Gesteht euch und eurer Idee auch Fehler ein

Wayu Teemischungen inspiriert von den Inkas und peruanischen Kräuterschamanen

Stellen Sie sich und das Startup Wayu doch kurz unseren Lesern vor!

Hallo, wir sind Camilla und Gonzalo! Wir kennen uns schon seit der Schulzeit und haben im Jahr 2019 zusammen Wayu gegründet.

Mit Wayu bringen wir eine uralte peruanische Tradition nach Deutschland: Emoliente. Hier bereiten Kräuterschamanen einen Tee, individuell angepasst auf die Bedürfnisse ihres Gegenübers, zu. Dazu verwenden sie verschiedene Kräuter, Früchte und Essenzen, die bestimmte Wirkungen haben. Dies wollen wir durch unseren Tee, den wir über einen Onlineshop vertreiben, nachempfindbar machen.

Warum Peru? Gonzalos Familie stammt von dort. In einem Dorf in den Hochanden, an der Grenze zum Amazonas-Regenwald, besitzt seine Familie Felder. Über Gonzalos Familie konnten wir Kontakt zu einem Schamanen aufnehmen. Fasziniert von der Tradition des Emoliente und der Heilpflanzenkunde der Ureinwohner, wussten wir, dass wir diese Geschichten weitererzählen mussten.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Die Grundidee zu Wayu entstand bereits vor ein paar Jahren, als Gonzalo von Familienfeldern in den Hochanden Perus erfuhr. Damals lasen wir uns in die Welt der Früchte und Kräuter Lateinamerikas ein und produzierten viele verschiedene Ideen. Da wir aber mitten im Studium in unterschiedlichen Ländern steckten, wurde das Projekt zunächst nach hinten verschoben. Während Camillas Entrepreneurship Studiums in Newcastle wurde ein erstes Pilot-Unternehmen umgesetzt, das die Leidenschaft für die Idee von Wayu bei uns beiden entfachte und es zu unserem Herzensprojekt machte. 

Gonzalo: Für mich ist es besonders wichtig das Bewusstsein für meine Herkunft zu stärken. Mit dem Weitererzählen von Inkaweisheiten und Kräuterkunde des Amazonas durch unseren Tee ist es uns möglich, einen Teil der Kultur meiner einen Heimat in meine andere Heimat zu bringen. Außerdem reizte mich die Herausforderung, ein Unternehmen von Grund auf selbst aufzubauen und in jedem Bereich zu arbeiten, sehr.

Camilla: Ich hatte immer schon großen Spaß daran, mir eigene Projekte auszudenken und mich kreativ auszuleben. Dass ich ein Unternehmen gründen möchte, wurde mir allerdings erst am Ende meines Bachelorstudiums, als ich ein Konzept für eine App entwickelte, klar. Immer wieder musste ich an die Ideen denken, die Gonzalo und ich hatten, um den Spirit von Lateinamerika nach Deutschland zu bringen. Als ich durch Gonzalos Familie in Kontakt mit peruanischen Schamanen kam, war ich fasziniert von deren Wissen und Lebensphilosophie. Es ist genau das, was wir hier in Deutschland verlernt haben und noch zu selten praktizieren: Sich im hektischen Alltag einen „Zeit für mich“-Moment gönnen und sich mit sich selbst und der Natur auseinanderzusetzen.

Welche Vision steckt hinter Wayu?

Mit Wayu möchten wir die Lebensphilosophie der Inkas transportieren und mehr Achtsamkeit im Alltag fördern. Mit unserem Tee möchten wir dazu anregen, neue Rituale zu schaffen, um seinem Körper und Geist etwas Gutes zu tun. Durch das Wissen der peruanischen Kräuterschamanen möchten wir vermitteln, dass Tee bunt und spannend sein kann.

Tee ist kein Getränk, dass man sich schnell im Beutel macht, sondern ein Getränk, das man richtig zelebriert und auf seine aktuellen Bedürfnisse mit verschiedenen Kräutern und Früchten anpassen kann. Wir wollen nicht mehr hören: „Tee trinke ich nur, wenn ich krank bin“, weil Tee so viel mehr kann.  

