Was Unternehmen von Start-ups lernen können

„Wer liefert was“ (wlw) war die längste Zeit seiner Unternehmensgeschichte ein Verlag. Im ehemaligen Verlagshaus in einem Hamburger Gewerbegebiet residierte der Vorstand in einem eigens für ihn vorgesehenen sechsten Stockwerk, strenge Hierarchien sowie Krawatten, Anzüge sowie eine Siez-Kultur waren damals so selbstverständlich wie das Image: „Das sind doch die mit den Büchern.” Heute ist von dem nichts mehr zu sehen. Ein elementarer Bestandteil dieses Wandels war die Integration von Prozessen, wie man sie sonst nur in Start-ups kennt.

Was also können Unternehmen von Start-ups lernen?

Projektmanagement: Agiles und leanes Arbeiten

Was sind die größten Vorteile von Start-ups? Sie haben innovative Ideen, arbeiten schnell und flexibel. Genau hier können Unternehmen ansetzen und sich ein Beispiel nehmen. Natürlich ist es für Unternehmen mit 1000 Mitarbeitern und mehr nicht so einfach, über alle Abteilungen hinweg agile Arbeitsmethoden direkt umzusetzen, denn komplexe Strukturen und standardisierte Prozesse stehen diesem Vorhaben im Weg. Der Druck durch Mitbewerber erfordert allerdings ständige Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit, die sich mit klassischen Arbeitsweisen nicht mehr ausreichend abdecken lässt. Bei wlw haben wir jeden einzelnen unserer Mitarbeiter geschult und je nach individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen abgeholt. So haben wir sichergestellt, dass sich unsere Mitarbeiter nicht überrumpelt fühlten und den Wandel mitgetragen haben. Stück für Stück konnten wir so neue Arbeitsmethoden implementieren.

Modernes Arbeiten: die richtigen Tools

Es gibt zahlreiche Tools, die das Arbeiten erleichtern und die Flexibilität steigern. In Zeiten der Digitalisierung gewinnen sie mehr und mehr an Bedeutung, bieten sie doch eine einfache Möglichkeit für dezentrale Arbeitsorganisation. Cloudspeicher, Video-Telefonie-Programme und webbasierte Messenger bilden die Basis für direkte und unkomplizierte Mitarbeiterkommunikation und Zusammenarbeit. Auch hier gilt, dass jedes Unternehmen zuerst prüfen sollte, ob die Tools zur Unternehmenskultur und den Führungsstilen in den einzelnen Teams passen. Der Markt ist mittlerweile sehr vielfältig, es gibt zahlreiche Produkte, die für jeden Anspruch und für jede Anforderung die passende Lösung bieten. Wir haben beispielsweise unsere gesamte Business Intelligence-Architektur restrukturiert, um zukünftig flexibler und schneller auf Anforderungen aus unterschiedlichen Abteilungen reagieren zu können. Ein Baustein dafür war die Automatisierung des Standard-Reportings, um Zeit zu sparen, Fehlerquellen zu dezimieren und Freiräume für Advanced Analytics zu schaffen.

New Work & Start-up Kultur

Work-Life-Balance, Arbeitswelt 4.0 oder einfach New Work – die durch die Digitalisierung gestellten Anforderungen an die Arbeitswelt erfordern Innovationen, klassische Konzepte von Arbeit, die Zeit, Raum und Organisation betreffen, müssen neu gedacht werden. Unsere offenen Arbeitsplätze dienen dazu, alle Ansprechpartner gut zu erreichen und schnell miteinander zu kommunizieren. Wir sind kein ganz so junges Unternehmen mehr, aber eine große Prise Start-up-Mentalität findet man bei uns dank engagierter Teams und flacher Hierarchien. Dazu trägt auch die Einführung einer agilen Arbeitsweise, Socialising-Events wie “Pizza&Bier-Abende” und vorgelebte Transparenz durch regelmäßige Company Meetings, bei denen alle wichtigen Unternehmens-KPIs vorgestellt werden, bei. Am Ende des Tages muss sich jedes Unternehmen fragen, was bedeutet New Work für uns und wie wollen wir künftig zusammenarbeiten.

Think Outside the Box

Design Thinking, das Konzept zur kreativen Problemlösung, ist die vermeintliche Wunderwaffe für Unternehmen, die sich etwas von Start-ups abschauen wollen, um den Staub von veralteten Prozessen zu pusten. Dies stimmt natürlich nicht, Design Thinking ist vielmehr eine Problemlösungsstrategie, die Unternehmen vorwärts bringen kann, wenn die Methode zum Unternehmen passt. Sie als Selbstzweck einzuführen ist selbstredend wenig zielführend. Richtig angewandt, kann Design Thinking jedoch dabei helfen, Raum für Ideen zu schaffen. Denn auch im kreativen Bereich sind die Aufgaben vielschichtiger, kleinteiliger und digitaler geworden.

Keine Angst vorm Scheitern

Ein Aspekt, über den vor allem in Deutschland nicht gern gesprochen wird, der aber zum Start-up-Alltag und dem Gründen dazu gehört, ist das Scheitern. Start-ups entwickeln neue Ideen und Geschäftsmodelle, für die es keine Blaupause gibt. Jedes neue Businessmodell ist eine Wette auf den künftigen Erfolg, das Scheitern ist ein Teil dieser Wette. Umso wichtiger ist es, sich nach einem Fehlschlag nicht entmutigen zu lassen, sondern vielmehr seine Lehren zu ziehen und um es beim nächsten Versuch besser zu machen. Je mehr Unternehmen den ersten Schritt wagen, desto eher setzt ein Umdenken ein, das nicht nur einzelnen Unternehmen sondern der gesamtdeutschen Wirtschaft nützen kann. Mit der Übernahme der europäischen B2B-Plattform EUROPAGES haben auch wir einen mutigen Schritt gemacht und wlw zu einem internationalen Unternehmen mit einem Standort in Frankreich und einem in Deutschland umgebaut.

Letztendlich können Unternehmen vieles von Start-ups lernen, um sich für künftige Herausforderungen zu rüsten. Einfach ist dieser Wandel nicht, aber wer für die Zukunft gerüstet sein will, kommt nicht umhin, besser früher als später damit zu beginnen. wlw ist heute ein bunter Mix aus jungen Talenten, bewährten Kräften und internationalen Mitarbeitern und eines der wenigen Unternehmen im B2B-Umfeld, das die digitale Transformation erfolgreich vollzogen hat.

Peter Schmid

Seit 2012 ist Peter F. Schmid CEO und geschäftsführender Gesellschafter bei „Wer liefert was“. Nach seinem BWL-Studium an der LMU in München arbeitete er zunächst bei Procter & Gamble. Anfang 1999 wechselte er dann kurz nach der Gründung zum Internetfahrzeugmarkt Autoscout24. 2006 wurde der dreifache Vater Vice President bei eBay Classifieds sowie CEO von mobile.de. Knapp vier Jahre später übernahm er die Geschäftsführung der Online-Partnervermittlung PARSHIP.

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