Man muss immer bereit sein, seine Idee ständig zu überdenken und anzupassen.

Welect: Du entscheidest, ob du Werbung schauen möchtest oder nicht

Stellen Sie sich und das Startup Welect doch kurz unseren Lesern vor!
Menschen beim Konsum von Medien zu unterbrechen, um ihnen Werbung aufzuzwingen, funktioniert in Zeiten von extremer medialer Vielfalt und Auswahlmöglichkeiten nicht mehr. Es ist nötig, Werbe-Platzierungen zu überdenken und so zu entwickeln, dass Menschen selbst entscheiden können, ob sie für werbliche Kommunikation offen sind und welche Werbung am besten zu ihnen passt. Vor diesem Hintergrund haben wir Welect 2016 in Düsseldorf mit dem Ziel gegründet, dass Menschen gerne Werbung sehen. Dafür bauen wir ein Werbenetzwerk auf, das durch seinen nutzerzentrierten Ansatz völlig neu und einzigartig ist.

Dazu entwickeln wir Technologien, die Menschen gefallen und damit für eine überragende Werbewirkung und aufmerksamkeitsstarke Kampagnen sorgen. Unser Produkt WelectPublish erreicht bereits mehrere Millionen Menschen und verbreitet sich schnell weiter.

Wie ist die Idee zu Welect entstanden?
Wir haben während unserer Tätigkeit für ein großes Media-Network festgestellt, dass man immer weniger Menschen mit herkömmlichen Werbeplatzierungen erreichen kann. Gleichzeitig haben wir festgestellt, dass sich Werbe- und Media-Profis viel mit Technik, Daten und den großen Konzernen der Werbe-, Medien- und Tech-Branche als auch den Werbetreibenden beschäftigen, aber kaum wirklich die Bedürfnisse der Menschen beachten, die man mit Werbung zu erreichen versucht. Wir glauben, dies ist die wesentliche Komponente im Zusammenspiel der Kommunikation zwischen dem Werbetreibenden „Sender“ und dem Konsumenten „Empfänger“.

Welche Vision steckt hinter Welect?
Die Entwicklung und Digitalisierung ermöglicht Nutzern absolute Freiheit in ihrem Medienkonsum. Sie sind in der Wahl von Inhalt, Zeitpunkt, Devices und Geschäftsmodellen so selbstbestimmt wie nie zuvor. Aber redaktionelle Berichterstattung in digitalen Medien ist wertvoll und kostet Geld. Da Bezahl- und Abomodelle in den meisten Medien noch schwer umzusetzen sind, geschieht die Finanzierung immer noch zu einem großen Teil durch Werbung, die von vielen Nutzern zunehmend als störend empfunden wird.

Unser Ansatz ist ein anderer: Wir wollen den Erfolg der medialen Selbstbestimmung auf die Werbung übertragen und berücksichtigen dabei die Probleme der Werbebranche: Mangelnde Viewability und Nicht-Beachtung durch die Menschen, die sich über aufdringliche Maßnahmen wie spontan und laut plärrende Werbevideos oder Popups meistens ärgern. Aber digitale Werbung ist schlicht unumgänglich, denn zum einen wollen Advertiser ihre Werbebotschaften mit möglichst wenig Streuverlust an Zielgruppen tragen, zum anderen müssen Online-Publikationen eben auch finanziert werden. Genau an dieser Stelle setzten wir an. Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt, denn wir treten mit ihm in den Dialog und erhalten so sein Einverständnis zu werblicher Kommunikation. Das zahlt sich durch sehr hohe Werbewirkung und ein positives Markenerlebnis aus und zusätzlich kommen wir unserem Ziel sehr nah, dass Menschen gerne Werbung sehen.

Von der Idee bis zum Start – was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die Herausforderung, über die wir uns in der Entwicklungsphase am meisten Gedanken gemacht haben, hat sich – vielleicht auch wegen der vielen Gedanken – letztlich gar nicht gestellt, denn die User haben unsere Produkte vom ersten Tag an verstanden und genutzt.

Im Augenblick besteht unsere wichtigste Aufgabe in der Beratung und Betreuung unserer werbetreibenden Kunden. Am Anfang müssen wir oft erklären, wie Welect funktioniert. Nach den ersten Tests ist die Begeisterung aber da. Die erzielten Kampagnen-Ergebnisse helfen dabei natürlich sehr. Wer unsere Produkte kennt, der weiß, dass wir diese immer in Partnerschaft mit innovativen Unternehmen entwickeln und platzieren. Diese Unternehmen sind Verlagshäuser wie beispielsweise BurdaForward Advertising oder die Rheinische Post Digital. In einzelnen Projekten sind es aber auch branchenfremde Unternehmen wie die Düsseldorfer Rheinbahn oder die Stadtwerke Bielefeld. Als junges Unternehmen müssen wir Geduld haben, um Projekte mit solch großen Konzernen umzusetzen. Bis heute hat sich die Zusammenarbeit mit uns aber für alle Partner gelohnt.

