Fokussiert euch jeweils nur auf den nächsten Schritt!

WeMingo: Unterstützung bei Paruresis

Stellen Sie sich und das Startup WeMingo doch kurz unseren Lesern vor!
Mein Name ist Johannes und ich bin 28 Jahre alt. Ich habe am Hasso-Plattner-Institut meinen Bachelor in Informatik gemacht und anschließend für das Präsentationssoftware-Startup Prezi gearbeitet bevor ich WeMingo ins Leben gerufen habe.
Unser Ziel mit WeMingo ist es, Menschen mit Paruresis zu helfen. Paruresis ist eine spezielle Angststörung, die dazu führt, dass man auf öffentlichen Toiletten angespannt ist und nicht mehr urinieren kann. Es ist ein ziemlich tabuisiertes Thema, sodass es wahrscheinlich überrascht, dass allein in Deutschland 1,5 Millionen Menschen davon betroffen sind. Glücklicherweise gibt es erprobte therapeutische Konzepte, mit denen man die Problematik überwinden kann. Dabei wollen wir die Betroffenen mit einem Online-Selbsthilfekurs unterstützen.

Wie ist die Idee zu WeMingo entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Ich hatte schon länger mit der Idee geliebäugelt, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Dabei waren mir zwei Dinge wichtig: das Vorhaben sollte anderen Menschen helfen und ich sollte mich mit dem Problem selbst auskennen. So bin ich dann auf das Thema “schüchterne Blase” gekommen.
Als Informatiker fehlte mir jedoch das Fachwissen für die Inhalte des Selbsthilfekurses. Daher habe ich nach Mitstreitern gesucht und Pavle gefunden, der Psychologe und Experte im Bereich Online-Therapie ist.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Mir fiel es anfangs schwer Prioritäten zu setzen: es gab viele verschiedene Aufgaben und niemanden, an dessen Vorgaben ich mich hätte orientieren können. Dazu kommt ein intimes Thema, das es noch einmal schwieriger macht Kontakt mit Betroffenen aufzunehmen.
Bezüglich der Finanzen muss ich meine Frau wohl als erste Investorin nennen. Sie hat mich von Anfang an unterstützt und mit ihrem Einkommen stets für eine ausgeglichene Haushaltskasse gesorgt. Mittlerweile wird unser Team mit einem Berliner Startup Stipendium gefördert, das über die Freie Universität Berlin vergeben wurde. Das ist natürlich eine sehr willkommene Unterstützung.

Wer ist die Zielgruppe von WeMingo?
Die Zielgruppe von WeMingo sind momentan diejenigen, die sich aufgrund ihrer “schüchternen Blase” in Beruf und Freizeit eingeschränkt fühlen. Wie bereits erwähnt, sind das laut klinischen Studien 1,5 Millionen Menschen in Deutschland. Später möchten wir das Angebot auch auf andere sogenannte soziale Phobien ausweiten.

Warum sollte man WeMingo nutzen?
Bisher ist es ziemlich schwierig einen Ansprechpartner zu finden, der sich mit Paruresis auskennt. WeMingo bündelt Fachwissen für die Problematik und erlaubt es einem zeitlich flexibel und anonym das Angebot zu nutzen.

WeMingo, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In einem ersten Schritt haben wir eine App veröffentlicht, die Betroffene bei der Selbstbeobachtung und schrittweisen Konfrontation mit dem Problem unterstützt. Der nächste Schritt ist dann der Start des Selbsthilfeprogramms.
In fünf Jahren sehe ich WeMingo weltweit als die erste Anlaufstelle für Menschen mit Paruresis. Neben der internationalen Ausrichtung wünsche ich mir dann auch in den Strukturen der deutschen Gesundheitsversorgung etabliert zu sein. Dann könnte der Urologe bei Ausschluss körperlicher Ursachen unseren Kurs verschreiben.

Zum Schluss: Welchen Tipp würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Der wichtigste, schwer zu befolgende und ganz banale Rat: Fokussiert euch jeweils nur auf den nächsten Schritt! Speziell von den zahlreichen Angeboten im Startup-Ökosystem darf man sich nicht zu sehr ablenken lassen, sonst kommt man vor lauter Networking, Pitch-Trainings und PR-Workshops nicht mehr zum Arbeiten.

Bildquelle HPI/K.Herschelmann

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Wir bedanken uns bei Johannes Schirrmeister für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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