Welchen Einfluss hat die Blockchain auf etablierte Wirtschaftssektoren?

Die Blockchain-Technologie erobert die Wirtschaft. Privatanleger und institutionelle Anleger entdecken Kryptowährungen als passendes Anlagevehikel. So sorgte beispielsweise das Halving des Bitcoins für ein großes mediales Interesse – viele Anleger haben auch in Bitcoin investiert. Doch die Blockchain-Technologie ist mehr als eine Kryptowährung. Die Einsatzmöglichkeiten der Basistechnologie sind nahezu grenzenlos, sodass es unzählige Möglichkeiten zur Nutzung gibt. 

Doch was bedeutet die aufstrebende Technologie für etablierte Branchen?

Die Blockchain bricht mit Konventionen

Erwähnt man die Blockchain, dann assoziieren viele Anwender diese unweigerlich mit Kryptowährungen. Doch ein solcher Denkansatz greift nicht weit genug, denn eine Blockchain – diese gehört in das große Gebiet der Distributed-Ledger-Technologien – bietet mehr als nur Kryptowährungen. 

Vielmehr lässt sich die Basistechnologie als exponentielle Technologie bezeichnen. Dabei findet die Blockchain durch eine höhere Akzeptanz mehr Zuspruch und erfährt eine vermehrte Anwendung. Dementsprechend sei es auch möglich, dass eine Anwendung von Blockchain-Anwendungen dazu beiträgt, dass sich unsere Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig wandelt. 

Auch Prof. Dr. Nils Urbach, Wirtschaftsinformatiker am Fraunhofer FIT, geht davon aus, dass neben Kryptowährungen noch mächtigere Anwendungsfelder existieren. 

So sei die Blockchain etwa das Modell des digitalen Vertrauens, eine Infrastruktur-Technologie für die Industrie 4.0 und neue Energiekonzepte. Eine zunehmende Automatisierung trage auch dazu bei, sich unabhängiger von technischen Lösungen zu bewegen. Langfristig könne die Blockchain das Rückgrat einer ganzen Machine Economy darstellen. 

Kurz gesagt – Was ist die Blockchain? 

Einfach beschrieben ist eine Blockchain eine Technologie zum Speichern von Daten. Ein Transaktionsregister, im Englischen “Ledger”, erfasst mathematisch eine Vielzahl von Transaktionen in mathematisch bestätigten Blöcken. Sämtliche Blöcke sind miteinander verbunden und die Daten somit fälschungssicher gespeichert. Die Dezentralität ist eine der wichtigsten Eigenschaften der Technologie.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Blockchain eine Art digitaler Kontoauszug ist, der Transaktionen zwischen den Nutzern erfasst und dezentral sowie transparent speichert. Die Manipulation der Daten ist nahezu ausgeschlossen. 

Wie verändert die Blockchain etablierte Branchen? 

Werfen wir einen Blick auf den aktuellen Markt, dann fällt vor allem die starke Konzentration der Marktmacht auf einige wenige Marktteilnehmer auf. So konzentriert sich der Finanzhandel auf Großbanken, das Cloudgeschäft insbesondere auf Amazon und Microsoft und der Energiehandel auf staatlich regulierte Konzerne. 

Allerdings sind diese hohen Markteintrittsbarrieren, welche heute noch existieren und das weitere Wachstum ausbremsen unter Berücksichtigung des Potenzials der Blockchain nahezu haltlos. Im Folgenden wollen wir auf den Einfluss der Technologie in ausgewählten Sektoren eingehen. 

Distributed-Ledger-Technologien definieren die Mobilität von Morgen

Ein besonders wichtiges Anwendungsfeld für die Distributed-Ledger-Technologien (DLT) ist der Mobilitätssektor. Bereits heute befindet sich dieser Markt im Umschwung und immer mehr Menschen entdecken das Potenzial urbaner Mobilität mittels ÖPNV, E-Fahrrädern oder E-Scooter für sich. 

Bereits seit Jahren planen die großen Automobilhersteller den Wandel vom Fahrzeugproduzenten hin zum Mobilitätsanbieter. In der Zukunft der Mobilität sollen sämtliche Verkehrsteilnehmer intelligent miteinander kommunizieren und genau an dieser Stelle kommen die DLT ins Spiel. 

Autonom agierende Fahrzeuge müssen kontinuierlich mit ihrer Umwelt interagieren. Eine entsprechende Kommunikation muss schnell und sicher sein, um feindliche Angriffe zu unterbinden. Eine passende Lösung ist IOTA – Volkswagen und Bosch haben bereits in IOTA investiert. IOTA möchte als Währung des Internet of Things die Vernetzung moderner Maschinen vorantreiben. 

