Rausgehen, Menschen treffen. Offen für neue Anregungen sein.

Auf Viehauktion werden Schweine im Auktions- und Festpreisverfahren gehandelt

Stellen Sie sich und das Startup Viehauktion doch kurz unseren Lesern vor!
Gerne. Viehauktion- das sind mein Bruder Simon und ich, Felix Meyborg. Wir stammen aus Lindern bei Oldenburg und sind auf einem landwirtschaftlichen Betrieb innerhalb einer Großfamilie aufgewachsen.

Ich hatte im Grunde Zeit meines Lebens immer schon eine große Affinität zum elterlichen Hof und dem Leben auf dem Land. Nach dem Landwirtschaftsstudium und ein bis zwei kleineren Berufsphasen außerhalb des eigenen Betriebs übernahm ich 2010 den elterlichen Betrieb mit Schweinemast.

Simon dagegen zog es immer schon mehr in die Stadt. Informatikstudium in Bremen, berufliche Aufenthalte in Tübingen und heute in Hamburg. Hier arbeitet er derzeit als technischer Leiter Im Innovationslabor des Verlagshauses Gruner+Jahr. Darüber hinaus hat er in den letzten 10 Jahren freiberuflich eine größere Anzahl eigener Projekte mit mehr oder minder großem Erfolg verwirklicht. Dazu zählen verschiedenste Apps, oder derzeit beispielsweise die Entwicklung eines eigenen Korns mit Internetshop, etc.

Viehauktion.com zählt ebenfalls zu diesen Projekten. Auf der Internetplattform werden Schweine im Auktions- und Festpreisverfahren gehandelt. In erster Linie sieht das Ganze so aus, dass Landwirte hier Mastschweine unter Angabe wesentlicher Parameter inserieren, und Handelsunternehmen-klassisch „Viehhändler“ genannt- diese per Mausklick erwerben.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?
Ganz einfach: Weil wir beide von der Idee „viehauktion“ überzeugt waren und sind. Im Grunde ist die Unternehmensgründung allerdings eher zweitrangig bei dem ganzen Prozedere. Am Anfang steht immer die Idee, das Brennen für diese. Wir haben deshalb zunächst nur „gebaut“: Ich das Konstrukt vorgegeben, Simon programmiert, ich wiederum Textliches verfasst, Simon verarbeitet, projektiert usw..

Das wir später die „2M Viehauktionen UG (haftungsbeschränkt)“ gründen würden, war uns anfangs noch gar nicht klar. Es war letztlich die logische Konsequenz, um mit unserem recht überschaubarem Budget eine solide, vertragliche Übereinkunft über Geschäftsanteile, Aufgaben des Einzelnen etc. zu schaffen, die im juristischen Sinne auch Bestand hat.
Nach erfolgreichem Verkauf erhält der Inserent von uns eine Rechnung in Form einer Provision.Wir erfüllen damit eine wiederkehrende „Gewinnabsicht“ und werden im Grunde aus steuerlicher Sicht so schon „automatisch“ zu Unternehmern.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Wir haben etwa ein ¾ Jahr sehr intensiv an unserem Projekt gearbeitet. Intensiv heißt außerhalb unserer beider hauptberuflichen Tätigkeiten. Das Ganze fordert natürlich schon allein deshalb, weil so nicht selten an den gewöhnlichen 9-10 Stunden-Tag nochmals 3-4 Stunden für „viehauktion“ angehängt werden. Während dieser Zeit wird einem diese Belastung allerdings zunächst gar nicht so klar, da man – wie gesagt – „brennt“.
Direkt ein nächstes Projekt nebenberuflich anzuschieben, wäre aber wohl zu viel. Finanziert haben wir uns ausschließlich selbst.
Herausfordernd waren sicher die ersten Tage des „Onlinegehens“. Dann hat das System zu funktionieren. Bei uns klappte alles reibungslos.
Wir sind sehr stolz auf die technische Verlässlichkeit unseres Produkts. Felix wendet es auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb nunmehr seit 3 Jahren nahezu wöchentlich an.

Wer ist die Zielgruppe von Viehauktion?
Die Zielgruppe sind Landwirte, Viehhändler und Schlachthöfe.

Wie funktioniert Viehauktion?
Ganz einfach: Der Inserent – in der Regel Landwirt – kann jederzeit eine Partie Schlachtschweine ein- stellen. Entweder er erstellt ein Festpreisangebot, welches täglich zwischen 7 und 18 Uhr verkauft werden kann, oder er nimmt an einer 2-mal wöchentlich stattfindenden Auktion teil. Hier setzt er ein Mindestgebot für seine Tiere und diese werden höchstbietend versteigert.