Von der Idee bis zum Start: Was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Da wir beide zu Beginn der Gründung keine Branchenerfahrungen gesammelt und kein Fachwissen zu Tee hatten, mussten wir uns sehr schnell dieses Wissen aneignen. Es war also unsere bisher größte Herausforderung, die Idee, die wir hatten, mit Expertise zu fundieren, indem wir die richtigen Partnerschaften geschlossen haben und uns selbst in die Teewelt reingefuchst haben.

Außerdem ist es für ein Startup im Bereich Tee eine große Herausforderung in der Lieferkette Nachhaltigkeit in den Vordergrund zu stellen. Gerade weil wir mit Zutaten aus Südamerika arbeiten, war es für uns besonders wichtig, dort eine Balance zu finden. So beziehen wir einige Zutaten von gezielt ausgewählten Landwirten, die nachhaltigen Anbau in Familienhand betreiben und unterstützen soziale Projekte im Heimatland von Gonzalos Familie, Peru. 

Finanziert haben wir uns bisher durch unser Erspartes und das Gründerstipendium NRW, für das wir sehr dankbar sind. Es ermöglicht uns, uns gerade in der schwierigen Anfangsphase voll und ganz auf Wayu zu konzentrieren.

Wer ist die Zielgruppe von Wayu?

Wir sprechen besonders diejenigen an, die gerne Tee trinken, neue Getränke ausprobieren und sich für das Thema gesunde Ernährung interessieren. Natürlich möchten wir aber auch die Leute ansprechen, die noch keine Teetrinker, aber experimentierfreudig sind.

Wir bieten Tee-Erlebnisse online über unseren Webshop, sowie offline für Gastronomie, Hotellerie und den Einzelhandel an.

Was ist das Besondere an dem Tee? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Die Besonderheit an unseren Teemischung ist, dass sie von den uralten Rezepten peruanischer Kräuterschamanen inspiriert sind. Daher ist es nicht einfach nur Tee, sondern Emoliente. Emoliente ist eine Tradition, bei der Schamanen einen Tee aus verschiedenen Kräutern, Früchten, Wurzeln und Essenzen individuell auf die Bedürfnisse ihres Gegenübers abgestimmt zubereiten. Da es in Lateinamerika erst verhältnismäßig spät Zugang zur asiatischen Teekultur gab, wurden dort komplett verschiedene Zutaten genutzt, die hierzulande noch nicht im Fokus des Teekonsums sind.

Wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Wir verpassen Tee ein neues Image und bringen mehr Menschen dazu, Tee für sich zu entdecken. Wayu soll der Gamechanger in der Teebranche werden. Dazu sind wir jetzt schon dabei, einige neue Produkte und Features zu entwickeln, die dabei helfen sollen, das Marktpotenzial auszuschöpfen. Wayu soll in fünf Jahren in ganz Deutschland über Vertriebspartner vertreten und eine starke Marke im Online-Handel sein. Wir möchten uns in den Bereichen Gesundheit und Wellness etablieren und wer weiß – vielleicht gibt es dann einen Wayu Store? Außerdem liegt es uns am Herzen bis dahin eine Vielzahl an sozialen Projekten in Lateinamerika unterstützt zu haben. Besonders möchten wir dafür sorgen, dass mehr Kinder aus den Armenvierteln in Lima zur Schule gehen können.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Einfach loslegen. Man neigt dazu anliegende Arbeiten perfekt machen zu wollen. Dieses Ideal ist einfach nicht realisierbar. Vielmehr ist es hilfreich, die Grundidee so vereinfacht wie möglich umzusetzen.

Sprecht mit eurer Zielgruppe. Der vereinfachte Prototyp sollte so schnell wie möglich in Kontakt mit euren späteren Kunden kommen. Hier könnt ihr aus erster Hand erfahren, welche Aspekte gewünscht sind, welche Nutzererfahrungen ihr schaffen solltet und welche Features überflüssig sind.

Dranbleiben! Selbst, wenn der Weg mal holprig wird und ihr das Gefühl habt, euch im Kreis zu drehen – vertraut weiterhin in euch und in eure Idee. Damit ist natürlich nicht blindes Vertrauen gemeint. Gesteht euch und eurer Idee auch Fehler ein. Die Hauptsache ist, ihr lernt daraus und entwickelt die Idee weiter.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Camilla und Gonzalo für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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