Freitag, August 12, 2022

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Wairify Luftreiniger macht nachweislich und effektiv Viren und Bakterien unschädlich und scheidet dabei auch Partikel wie Pollen, Schimmelsporen oder lungengängige Mikrofeinstäube aus der Luft

Stellen Sie sich und das Startup Wairify doch kurz unseren Lesern vor!

Gern! Mein Name ist Michael Dietzen. Ich bin CEO und einer der Gründer von Wairify. 
Wairify bietet eine neue Luftreinigungstechnologie und umweltfreundliche Alternative zu Hepa_Systemen an. Unser Luftreiniger macht nachweislich und effektiv Viren und Bakterien unschädlich und scheidet dabei auch Partikel wie Pollen, Schimmelsporen oder lungengängige Mikrofeinstäube aus der Luft – und das ohne teure Filter oder unhygienische Filterwechsel!

Warum haben Sie sich entschieden, ein Unternehmen zu gründen?

Das ist eher aus einem Zufall heraus entstanden. In meiner Tätigkeit als Director Business Planning & Strategy der Woco Group teilte ich mir ein Büro mit dem Entwicklungsleiter Dr. Anton Wolf.  Die Woco Group ist ein klassisches mittelständischen Unternehmen, das den größten Teil des Umsatzes als Zulieferer in der Automobilindustrie verdient. 2019 sprachen wir über eine Technologie auf Plasmabasis zur Abscheidung von Partikeln im Motorraum, die er entwickelt und seit dem Jahr 2011 weiter perfektioniert hat. Anwendung fand die Technologie – trotz der technischen Überlegenheit gegenüber anderer konventioneller Lösungen – leider noch nicht. Die Elektrifizierung der Antriebe und die zögerliche Haltung der Automobilhersteller bei der Integration neuer Technologien verhinderte bisher einer Serienapplikation. Das war unserer Ansicht nach verschenktes Potential.

Und so fingen Anton und ich an über Lösungen zur Verwendung der Technologie in der Luftreinigung nachzudenken und hatten schon Anfang 2020 den ersten Prototypen hergestellt.

Wir gründeten die Wairify GmbH,  ein Corporate Spin-Off der Woco Group. Dr. Anton Wolf ist Mitgründer und CTO von Wairify.

Wir wussten, dass die Technologie kleinste Ölpartikel abscheiden kann. Der ultimative Test für die Technologie sollte jedoch die Fähigkeit werden, auch im Bereich von Nanopartikeln zu reinigen. Zum Zeitpunkt der ersten Tests lag also nichts näher als der Test mit RNA Viren, wie dem SARS-CoV-2 Virus. Mit dem erfolgreichen Test des ersten Prototypen beim Biotech Institut in Gütersloh, bei dem wir eine Inaktivierungsrate von 99,9993 % erreichten, hatten wir den Nachweis auf den wir gehofft hatten.

In Zusammenarbeit mit BCG und der auf digitale Start ups spezialisierten Tochter BCG Digital Ventures arbeiteten wir u.a. an Planung und Marktstudien. Um das Ganze aufgrund der akuten Brisanz schnell in agilen Strukturen zur Entwicklung zu bringen, entschieden wir uns mit der Geschäftsführung und den Gesellschaftern der Woco Wairify auszugründen.

Welche Vision steckt hinter Wairify?

Die Industrie der Luftreinigung funktioniert fast ausschließlich mit physischen Filtermedien, wie z.B. HEPA-Filtern, die regelmäßig ausgetauscht und entsorgt werden müssen. Den globalen Markt für Luftreinigungsanwendungen haben wir mit BCG zusammen auf ca. 18 Mrd. EUR geschätzt – davon ca. 1/3 für mobile Luftreinigungsgeräte. Zu der Marktgröße muss der Verkauf von Ersatzfiltern addiert werden. Eine – aus unserer Sicht – ökologische Katastrophe. Nachhaltige Technologien spielen aktuell kaum eine Rolle – sicher auch aufgrund mangelnder technischer Alternativen. Wir bieten mit der filterlosen und wartungsfreien Wairify-Technologie eine bessere Alternative.

Die Vision hinter Wairify ist aber mehr als nur eine Luftreinigungsfunktion. Die Lebensräume werden immer enger und pathogene Mikroorganismen oder Gifte sind allgegenwärtig. Denken Sie nur an Schimmelbefall, der alleine in Deutschland jährlich einen Sachschaden von über 4 Mrd. EUR verursacht. Dabei sprechen wir noch nicht über die Folgen von durch Schimmel verursachten Erkrankungen. Laut einer Untersuchung der Harvard T.H. Chan School of Public Health, verbringen bis zu 90% unseres Lebens in geschlossenen Räumen, die unsere Gesundheit oftmals mehr belasten als die Außenluft. Baustoffe, Reinigungsmittel, Feinstaub oder Sporenbildung können dazu beitragen. 

