Machen Sie sich Gedanken, wo Ihre Kunden herkommen sollen, und planen Sie von Anfang an Budget für Werbung ein

Walter Meyer Gründer der Onlineprinters GmbH im Interview warum er sich entschlossen hat, aus einer klassischen Druckerei eine Onlinedruckerei zu machen

Stellen Sie sich doch bitte kurz vor!
Walter Meyer: Mein Name ist Walter Meyer, ich bin der Geschäftsführer und Gründer der Onlineprinters GmbH. Das Unternehmen führe ich seit 2014 gemeinsam mit meinem Geschäftsführungs-Kollegen Dr. Michael Fries. Die Firma habe ich 2004 unter dem Namen diedruckerei.de gegründet – das ist nach wie vor unser Markenname in Deutschland, international treten wir als Onlineprinters auf. Wir produzieren Druckprodukte vom klassischen Flyer bis zum kompletten Messestand und vertreiben diese über das Internet, letztes Jahr mehr als zwei Milliarden. Unsere Wurzeln haben wir in einem klassischen Druckbetrieb, den mein Vater, Erwin Meyer, 1984 gegründet hat.

Was hat Sie dazu bewogen aus einer klassischen Druckerei eine Onlinedruckerei zu machen?
Walter Meyer: Nunja, die Marktsituation war herausfordernd. Ich war 2004 Geschäftsführer im elterlichen Betrieb und bin von einem Kundentermin, der sehr schwierig verlaufen ist, zurück in die Firma gefahren. Uns wurden die Preise von Großkunden diktiert, da es eine zu große Druckkapazität am Markt gab. Wir hatten die Wahl, entweder weiter zu machen wie immer – auf die Gefahr hin, dass unser Geschäft irgendwann unrentabel ist – oder etwas anderes zu machen. Ich habe mich für Letzteres entschieden.
2004 war ja das Internet kein „Neuland“ mehr, aber Druckprodukte über das Netz zu verkaufen war kein Standard. Im Gegenteil: Wir waren eine der ersten Onlinedruckereien am Markt. Anfangs haben wir einige Standard-Formate an Flyern angeboten, das Ziel war – vielleicht – fünf Prozent der Aufträge für unser Familienunternehmen online zu beschaffen. Dass wir seit dem Launch von diedruckerei.de von etwa 40 auf über 600 Mitarbeiter gewachsen sind und nun über 99 Prozent unserer Aufträge online abwickeln, zeigt, dass sich das Gott sei Dank etwas anders entwickelt hat. (lacht)

Was waren am Anfang die größten Herausforderungen?
Walter Meyer: Wir sind komplett neue Wege gegangen. Alles, was wir gemacht haben, war neues Terrain. Wir mussten uns fragen: Wie kommen wir an Kunden? In welchen Kanälen machen wir Werbung? An intelligente Onlinemarketing-Methoden wie Retargeting war noch nicht zu denken. Banner, SEO und Linkbuilding waren angesagt. Unsere ersten AdWords-Kampagnen haben wir im Juli 2004 gestartet. Zudem war es für uns eine Herausforderung, aus einem klassischen Druckbetrieb ein E-Commerce-Unternehmen zu machen. All die Veränderungen, die nötig waren, haben dazu geführt, dass wir heute komplett anders arbeiten. Vor allem was die ganzen Prozesse angeht, auch wenn sich die Drucktechnik im Prinzip nicht verändert hat.

Von der regionalen mittelständischen Druckerei zu einer der größten Onlinedruckereien Europas, wie lange war der Weg?
Walter Meyer: Unser Geschäftsmodell ist heute ein anderes, auch unsere Denkweise. Wir müssen viel mehr den Kunden im Fokus haben. Die Durchsatzraten sind enorm schnell, die Preise für die Kunden sind seit 2004 extrem gesunken, es kommt auf Effizienz an.
Heute sammeln wir über 15 Webshops in 30 Ländern Druckaufträge ein und bündeln diese auf sogenannten Sammelformen. Das heißt, dass wir auf großen Papierbogen IT-gestützt über einen Algorithmus jeweils dutzende Aufträge verschiedener Kunden platzieren. Dadurch nutzen wir das Papier perfekt aus und sparen Kosten. Anfangs wurde das manuell gemacht, heute haben wir bis zu 4.000 Aufträge am Tag. Unsere Produktion ist vollintegriert vom Auftragseingang über die Produktion bis zur Logistik. Wir produzieren individuelle Produkte im industriellen Maßstab, das Zauberwort heißt „Industrie 4.0“. Mit klassischem Druck hat das wenig zu tun. (lacht)
Wenn bei uns Druckdaten bis 22 Uhr hochgeladen werden, beginnt noch am gleichen Tag die Produktion. Flyer können wir bei Upload bis 12 Uhr schon am nächsten Tag zum Beispiel nach Italien liefern. Kostenpunkt: unter 100 €. Früher hätte das mehr als das Zehnfache gekostet. Druckdaten und Designs kann heute jeder in Photoshop oder InDesign anlegen. Wir müssen uns den Wandel immer wieder bewusst machen. Die Ansprüche der Kunden an Qualität, Service und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis steigen stetig.