Der Inserent braucht während des Verkaufsprozesses nicht online sein. Er kann weiterhin seiner täglichen Arbeit nachgehen und sich sogar per SMS über das unmittelbare Verkaufsergebnis informieren lassen. Grundsätzlich erhalten Käufer und Verkäufer direkt nach Zuschlag eine E-Mail, die unter anderem die Kaufpreishöhe beinhaltet. Ferner erhält der Verkäufer eine Auskunft über die finanzielle Bonität des Käufers, sofern dieser im Handelsregister eingetragen ist (BoniCheck).

Ist dieser erste Zuschlag erfolgt, so haben beide Parteien (Käufer/ Verkäufer) die Möglichkeit binnen 2 Stunden das Geschäft zu stornieren. Tun Sie dies nicht, so wird das Ganze rechtskräftig. Es geht eine weitere E-Mail ein, in der die Rechtsverbindlichkeit des Kaufs beschrieben wird.
Unsere Provisonsrechnung ist dieser ebenfalls angehängt. Für den „Neukunden“ ist das erste erfolgreich auf „viehauktion“ getätigte Geschäft kostenfrei.

Welche Vorteile bietet Viehauktion? Warum sollte man die Plattform nutzen?
Ganz klar: Mehr Markt, mehr Chancen für den Einzelnen. Wir werben oft mit dem Slogan: „Sichern Sie sich Ihren Höchstpreis!“. Das besagt‘ s im Grunde schon: Der Einzelne kann ohne großen Zeit- und Kostenaufwand seine Tiere gleichzeitig mehreren potentiellen Käufern anbieten. Umgekehrt können Käufer ihren potentiellen Kundenkreis auf einfache Weise vergrößern.

Wir glauben, dass die bisherigen Vermarktungsstrukturen veraltet und nicht mehr zeitgemäß sind. Landwirte haben sich danach fast ausschließlich an starren Wochenpreisen zu orientieren. Nicht selten erfahren sie die genaue Höhe ihres Auszahlungskurses erst nach dem Abliefern Ihrer Ware.

Wir verfolgen letztlich ein ganz einfaches Verkaufsprinzip:
Bei viehauktion gibt erstmalig der Landwirt die genauen Verkaufsbedingungen vor. Er sagt an, nach welchem Abrechnungssystem und welchen Konditionen seine Tiere veräußert werden sollen und läßt sich nicht mehr von Händlern, Schlachthöfen oder sogar dem Lebensmitteleinzelhandel diktieren. In unseren Augen ist dem Landwirt in den letzten Jahren vermarktungstechnisch viel aus der Hand genommen worden. Viele von Ihnen sprechen so nicht selten vom „Schweinabliefern“, wenn Sie wieder einmal schlachtreife Tiere an den altbekannten Händler abgeben.

„Vermarkten statt Abliefern“ , so kann man den wesentlichen Vorteil von „viehauktion“ wohl am einfachsten beschreiben.

Wie ist das Feedback?
Trotz, dass das erste erfolgreiche Geschäft kostenfrei ist und Felix seine gesamten Tiere offen auf der Plattform zu guten Konditionen verkaufen kann, tun sich die Landwirte schwer, ihre Tiere zu inserieren.

Viehauktion, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Den genauen zukünftigen Werdegang von „viehauktion“ kennen wir natürlich auch nicht. Aufgrund des doch sehr zurückhaltenden Inserierens durch die Landwirte machen wir uns natürlich auch Gedanken bezüglich neuer Vertriebsstrategien und Ideen.

Kürzlich erreichte uns ein ernstes Interessenbekunden eines größeren ausländischen Unternehmens aus der Branche. Hier beabsichtigte man, uns und unser Projekt ins eigene Portfolio mit aufzunehmen. Simon hatte zuvor eine Pitchdeck bezüglich „viehauktion“ angefertigt und diese verschickt.

Wir haben uns allerdings aus persönlichen und beruflichen Gründen entschieden, „viehauktion“ zunächst weiter im Alleingang voranzutreiben, wobei der Fokus wohl auf der Überzeugungsarbeit durch Felix liegt. „Viehauktion.com “ ist technisch ein ausgereiftes Produkt. Simon hat hier erst einmal seine Arbeit getan und widmet sich momentan schon wieder neuen eigenen Projekten (siehe beispielsweise www.meyborg.co).

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
a) Die eigene Freiheit beibehalten. Nicht zu verbissen um den Erfolg der Idee kämpfen, wenn dieser sich eben nicht gleich einstellt. Ruhephasen zulassen.
b) Nicht gleich aufgeben. Aber die Mittel im Blick haben. Das Startup so gestalten, dass es auch bei mäßigem Erfolg nicht gleich den finanziellen Ruin bedeutet.
c) Rausgehen, Menschen treffen. Offen für neue Anregungen sein.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Felix Meyborg für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

KOSTENLOSER NEWSLETTER

Erhalten Sie regelmäßig die neuesten Updates der internationalen Startup-Szene!

X