In der Lebensmittelindustrie herrschen strengste Hygienevorschriften. Wenig wird z.B. so streng überwacht wie unser Leitungswasser. Ein Mensch konsumiert in Summe ca. 3-4 kg feste Nahrung und Flüssigkeit pro Tag. Das Gewicht der Atemluft, die wir täglich durch unsere Lungen bewegen, beträgt etwa 14 kg. Dennoch unterliegt unsere Atemluft erschreckend wenigen Regulierungen – dies wird sich unserer Vermutung nach bald sehr stark ändern, wie sich u.a. in den neuen Bestimmungen zu Feinstaubgrenzwerten von Kaminöfen zeigt, die ab 2024 auch für Altbestände gelten.

Wir arbeiten an der nächsten Generation der Luftsensorik. Mit diesen Sensoren werden wir in der Lage sein z.B. Schadstoffe wie Schimmel anhand ihres spezifischen Geruchs zu erkennen, viel früher und effizienter als der Mensch es kann. Mit der dahinter liegenden künstlichen Intelligenz entsteht ein gigantisches neuronales Netzwerk zur Identifikation von schädlichen Merkmalen. Das wiederum bietet die Möglichkeit Wairify über klinische Studien für die Diagnose von Erkrankungen einzusetzen. Bereits heute gibt es erste Erfolge in der olfaktorischen Diagnostik z.B. von Parkinson. Stellen Sie sich vor ihr Wairify Gerät sagt Ihnen, ob Sie ggfs. an einem mit Kariesbakterien befallenen Zahn leiden – und das nur durch die Analyse Ihres Atems.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Wir haben und hatten auf alle Fälle den Vorteil, dass wir die Woco Gruppe im Hintergrund haben und auf eine Jahrzehnte lange Entwicklung und Erfahrung sowie Infrastruktur zurück greifen konnten und können. Die größten Herausforderungen lagen tatsächlich eher im technischen Bereich. Das oberste Ziel war es einen Luftfilter ohne Filter zu entwickeln, der ohne jegliche Austauschkomponenten auskommt. Darauf sind wir extrem stolz.

Ein Consumer Produkt zu industrialisieren und dabei gleichzeitig eine (digitale) Premium Marke aufzubauen, ist etwas völlig anderes als Zulieferer für einen Autohersteller zu sein. Wir haben noch einiges an Arbeit vor uns, dennoch bin ich begeistert wie zügig wir das bisher hinbekommen haben.


Die bisherige Finanzierung erfolgte ausschließlich über die Woco Group. Das Ziel ist es aber Wairify schnell finanziell eigenständig aufzustellen. Dazu sind wir kurz davor einen weiteren strategischen Investor an Bord zu holen der zudem Wissen und Erfahrung im Bereich Consumer Electronics einbringen wird.

Wer ist die Zielgruppe von Wairify?

Die Pandemie hat den Bedarf für Luftfilter extrem gesteigert und so die Zielgruppe ziemlich breit gemacht. Um die Ansprache auf die unterschiedliche Insights der Anwender besser abzustimmen, haben wir diese geclustert.

Unser Wairify One ist in einer Fastlane industrialisiert worden, um insbesondere der akuten Nachfrage von Schulen, Kitas und Unternehmen gerecht zu werden. Das EPP ist extrem robust, leicht und kann auch Stöße oder Rempler ohne weiteres wegstecken. Zudem ist es für unsere Kunden von großem Vorteil, dass keine Folgekosten für Wechselfilter entstehen.


Auch durch unser Design unterscheiden wir uns klar von anderen Anbietern, den meisten Konkurrenten sieht man ihren Ursprung in der Industrie- und oder Medizintechnik an. Ihr Auftreten ist, sagen wir einmal vorsichtig ‚sehr funktional‘. 
Gastronomen, Hoteliers, aber auch Büroausstatter, die viel Geld in ein aufwändiges Interieur gesteckt haben, möchten sich keinen weißen Kunststoffklotz in ihre Räume stellen.

Der Wairify Home ist in erster Linie für Privatnutzer gedacht. Sein kürzlich mit dem Red Dot ausgezeichnetes Design passt sich in die Wohnwelt ein, lässt sich in ein „Smart Home“ integrieren und bietet spannende digitale Services.

