Was bedeutet im FLOW sein?

Irgendwas scheint wohl im Fluss zu sein, folgt man dem englischen Ursprung des Wortes. Oft verstehen wir darunter den Effekt, wenn alles ineinander zu greifen scheint, die richtigen Kontakte zur rechten Zeit hereingespült werden, die Arbeit leicht von der Hand geht und der Tag wie im Flug vergeht.

>Flow< bezeichnet laut Mihaly Csikszentmihalyi, Psychologe und Flow-Erforscher, das individuell empfundene Spannungsfeld zwischen Anforderung und Fähigkeiten jeder/s Einzelne/n. Es umfasst die stetige, teils kreative Betriebsamkeit genauso, wie das einbringen der eigenen Fähigkeiten und den Neugewinn von Erkenntnissen. Ich persönlich habe bei dem Begriff immer ein spielendes Kind im Sinn, das vollkommen in der Tätigkeit des Holzklötze-Aufeinanderstapelns aufgeht und dabei die Zeit vergisst. In diesem abgegrenzten Tätigkeitsfeld geht das Kind voll auf, fühlt sich seiner Tätigkeit gewachsen und belohnt sich dabei selbst, weil es seinen eigenen Erfolg sofort messen kann. (Fällt der Turm um, beginnt das Kind von vorn.) Türmebauen und Bewusstsein verschmelzen ineinander und eine Außenwelt scheint nicht mehr existent.

Alles in allem scheint „Flow zu erreichen“ (nicht nur für Startups) der heilige Gral zu sein.

Vor allem, wenn man sich ansieht, wieviele Kickertische in den „Socialspaces“ der heutigen Firmenzentralen zu finden sind. Die tägliche Arbeit (wieder) als Spiel zu begreifen und so mit Leichtigkeit Ergebnisse für das Unternehmen zu produzieren – das ist nicht nur der Wunsch der Chefs, sondern auch des Teams, das in diesem Wirtschaftssektor meist mit großem Enthusiasmus und Begeisterungsfähigkeit sein Ziel verfolgt.

Was aber wenn der Flow aus bleibt? Was, wenn die Begeisterung nachlässt und Überforderung proportional zu Unzufriedenheit und Fluktuation ansteigt? Schließlich gibt es Flow ja noch nicht als Energydrink in Dosen, auch wenn findige Marketer uns das glauben lassen wollen.

Es ist wie in den markigen Wandtattoo-Sprüchen, die (ähnlich den Kickertischen) hinter den Rezeptionstheken der oben genannten Unternehmen prangen: 

Der Flow liegt in dir. Nur manchmal ist er eben verschüttet, oder vergraben, oder ganz den Bach runtergegangen, als die zehnte Absage kam, der 25.Pitch nicht erfolgreich, der Chef unzufrieden war oder die geschätzte Kollegin „das sinkende Schiff“ verlassen hat. Die Gründe für Demotivation und damit Nicht-Flow sind unzählig, denn das Bewertungssystem jedes/r Einzelne/n entscheidet darüber, was für sie/ihn funktioniert und was nicht. Für die meisten Menschen geht das so schnell, dass sie das gar nicht wahrnehmen.

Da passiert ein Ereignis und -schwups- ist die Laune im Keller und die Ergebnisse brechen ein. Das kann sich heute kein Unternehmen mehr leisten. Wenn dieses Verhalten natürlich wäre, dann würde das o.g. Bauklötzchenkind nach dem Zusammenbruch des Turms wohl in Tränen aufgehen und nie wieder einen Turm bauen. Tut es aber nicht. Es baut  wieder und wieder und hat manchmal sogar noch Spaß an dem Krach, den es macht, wenn der Turm zusammenbricht.

Es ist also die Bewertung, die der ganzen Sache anhaftet. Ob die nun am Bauklötzchen an sich hängt („hat mir noch nie Spaß gemacht mit Klötzchen zu spielen“) oder an der Mutter, die die Klötzchen gekauft hat ( „die hat ja noch nie anständige Klötzchen gekauft“) oder im Kind selbst ( „ich bin wohl zu dumm, zu klein, zu schwach, zu unfähig…. Türme zu bauen“) kann an dieser Stelle nicht geklärt werden. Dazu gibt es erfahrene  Business- und Personal- (von engl. >persönlich<) Coaches, die mit den Menschen Visionen, Strategien und Methoden erarbeiten, dass Flow wieder möglich wird. Solche Prozesse sind für Einzelne und Unternehmen unglaublich heilsam und können den persönlichen Einsatz sich selbst und dem Unternehmen gegenüber in ungeahnte Höhenflüge verwandeln. Ebenso wie mancher Energydrink.

Über den Autor:

Manuel-Roy Schweikart ist zert. Life-& BusinessCoach und arbeitete ein Jahrzehnt in diversen Entwicklungsabteilungen der Modeindustrie, bevor er sich der Entwicklung von Menschen verschrieb. Heute coacht er Menschen zu allen Fragen ihres persönlichen und beruflichen Lebens. 

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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