Neue Bezahlsysteme im Internet 

Eine weitere Entwicklung, die aktuell an Relevanz gewinnt, betrifft die Bezahlsysteme im Onlineverkehr. Noch immer begleiten uns klassische Bezahlmethoden wie SEPA-Überweisungen durch den digitalen Alltag. Alternative Produkte wie PayPal oder Dienste wie Apple Pay und Google Pay erleichtern zwar die eigentliche Bezahlung, haben aber keinen Einfluss auf die Transaktionskosten.

An dieser Stelle setzen Kryptowährungen an. Bereits jetzt gibt es unzählige Menschen, die in Kryptowährungen investieren, um von den steigenden Kursen zu profitieren. Allerdings gibt es auch immer mehr Stablecoins, welche die Volatilität klassischer Kryptos ablegen und stattdessen eine geringe Abweichung zur hinterlegten Sicherheit aufweisen. Eine dieser Stablecoins ist Facebooks Libra. Zwar konnten Anleger bisher noch kein Libra kaufen, doch dies hinderte die Gesetzgeber nicht an einer harten Einschränkung der Geschäftsaktivität. Inzwischen hat Libra reagiert und neue Vorschläge zu Veröffentlichung der Libra Coin publiziert. 

Blockchain in der Lieferkette 

Weniger in aller Munde, jedoch nicht minder revolutionär, ist der Einsatz der Blockchain-Technologie in der Supply Chain. Die Lieferkette ist in den vergangenen Jahrzehnten extrem komplex geworden. Grund hierfür ist die zunehmende Globalisierung. Kam es an einer Stelle dann zu einem Skandal – exemplarisch lässt sich der Lebensmittelsektor anführen – musste eine aufwändige Prüfung der Lieferkette stattfinden. Entsprechende Ergebnisse gab es erst nach einer umfangreichen Recherche. 

So ermöglicht die Blockchain-Technologie eine schnelle und vor allem einfache Prüfung der gesamten Lieferkette. Abnehmer könne auf diese Weise prüfen, ob die versprochenen Produktionsbedingungen eingehalten wurden. Besonders bekannt ist beispielsweise die IBM Food Trust. Hierbei handelt es sich um eine Blockchain für den Lebensmittelsektor. Mithilfe der Lösung können Unternehmen und Kunden die Herkunft sowie die Produktionsbedingungen eines Produkts schnellstmöglich überprüfen. Auch die Kooperation zwischen IBM und Maersk fördert die Entwicklung in diesem Sektor ungemein. Zusammen revolutionieren die beiden Unternehmen die Lieferkette in der Schifffahrt und reduzieren manuellen Dokumentationsaufwand nachhaltig. 

Disruption in der Versicherungswirtschaft 

Schlussendlich möchten wir noch einen Blick auf die Versicherungsbranche werfen. Insbesondere die Niedrigzinsen stellen die Versicherungen vor Probleme. Altverträge notieren zu hohen Verzinsungen und zu den aktuellen Kapitalkosten ist eine hohe operative Marge nur schwer realisierbar. Vor allem Kosteneinsparungen durch Automatisierung tragen dazu bei, das eigene Geschäft auf Vordermann zu bringen. 

Hier spielen Smart Contracts auf Ethereum eine entscheidende Rolle. Durch automatische Wenn-Dann-Bedingungen lassen sich komplette Schadensregulierungen automatisieren. Die Kosteneinsparungen für die automatisierten Fälle sind enorm. Dementsprechend könnte die Blockchain den gesamten Sektor revolutionieren, denn manuelle Arbeiten der Angestellten sind nicht mehr notwendig. Profiteure dieser Ansätze sind Blockchains mit einer integrierten Funktion für Smart Contracts. 

Fazit: Blockchain im Geschäftsalltag – eine Frage der Zeit

Die Anwendungsmöglichkeiten für die Blockchain-Technologie sind nahezu grenzenlos. Doch die Umsetzung ist aktuell noch nicht optimal – viele Nutzer empfinden die Lösungen als zu komplex. 

Mit passenden Anwendungsfällen kann die Veröffentlichung und Einführung entsprechender Lösungen an Fahrt aufnehmen. Wichtig bleibt jedoch weiterhin, dass die Blockchain wichtige Vorteile im Vergleich zu anderen Technologien bietet. Besonders spannend bleiben die Versicherungsbranche, der intelligente Energiehandel, die Mobilitätsbranche und die Versicherungsbranche.

Bildquelle pixabay/ TheDigitalArtist

Autor: Sebastian Rau

Sebastian Rau interessierte sich bereits vor seinem Studium im Bereich der Wirtschaftsinformatik für aufstrebende Technologien. Insbesondere das revolutionäre Potenzial der Blockchain-Technologie begeisterte ihn und trug dazu bei, dass seine beruflicher Fokus auf der Digitalisierung liegt. Auch im Privaten verfasst Sebastian Nachrichten- und Fachartikel rund um die Themen Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Blockchain.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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