Wie funktioniert Wairify?

Die Raumluft wird durch rundum angebrachte Lufteinlässe ins Gerät eingesogen. Dieser Luftstrom passiert ein ideal gestaltetes ringförmiges Plasmafeld (Energiefeld), wobei dabei die enthaltenen Partikel aufgeladen werden. In der einströmenden Luft eventuell vorhandene Organismen und auch Viren werden im Plasmafeld zerstört bzw. deaktiviert und unschädlich gemacht. Diese werden in einem Wasserfilm auf einer Gegenelektrode aufgenommen und abtransportiert. Die gereinigte Luft kann durch oben im Gerät angebrachte Luftauslässe nahezu verlustfrei aus dem Gerät ausströmen. Das zur Reinigung benötigte Wasser kann einfach durch Herausziehen einer Schublade eingeführt bzw. ausgetauscht werden.

Wo liegen die Vorteile?

Wairify vereint drei Produktkategorien in einem Gerät.

  1. Luftreinigung: Kleinste lungengängige Fein- und Ultrafeinstäube bis 0,01 μm werden vollständig aus der Luft entfernt und im Wasser gebunden.
  2. Luftentkeimung: Das Energiefeld macht Viren und Bakterien unschädlich.
  3. Geruchsneutralisierung: Gerüche werden innerhalb des Gerätes neutralisiert. Anders als andere Systeme setzt Wairify dabei kein Ozon frei, sondern wandelt sogar sämtliches Ozon in der Raumluft in kürzester Zeit katalytisch in Sauerstoff um.

Zudem kommt Wairify ohne Wechselfilter aus und hat somit einer geringe Total Cost of Ownership und ist um ein Vielfaches nachhaltiger als zum Beispiel HEPA-Filter, die neben der Entsorgung auch noch ein Infektionsrisiko beim Wechsel mit sich bringen.

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Vor der Pandemie war der Markt für Luftreiniger mehr oder minder gesättigt. Es gab keine großartigen Wachstumspotentiale und somit auch wenig Innovation. Die meisten Technologien beruhen auf dem uralten Prinzip ein Filtermedium vor einen Lüfter zu packen. Das hat im Zuge der Pandemie zu einer wahren Goldgräberstimmung geführt, es gibt viele neue Anbieter, die einfach eine Apparatur zusammengebastelt haben, oder billige White Label Produkte einkaufen, aber wenig richtige Innovation.

Wairify, wo geht der Weg hin?

Wie in unserer Vision schon geschildert, wollen wir das Thema Luftqualität ganzheitlich betrachten und somit die Lebensqualität unserer User steigern. Nach der Etablierung unserer Technologie im Markt ist die Integration in Smart Home ein wichtiger Schritt. Wairify soll automatisiert mit unserem zu Hause kommunizieren und sich ans Wetter, die Heizung und natürlich an das Leben der Nutzer anpassen. 
Dabei spielt das Thema Sensorik eine große Rolle. 

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Ich bin der Überzeugung, dass wir ganz neue Erkenntnisse zum Thema Raumluft entdecken werden und lernen intelligenter damit umzugehen. Schon jetzt arbeiten wir mit Partnern in der Wissenschaft, um unsere Produkte und Dienstleistungen zu verbessern und passende Services für unsere unterschiedlichen Kunden anzubieten.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Habt den Mut Risiken einzugehen. Tatsächlich für mich und das Team eine der schwierigsten Aufgaben. Scheitern gehört zum Alltag. Ich habe rückblickend deutlich mehr Fehlentscheidungen getroffen als Dinge richtig entschieden. Meistens entschädigt aber eine richtige Entscheidung für viele falsche.

Baut ein Team auf, das mit Herzblut bei der Sache ist. Die Ausbildung ist bei einem so technischen Produkt wie Wairify selbstverständlich wichtig. Wir sind z.B. auf Expertise in den Bereichen Physik, (Bio-)Chemie und Elektronik angewiesen. Dennoch, wichtiger ist die Einstellung der Leute.

Verliert das Ziel nicht aus den Augen. Kompromisse einzugehen ist nicht immer schlecht. Es gibt allerdings Ziele, die keinen Kompromiss verkraften. Ich weiß nicht, wie oft ich darüber nachgedacht habe doch den einfacheren Weg zu gehen und einen Wechselfilter zu akzeptieren. Wir wären mit unserer Entwicklung viel, viel, viel schneller gewesen. Aber wir hätten eben keinen Luftfilter ohne Filter entwickelt.

Wir bedanken uns bei Michael Dietzen für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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