Montag, Mai 16, 2022

Tipps für Startups in der Wachstumsphase: HR-Learnings eines Unicorns

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Ob Startup in der Frühphase, Scale-up oder Unicorn:

Geeignete Mitarbeiter*innen zu finden, ist eine der drängendsten Herausforderungen für Unternehmen jeder Größe. Insbesondere schnellwachsende Organisationen stehen vor dem Problem, dass ihre Entwicklung von der Einstellung der passenden Talente abhängt und hier ins Stocken geraten kann. Damit der Stellenmarkt nicht zum Stolperstein wird, müssen  Personalverantwortliche einige Hürden überwinden. Unternehmenswachstum heißt für sie: Über mehrere Standorte hinweg müssen gleichzeitig Stellen besetzt, Mitarbeiter*innen eingearbeitet und ganze Teams neu aufgebaut oder umgestellt werden. Startups, die in kurzer Zeit stark wachsen, müssen zudem sicherstellen, dass die Unternehmenskultur nicht unter dem starken Wachstum und den Prozessveränderungen leidet. Wie kann dieser Drahtseilakt gelingen? Wie profitieren die Unternehmen, die bestehenden Teams und neue Kolleg*innen davon?

Regel Nummer eins: Seid sichtbar!        

Unternehmen, die an mehreren Standorten ansässig sind oder planen, in neue Märkte zu expandieren, brauchen zunächst in jedem zu erschließenden Land eine*n HR-Generalist*in. Diese*r sollte geltendes Arbeitsrecht vor Ort kennen und bestehende Stellenausschreibungen aus anderen Märkten auf die lokalen Gegebenheiten  anpassen. Das fängt schon beim Titel des Stellengesuchs an: Wird in Deutschland ein Account Manager gebraucht, lautet die gleiche Ausschreibung in anderen Ländern “Sales Representative” oder “Sales Manager”. Die größte Herausforderung liegt im “Hypergrowth”: Wie lassen sich in kurzer Zeit eine große Menge an Bewerbungen generieren, um besonders hohe Einstellungsziele zu erreichen? Ein Beispiel von GoStudent: Die Einstellungsrate beträgt 5 bis 10 Prozent, weil die Personalverantwortlichen sehr gewissenhaft auswählen. Die Qualität der Bewerber*innen hat auch in enormen Wachstumsphasen einen noch höheren Stellenwert als die Quantität.

Jeden Monat werden weltweit bis zu 150 Mitarbeiter*innen von GoStudent neu eingestellt. Das heißt in dieser Gesamtrechnung, dass wir dafür wir mehr als 1000 Bewerbungen erhalten müssen. Was uns geholfen hat, ist die öffentliche Wahrnehmung unseres Unicorn-Status: Das hat uns zu mehr Bekanntheit verholfen und auf dem Stellenmarkt der Startup-Szene angesichts der hohen Investitionen auch mehr Vertrauenswürdigkeit verliehen.  Aber auch ohne große Finanzierungsrunden kann man Sichtbar sein – z.B. durch Teilnahmen auf Events und die regelmäßige Bespielung von Social-Media-Kanälen. Eine gute PR-Arbeit, welche die nötige öffentliche Wahrnehmung stärkt und gestaltet, rundet den äußeren Eindruck ab. 

Das richtige Onboarding: Schnell und effektiv 

Eine intensive, umfangreiche Onboarding-Woche ist das Maß aller Dinge, um neue Mitarbeiter*innen gut zu integrieren. Die herzliche Willkommenheißung beginnt mit der durch verschiedene Kolleg*innen vermittelte Unternehmenskultur.  Ein solides “Company and Culture Onboarding” nimmt etwa die ersten 1,5 Tage in Anspruch. Hier werden die Basics unseres Startups weitergegeben. Danach geht es in die jeweiligen Teilbereiche. Hier werden den neuen Mitarbeiter*innen alle Prozesse, Informationen und Best Practices vermittelt, sodass sie noch in den ersten Tagen ihre ersten Erfolge feiern können.

