jeder Comment erhält einen speziellen Tag („StarTag“), durch den er einer Diskussion zugeordnet wird. Diese Diskussionsstränge können separat aufgerufen und nach Bewertungen sortiert werden. Dadurch wird sichtbar, mit welcher Meinung die NutzerInnen am ehesten übereinstimmen.

Warum sollte man whicee nutzen?
Ziel von whicee ist nicht, Facebook oder Twitter zu ersetzen, sondern viel mehr sinnvoll zu ergänzen. Jede/r NutzerIn von sozialen Netzwerken sollte whicee nutzen, wenn ihr/ihm ein Thema am Herzen liegt und er/ sie dazu mehr als 100 Wörter zu sagen hat. Auf unserer Plattform findet jede Meinung (sofern sie den Regeln entspricht) ihren Platz und kann im Anschluss mit dem „whicee-Qualitätssiegel“ in allen anderen Netzwerken geteilt werden. Auf der Plattform selbst kann man z.B. hochwertiges Feedback zu seinen eigenen Ansichten und Ideen erhalten oder sich an einer konstruktiven Diskussion über Probleme und mögliche Lösungen beteiligen. Natürlich kann whicee auch „passiv“ genutzt werden, bspw. um sich über den Verlauf aktueller politischer Debatten zu informieren.

whicee, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Vor uns liegt noch ein weiter Weg, bis wir mit whicee da angekommen sind, wo wir hinwollen. Wir entdecken jeden Tag noch Dinge, die wir verbessern können und arbeiten ständig an sinnvollen neuen Funktionen.
Eines der wichtigsten Vorhaben ist die Expansion in die USA, wo Julian derzeit seinen Master in Entrepreneurial Leadership am Babson College macht. Die Vermarktung der Plattform in den Vereinigten Staaten ist ein spannendes Projekt, da die Diskussionskultur dort noch einmal anders funktioniert als in Europa.
Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Einführung von „whicee Academics“. Aktuell bereiten wir entsprechende Tests an Hochschulen in den USA vor, um herauszufinden, wie whicee dazu genutzt werden kann, im akademischen Umfeld Problemlösungen im Kollektiv zu bewerten und Studierenden eine konstruktive Feedbackkultur nahezubringen.
In fünf Jahren wollen wir mit whicee in beiden Märkten Fuß gefasst haben und profitabel sein. Wir wollen uns als fester Bestandteil der Social Media Landschaft etablieren und als eine der führenden Plattformen für gehaltvolle Debatten wahrgenommen werden. Wir wünschen uns, dass auch Unternehmen und PolitikerInnen die Vorteile von whicee gegenüber anderen sozialen Netzwerken erkennen und unsere Plattform nutzen, um Ihre Ideen und Konzepte einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Wir glauben, dass wir so den gesamten Prozess der öffentlichen Meinungsbildung grundlegend verändern könnten.

Zum Schluss: Welche Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Einfach immer weiter machen. Oder wie einer von Julians Professoren zu sagen pflegte: „Einfach das Ding bauen, egal womit und wie“.
Als wir nur eine Idee hatten, mussten wir uns oftSätze wie diesen anhören: „Wenn ihr mir in einer Minute nicht erklären könnt wie es funktioniert und wie ihr Geld macht, ist es auch keine gute Idee!“ Manche Produkte sind jedoch von Natur aus komplex. Vor allem soziale Netzwerke versteht man am besten, wenn man sie nutzt und beobachtet, was passiert. Das Produkt muss erst einmal greifbar sein, auch wenn die Funktion und das Design am Anfang noch nicht perfekt ist. Dann erst wird das Feedback der potenziellen NutzerInnen wirklich wertvoll und man kann anfangen, sein Produkt immer besser an die Nutzeranforderungen anzupassen. Und sicher ist es auch wichtig sich mit dem Geschäftsmodell zu beschäftigen. Zu beginn sollte man sich aber darauf konzentrieren, ein gutes Produkt zu erstellen und die Nutzerbasis auszubauen. Dann stehen einem mehr Möglichkeiten offen, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu implementieren

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Julian Jirsak

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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