Gründen ist meistens eine Achterbahnfahrt auf der man viel Durchhaltevermögen braucht.

Waltzing Atoms schafft ein digitales Fenster in die molekulare Welt

Stellen Sie sich und das Startup Waltzing Atoms doch kurz unseren Lesern vor!
Wir sind ein EdTech-Startup aus Wien, das Jugendliche spielerisch-digital von Naturwissenschaft und Technik begeistern will. Das Unternehmen entstand vor 3 Jahren mit der Idee, Chemie durch Software-Tools spannend und schön zu machen. Obwohl nicht nur für die Schule entwickelt, haben wir hier die größten Erfolge: Im Herbst 2016 hat das österreichische Bildungsministerium Waltzing Atoms für alle Schulen gekauft. Derzeit ist die Software an über 270 Schulen im Einsatz. Als nächste Schritte arbeiten wir gerade an der Internationalisierung und an der Mathe-Erweiterung Waltzing Numbers.

Wie ist die Idee zu Waltzing Atoms entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Mein Co-Founder Klemens und ich haben vor Waltzing Atoms in derselben Firma gearbeitet und uns dann gemeinsam selbständig gemacht. Wir haben die Bildungsdiskussion über Jahre hinweg verfolgt und dachten: Was wirklich an den Schulen fehlt, sind interaktive Hilfsmittel abseits von PDFs von Büchern. Tools, die sofort einen positiven Effekt für die SchülerInnen haben, ohne neue Geräte anzuschaffen und gleichzeitig möglichst einfach für den Lehrer oder die Lehrerin zu bedienen sind.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?
Wir wollten eigenverantwortlich arbeiten können, um faszinierende Projekte mit einem weltweiten Impact umzusetzen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Wir haben am Anfang sehr viel Kritik dafür einstecken müssen, dass wir im Bildungsbereich aktiv werden wollten. In der Startup-Branche vor 3 Jahren war EdTech nicht gerade als Bereich angesehen, wo ein Mega-Skalierungspotential besteht. Deshalb war sicher die Motivation das entscheidende auf den ersten Metern. Geholfen hat sicher auch, dass wir eine 100% Förderung der Produktion durch die AWS (Austrian Wirtschafts Service). Dadurch konnten wir 4 Monate nach der Idee mit der Entwicklung beginnen.

Wer ist die Zielgruppe von Waltzing Atoms?
LehrerInnen und SchülerInnen in der Schule benutzen die Software eigentlich am häufigsten. Sonst haben wir noch User aus dem wissenschaftlichen Bereich und aus der chemischen Industrie.

Wie funktioniert Waltzing Atoms?
Die Software besteht aus einer mobilen App für SchülerInnen und aus einer Web-App für LehrerInnen. In der App können SchülerInnen chemische Rätsel lösen, während LehrerInnen in der Web-App neue Rätsel erstellen und diese an die digitale Klasse verteilen können.

Welche Vorteile bietet Waltzing Atoms?
Chemie ist die abstrakteste unter den Wissenschaften, weil alle Reaktionen in der molekularen Welt ablaufen. SchülerInnen haben deshalb oft Schwierigkeiten die „Sprache“ chemischer Strukturen zu verstehen, weil ihnen eine Verbindung zur realen Umgebung fehlt. Waltzing Atoms schafft ein digitales Fenster in die molekulare Welt, direkt auf den Mobilgeräten der Jugendlichen. Für die LehrerInnen hat dies den großen Vorteil, dass sie eine viel größere Gruppe an SchülerInnen in einer Klasse begeistern können. Die Schönheit der universellen „Sprache“ Chemie wird somit leichter und schneller zugänglich.

Waltzing Atoms, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Von der Produktpalette her wird Waltzing Atoms bald einen kleinen Bruder „Waltzing Numbers“ bekommen – ein Mobile-Multiplayer Klassenspiel für Mathematik. Wir wollen diesen Weg weiter gehen und auch Lösungen für Physik, Informatik und Technik anbieten.
Abseits von unseren Produkten wollen wir auch unseren Dienstleistungssektor weiter ausbauen. Das spielerische Vermitteln von Botschaften wird in den nächsten Jahren für Marketing, Kommunikation und HR eine immer größere Rolle einnehmen. Hier können wir mit unserer Erfahrung und Expertise als externer Dienstleister für andere Unternehmen punkten.
Ich sehe Waltzing Atoms in 5 Jahren als globalen Akteur im Bereich spielerischen Lernens. Ein weltweit agierendes Unternehmen aufzubauen, ist immer noch eine Herausforderung, aber gerade im Bereich Software war es noch nie so einfach wie heute.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Erstens, es gibt kein Patentrezept und keine einfachen Antworten beim Gründen eines Unternehmens. Gründen ist immer kompliziert und meistens eine Achterbahnfahrt auf der man viel Durchhaltevermögen braucht.
Zweitens, würde ich empfehlen als Team zu gründen (mindestens zu zweit).
Drittens, würde ich raten sich nicht von Beratern, Investoren, Fördergebern, etc. entmutigen zu lassen. Bei richtig innovativen Ideen, die in keine Schublade passen, wird man von allen immer nur ein „das wird niemals funktionieren“ hören.

Bildquelle Denise Korenjak

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Philipp Wissgott für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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