Onlinedruckereien sind in den letzten Jahren einige entstanden, was macht also Onlineprinters so besonders und was ist euer Erfolgsgeheimnis?
Walter Meyer: Unser Anspruch, jeden Tag besser zu werden. Klingt abgedroschen, ist aber essenziell wichtig. Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, dass keiner auf uns wartet. Kunden können mit einem Klick zu einem Mitbewerber wechseln. Wir müssen hundertprozentige Qualität liefern – die wird ohnehin vorausgesetzt. Da wir über 90 Prozent im B2B-Bereich arbeiten, ist unser Anspruch an Fulfilment extrem hoch. Wenn ein Kunde Broschüren direkt auf eine Messe bestellt und wir einen Tag zu spät liefern, werden die nicht mal angenommen. Kunden verlangen heute On-Demand-Lieferungen. Wir müssen halten, was wir versprechen – damit binden wir Kunden.

Wie können Sie die gleichbleibende Qualität bei so vielen Druckaufträgen täglich garantieren?
Walter Meyer: Das ist für uns eines der kleineren Probleme. Wir arbeiten mit Fachleuten und der besten Technik auf dem Markt. Unsere Druckmaschinen sind mit modernsten Farbmesssystemen ausgestattet, die noch in der Maschine den Farbauftrag registrieren und steuern. Wir sind von der ugra, einem Verein der Schweizer Druck- und Medienindustrie, gemäß dem sogenannten Prozess Standard Offsetdruck zertifiziert, dieser garantiert Qualität und Farbtreue. Um das mal einzuordnen: Die ugra zertifiziert auch Notenbanken, die Geldscheine drucken. Bei der letzten Zertifizierung haben wir 97 von 100 Punkten erreicht, besser geht es eigentlich kaum.

In den letzten Jahren gab es sehr viele Auszeichnungen für die Onlineprinters GmbH, wie wichtig sind diese Auszeichnungen für euch und wie wichtig sind Auszeichnungen generell für Unternehmen?
Walter Meyer: Auf unsere Auszeichnungen sind wir stolz, wir ruhen uns aber nicht auf ihnen aus. Klar ist es fantastisch, dass uns das Handelsblatt den besten Online-Händler der Druckereien nennt und wir von der WELT, dem FOCUS oder der COMPUTER BILD als Top-Händler ausgezeichnet werden. Das freut uns aber weniger der tollen Titel wegen, sondern vielmehr, weil diese Auszeichnungen auf Kundenurteilen beruhen. Die Kunden zahlen nämlich unser Gehalt.
Für uns als Online-Händler sind Auszeichnungen aber auch aus einem anderen Grund wichtig: Sie schaffen Vertrauen. Das ist gut für Erstkäufer und auch ein Grund, warum wir TÜV Süd-zertifiziert sind und uns dem Trusted Shops-System angeschlossen haben.

Wie wichtig und nachhaltig sind Druckerzeugnisse im Zeitalter des Internets?
Walter Meyer: Schauen Sie sich aktuelle Studien an: Print wirkt. Sicherlich verlieren Magazine und Tageszeitungen an Auflage, aber das ist nicht unser Geschäft. Wir produzieren Werbemittel für jedermann, vom Startup bis zum Global Player. Jeder braucht Druckprodukte, sei es POS-Werbung, ein zielgruppenspezifisches Mailing oder einfach nur ein Firmenschild für die Hauswand. Wir produzieren jährlich zwei Milliarden Druckprodukte und wachsen nach wie vor zweistellig. Und wir sehen keine Trendwende.
Zur Nachhaltigkeit: Wir bieten klimaneutralen Druck an, versenden CO2-neutral, haben einen klimaneutralen Webshop und bieten Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft an. Gedrucktes ist damit so umweltfreundlich wie nie.

Wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Walter Meyer: Wir sind einer der Marktführer im Onlinedruck in Europa und wollen weiter wachsen. Die Positionierung in den TOP 3 dieses Marktes ist unser Ziel. Durch unsere Internationalität sind wir dabei gut aufgestellt, wir beliefern schon jetzt fast ganz Europa von Portugal bis nach Polen und von Finnland bis nach Sizilien. Letztes Jahr haben wir das erste Mal die Mehrheit unseres Umsatzes im Ausland gemacht.

Zum Schluss: Welche drei Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Walter Meyer: Machen Sie sich Gedanken, wo Ihre Kunden herkommen sollen, und planen Sie von Anfang an Budget für Werbung ein. Handhaben Sie Ihre Ausgaben konservativ: Jeder Cent sollte in sinnvolle Bereiche gehen: Geld ausgeben geht schnell, Geld verdienen nicht unbedingt! Drittens empfehle ich, sich auf ein Geschäftsmodell zu konzentrieren. Fragen Sie sich stets: Was können wir besser als andere? Was können wir den Kunden bieten? Welche Probleme können wir lösen? Verlieren Sie sich nicht in der fünften Ausgründung, wenn nicht einmal das Kerngeschäft läuft.

Bild: Das Führungsteam der Onlineprinters GmbH: Unternehmensgründer und Geschäftsführer (COO) Walter Meyer (links) und Geschäftsführer (CEO) Dr. Michael Fries © Onlineprinters GmbH

Wir bedanken uns bei Walter Meyer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Schreibe einen Kommentar

X
X