Im Vertrieb können neue Mitarbeiter*innen vom Start weg erste Kunden gewinnen und sich direkt im Team finden und beweisen. Die Aufgabe des Onboardings wird in vielen Unternehmen empfindlich unterschätzt. Dabei sollte ihr wesentlich mehr Aufmerksamkeit beigemessen werden – z.B. durch Onboarding-Manager*innen, also speziell geschultes Personal. Als hilfreich haben sich hier interne Trainings oder Workshops erwiesen, die das Onboarding unabhängig von der Abteilung in den Mittelpunkt der Personalarbeit der gesamten Mitarbeiterschaft stellen. Am Ende eines jeden Onboardings, an dem unter der Führung des Onboarding-Managers auch andere Disziplinen beteiligt waren, steht dann ein Recap und Q&A. So stellt man sicher, dass alles aufgenommen wurde. Mit guter Organisation lässt sich ein Onboarding auch skalieren: In der ersten Novemberwoche haben wir bei GoStudent jetzt sogar 90 neue Mitarbeiter*innen parallel in die Spur gesetzt. Ein Onboarding dieser Größenordnung ist auch für uns Rekord.

Unternehmenskultur bewahren – dem rasanten Wachstums zum Trotz

Unternehmenskultur definiert sich immer über die Mitarbeiter*innen. Um sie zu wahren, müssen die richtigen Leute eingestellt werden. Die Persönlichkeit des Bewerbers oder der Bewerberin muss zum Spirit des Unternehmens passen. Der erste Culture Ambassador für einen neuen Markt ist immer der Country Manager. Aussichtsreiche Bewerber*innen für ganz neue Teams, also in neuen Ländern zum Beispiel, gehen daher bei GoStudent immer auch durch eine Prüfung in der Führungsetage. So wird auch auf C-Level sichergestellt, dass neue Kolleg*innen zu GoStudent passen.

Unser Werte-Set, die “Fundamentals”, sind sehr präsent – zum Beispiel durch Dekorationen in den Büros in Form von Stickern und Postern aber auch in digitaler Form als Wallpaper, Screensaver etc. Außerdem werden unsere Werte tagtäglich zum Leben erweckt, etwa durch bestimmte Abläufe oder Traditionen. Im All-Hands Meeting beispielsweise werden regelmäßig jene Kolleg*innen hervorgehoben, die mindestens einen Wert unseres Unternehmens besonders stark vorgelebt haben. Auch darauf wird bereits im Onboarding ein besonderer Fokus gelegt. 

Immer weiter: Fortbildung von Führungskräften und Mitarbeitenden

Anna Kastner

Wachstum setzt auch Konstanz voraus: Bei all den Neueinstellungen dürfen die bestehenden Kolleg*innen und auch Führungskräfte nicht vergessen werden. Interne Weiterbildungsprogramme sollten daher zum Standardrepertoire von schnellwachsenden Unternehmen gehören. Zu den gängigsten Angeboten gehören Sprachkurse zum Erlernen und Auffrischen von Fremdsprachenkenntnissen, Soft Skills Workshops und Leadership Trainings. Gerade in Corona-Zeiten ist der Austausch entscheidend. Bei GoStudent haben dafür neben den gängigen Unternehmensevents auch gute Erfahrungen mit einem “Team Lead Summit” gemacht, bei dem über 40 Führungskräfte an Inspirations-Sessions mit externen Speakern teilnehmen. Auch Recruiting Training, Sales Trainings und Culture Sessions sollten je nach Abteilung in Regelmäßigkeit angeboten werden.  

Autorin :

Anna Kastner ist Head of Human Resources des Nachhilfe-Unicorns GoStudent. Das Unternehmen hat während der letzten Jahre ein rasantes Wachstum erfahren und wuchs seit Anfang 2021 von 160 auf über 1.300 Mitarbeiter*innen an. Mittlerweile operiert das Unternehmen in 22 Märkten und 22 verschiedenen Standorten weltweit und verbucht über 1,5 Millionen Nachhilfeeinheiten monatlich.

Titelbild: pixabay

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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