Unterstützt wurden wir im letzten Jahr von den für uns besten Angel Investoren, die man sich in Deutschland wünschen kann und Anfang 2018 haben wir eine erste kleinere Seed-Finanzierung aufgenommen.

Wer ist die Zielgruppe von Welect?
Unsere Produkte funktionieren in einem dreiseitigen Markt: Die Menschen, die Platzierungen von Welect nutzen und dort Werbung anschauen. Die Partner, bei denen Welect integriert ist, also beispielsweise CHIP Online, FOCUS Online oder die Rheinische Post Online. Und auch die Werbetreibenden, die Kampagnen über unser Netzwerk schalten.

Wie funktioniert Welect?
Bei Welect suchen sich Nutzer aus, ob sie Werbung schauen möchten, und falls ja, welche Werbung für sie in dem konkreten Moment am besten passt. Wir spielen also Werbung nur an Menschen aus, die wirklich zuhören wollen und erzeugen so eine hohe Werbewirkung mit starker Aufmerksamkeit. Die Technologie von Welect basiert auf einer unabhängigen und gemeinsam mit 9elements aus Bochum entwickelten Plattform, die schnell und einfach in bestehende Anwendungen und Websites integriert werden kann.

Große Bekanntheit haben wir erstmals 2016 durch die App WelectGo erlangt, mit der ÖPNV-Nutzer Fahrscheine durch den Konsum von Werbung erhalten konnten. WelectGo wurde unter anderem bei der Düsseldorfer Rheinbahn eingesetzt.

Seit Anfang 2017 konzentrieren wir uns allerdings auf die Zusammenarbeit mit Verlagen und das speziell für diese entwickelte Produkt WelectPublish. Mit der Software können Verlage alternative Erlösquellen für ihre digitalen Publikationen erschließen und redaktionelle Inhalte honorieren lassen. Ganz konkret sind wir zur Überwindung von Paywalls und Adblock-Walls integriert, aber vor allem auch in redaktionellen Platzierungen eingebunden, die darauf basieren, dass der Nutzer freiwillig bestimmte Inhalte durch das Schauen eines Werbevideos honoriert.

Welche Vorteile bietet Welect? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?
Wir sind derzeit der einzige Anbieter im Markt, der den Fokus auf die Nutzer und dessen Zufriedenheit so konsequent verfolgt. Dabei lassen wir aber nie außer Acht, dass wir in erster Linie die Ziele unserer werbetreibenden Kunden erfüllen müssen.

Im Hinblick auf die EU-Datenschutzgrundverordnung und die möglicherweise folgende ePrivacy-Verordnung haben wir unsere Technologie so entwickelt, dass alle Nutzer sauber zu erreichen sind, ohne gegen die DSGVO oder eventuelle Erweiterungen zu verstoßen. So erreichen wir Menschen mit Botschaften, die für sie relevant sind. Wir nennen das ‚natives Targeting‘.

In Richtung der Advertiser und Agenturen zeichnet uns außerdem die Einführung unserer Media-Währung „Cost per Want“ aus. Ein Werbetreibender zahlt bei Welect nur, wenn ein Nutzer bereit für werbliche Kommunikation ist, einen Spot selbst auswählt und ihn auch zu 100% anschaut. Damit sind wir gegenüber unseren Kunden im Werbemarkt ausgesprochen fair.

Welect, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
In den nächsten Jahren liegt unser Fokus auf der Zusammenarbeit mit Verlagen und den Ausbau der Reichweite unserer Produkte, damit wir die hohe Nachfrage unserer Werbekunden erfüllen können. Parallel arbeiten wir an Projekten in anderen Verticals außerhalb der Verlagswelt, zum Beispiel im Bereich Mobility.

Wir führen auch erste Gespräche mit Partnern in anderen Ländern, da unsere Technologie international und skalierbar eingesetzt werden kann.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
In der Anfangsphase würden wir empfehlen, mit Entschlossenheit Schritt für Schritt die Umsetzung der Idee voranzutreiben und die eigene Idee möglichst schnell am Markt zu testen.

Außerdem empfehlen wir, viele offene Gespräche mit Geschäftspartnern, Kunden und Beratern zu führen. Man kann sich viele Umwege ersparen, wenn man auf die Experten im Markt hört und die Bedürfnisse seiner Marktteilnehmer versteht und lernt.

Und man muss immer bereit sein, seine Idee ständig zu überdenken und anzupassen. Auch wir haben unser Konzept mehrmals an die Marktbedürfnisse und die Wünsche unserer Kunden angepasst und entwickeln uns immer noch täglich weiter.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Olaf Peters-Kim und Philipp Dommers für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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