Was PR nicht kann

Wie beim Abnehmen gibt es auch in der PR weder den Wunder-Knopf noch die Wunder-Pille, die man nutzen kann, um den größtmöglichen Effekt zu erzielen.

Startups kommen gern zu mir, da sie gehört haben, dass PR nicht so viel kostet wie Werbung und Marketing. Das stimmt auch. Doch PR ist eine Teildisziplin der gesamten Unternehmenskommunikation und kann nicht alles lösen. Es gibt Grenzen, die Sie kennen sollten, um zu verstehen was PR und was die Werbung kann.

Die 4 wichtigsten Unterschiede zwischen Werbung und PR

Die Chance liegt darin, das Potential zu erkennen und die Maßnahmen aufeinander abgestimmt richtig einzusetzen. Doch dazu ist es wichtig zu verstehen, worin die Unterschiede und damit die Möglichkeiten im Einsatz bestehen. Das wird Ihnen für die Kommunikation für Ihr Startup helfen.

 1. Kontrolle über den Inhalt

a) Werbung
In einer Anzeige sind Sie als Kunde immer „Herr der Lage“. Inhalt, Layout, Format, Erscheinungstag – alles legen Sie vorher fest. Sie wissen also genau was, wann und wie passiert.

b) PR
Sie haben beinahe keine Kontrolle über Art und Inhalt des Artikels, der über Sie und Ihre Startup geschrieben wird. In einem Medium sind Sie eine Randnotiz unter „Vermischtes“ in einem anderen Medium sind Sie auf Seite 1 und bestimmen das Tagesgeschehen mit Ihrem Thema.

+++ Mein Tipp +++
Schreiben Sie keine Romane oder wissenschaftliche Abhandlungen. Der Stil einer Pressemitteilung ist nicht nur definiert sondern er hilft bei der Erstellung und dem Redakteur beim schnellen Erfassen der Information.

2. Wiederholbarkeit

a) Werbung
Eine Anzeige ist jederzeit wiederholbar. Einziger Hinderungsgrund ist, dass kein Anzeigenplatz verfügbar ist.

b) PR
PR ist nicht wiederholbar. Die Pressemitteilung wird nur einmal geschickt oder nur einmal über ein Ereignis berichtet. Für eine neue Veröffentlichung brauchen Sie eine neue Story zu Ihrem Startup.

+++ Mein Tipp +++
Timing ist das A.O. Wie schon in einem meiner vorherigen Artikel formuliert, hilft ein Jahresplan mit den Ereignissen, die Sie heute schon kennen. So kommunizieren Sie immer rechtzeitig und aktuell!

3. Glaubwürdigkeit

a) Werbung
Werbung ist in der Regel auch als solche erkennbar und bis heute sind Konsumenten skeptisch, wenn die besonderen Vorzüge eines Produktes angepriesen werden.

b) PR
Eine Berichterstattung über ein Event oder eine Story aus dem Unternehmen ist bis heute immer noch glaubwürdiger als jede Anzeige. Da es zum einen im Ermessen des Journalisten liegt über Sie zu schreiben oder es zu lassen. Zum anderen ist es immer glaubwürdiger, wenn andere die Leistungen und Produkte Ihres Startups loben als selbst zu prahlen.

+++ Mein Tipp +++
Informieren Sie regelmäßig in angemessenem Umfang Ihre relevanten Kontakte. Nur wer präsent ist, erscheint auf dem Radar der Redakteure.

4. Attraktivität für die Zielgruppe

a) Werbung
Hat nur eine Zielgruppe: Den potentiellen Kunden für das abgebildete Produkt. Daher kann es Ihnen egal sein, ob der Journalist Ihr Unternehmen interessant findet, sie geben dem Medium Geld für das Abdrucken.

b) PR
Jede Medienberichterstattung hat einen sog. Aufhänger, also einen Ansatzpunkt, den der Journalist interessant findet und damit seine Aufmerksamkeit erhält. Erst wenn Sie bemerkt werden, haben Sie eine Chance gelesen und auch veröffentlicht zu werden. In der PR haben Sie immer 3 Zielgruppen, die Sie für sich gewinnen müssen: den Redakteur, den Produzenten und den Konsumenten.

+++ Mein Tipp +++
Der Aufhänger sollte immer einen aktuellen Bezug haben – besser tagesaktuell, das erhöht die Chancen. Das kann die Geschäftsentwicklung, ein neues Produkt oder eine Veranstaltung sein.

Meine Erfahrungen

Die Grenze zwischen PR und Werbung ist in den letzten 20 Jahren langsam etwas verschoben oder sogar verschwommen. Alle Medien sind Anzeigen und Werbung finanziert, doch nur die Großen und Starken in der Medienbranche schaffen die scharfe Trennung zwischen Redaktion und Anzeigen aufrecht zu erhalten.

Aber in jeder Veränderung steckt auch eine Chance. Sprechen Sie mit den Medien, die Ihre Lieblingspartner für die Werbung sind. Nutzen Sie die Flexibilität und die vielen Möglichkeiten, um Ihr Startup zu bewerben.

Das Newsgeschäft sollten Sie aber weiterhin mit allen betreiben. Also Ihren Verteiler für alle relevanten Empfänger Ihrer Neuigkeiten pflegen und regelmäßig informieren.

Fazit

Marketing verkauft, Pressearbeit informiert und Öffentlichkeitsarbeit schafft Vertrauen. Überlegen Sie also nicht nur, wie viel Budget sie in welche Disziplin stecken, sondern entscheiden Sie auch, was und wen Sie mit den Maßnahmen erreichen wollen. Wie immer kommen wir auch hier zu einem Punkt zurück: Be prepared!

Annett Oeding

Annett Oeding berät seit 22 Jahren Geschäftsführer und Vorstände in Kommunikationsfragen. Sie leitete Kommunikationsabteilungen von Konzernen und arbeitete als Pressesprecherin. 2013 gründete sie ihre eigene Strategieberatung für Kommunikation AOSK und unterstützt neben etablierten Unternehmen immer mehr Startups, die sie in unterschiedlichen Phasen kommunikativ berät, trainiert, coacht und begleitet. Alle Informationen finden Sie auch auf http://aosk.de/

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