Netzwerke sind eine gute Plattform, um sich und sein Unternehmen vorzustellen

Tüll und Spitze Dessous und Bademoden nach Maß

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Tüll und Spitze doch kurz unseren Lesern vor!
Ich bin Modedesignerin und habe 2011 noch ein 2-jähriges ergänzendes Studium zur Dessous-Designerin und -Maßschneiderin absolviert. Nach dieser Ausbildung habe ich direkt mein Label„Tüll & Spitze“ gegründet, das war im November 2013.
Seither entwerfe und schneidere ich Dessous und Bademoden nach Maß. Die Bandbreite ist weit gefächert und reicht von normaler Unterwäsche über Shapewear (Miederware) bis hin zu Still-BHs, Prothesen-BHs, Bikinis, Tankinis, Badeanzüge, Brautunterwäsche und vieles mehr. Dabei kann es sich um eigene Ideen der Kundin handeln, die ich für sie umsetze oder ich unterbreite während des Beratungsgesprächs Vorschläge an Modellen, die ich für die Kundin geeignet halte. Viele Kundinnen kommen zu mir, da sie nichts Passendes „von der Stange“ finden, andere möchten sich einfach einen Hauch Luxus gönnen.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?
Während des Studiums zur Dessous-Designerin und –Maßschneiderin lernte ich die unterschiedlichen Problematiken der Kundinnen kennen und den Wunsch danach, endlich passende Wäsche und Bademode tragen zu können. Mir wurde recht schnell klar, dass ich mit meiner Dienstleistung eine Nische am Markt bedienen kann, da es in vielen Bereichen Nachfrage nach maßgeschneiderter Wäsche und Bademode gibt. Das fängt damit an, dass Frauen aufgrund ihrer Körpergröße oder –formen nicht auf handelsübliche Konfektionsgrößen zurückgreifen können.Industriell gefertigte Ware kann gar nicht jede individuelle Körperform bedienen.Ebenso ist es bei Krankheitsbildern, beispielsweise im Bereich Prothetik, Skoliose und viele andere mehr. Es gibt jedoch auch Frauen, die sich einfach etwas Schönes und Individuelles gönnen möchten – oder jene,die ein Dessous oder ihre Lieblingsbademode nachgearbeitet haben möchten, da es das Modell nicht mehr im Sortiment ihres Lieblingslabels gibt. Im Bereich Maßschneiderei ist das Spektrum sehr groß, das man bedienen kann.

Was war bei der Gründung Ihres Unternehmens Tüll und Spitze die größte Herausforderung?
Da gab und gibt es verschiedene Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Erst einmal muss das Konzept stehen, mit dem man an den Markt gehen will – eine Idee, die man verfolgt und nach und nach erweitert undggf. umstrukturiert.
Ich habe erst einmal mit einem Kleingewerbe angefangen, um zu schauen, wie sich mein Atelier für maßgeschneiderte Dessous und Bademode entwickelt , ob die Dienstleistung angenommen wird und ob sich meine Idee am Markt etabliert. Von daher war der Start recht einfach.
Inzwischen hat die Nachfrage nach meiner maßgeschneiderten Wäsche und Bademode zugenommen, d. h., ich komme an einen Punkt, an dem ich meine Ursprungsidee überdenken und weiterentwickeln muss. Da ist beispielsweise gerade die Überlegung, erstmals Lohnauftragsarbeiten abzugeben. Das erlaubt mir, mehr Zeitfür die Kundenbetreuung und deren Anfragen zu haben, neue Designs und Modelle zu entwickeln, aber auch grundsätzlich mehr Zeit für die Akquise, zum Netzwerken und für die Teilnahme als Aussteller auf Veranstaltungen zu haben, um auch nach außen präsent zu sein.
Anfangs bekommt man all das noch recht gut unter einen Hut. Wenn das Unternehmen jedoch wachsen und sich am Markt etablieren soll, muss man weiterdenken und mit entsprechenden Partnernzusammenarbeiten. Da ich selbst hohe Ansprüche an mich und die Qualität meiner Produkte habe, fällt es mir nicht immer leicht, Arbeit abzugeben. Von daher war es auch eine große Herausforderung für mich, neuen Dienstleistern zu vertrauen und bestimmte Arbeiten abzugeben.

Gab es jemals einen Punkt, wo Sie dachten ich schaffe das nicht?
Ja und nein. In Zeiten, in denen viele Aufträge gleichzeitig eintrafen, fragte ich mich manchmal, obich die Aufträge alleine zeitnah fertig bekomme. Hier hilft es mir, dass ich sehr gut strukturiert und organisiert bin und dementsprechend an die Aufträge herangehe – daher hat der Ablauf der Aufträge bisher immer gut geklappt.
Wie zuvor jedoch schon erwähnt, denke ich bereits darüber nach, die Fertigstellung der Modelle abzugeben. Vom Ablauf her bedeutet dies für den Kunden:die Beratung, die Materialauswahl, das Maßnehmen, die Schnittkonstruktion und die Erstanfertigung für die Anprobe erfolgen durch mich. Und nach erfolgreicher Anprobe gebe ich das Modell einer Dessous-Schneiderin zur Fertigstellung und kann bereits mit der Schnittkonstruktion von Folgeaufträgen beginnen. Genäht wird übrigens nur in Deutschland!

Wie hat sich Ihr Unternehmen seit der Gründung entwickelt?
Tüll und Spitze ist bekannter geworden und wird gefunden. Viele Interessenten rufen mich an und sagen „Ich habe Sie im Internet gefunden …!“oder „Ich habe von Ihnen gehört …!“ Das freut mich natürlich.
Darüber hinaus sind die Anfragen bei mir nach maßgeschneiderten Dessous und Bademoden deutlich angestiegen. Das macht Mut und zeigt, dass der Bedarf nach meiner Dienstleistung da ist.
Um erst einmal bekannt zu werden, hat in erster Linie tatsächliche meine Website beigetragen, dann aber auch meine Präsenz in Netzwerken (persönliche und online).
Über Netzwerke habe ich tolle Kooperationspartner und Dienstleister kennengelernt, und ich werde immer häufiger zu Veranstaltungen als Aussteller eingeladen. Das können zum einen Tage des offenen Ateliers bei Modedesignern sein oder Ausstellungen mit anderen Dienstleistern zusammen, mit denen es eine gemeinsame Schnittmenge gibt. Jeder profitiert vom anderen, man entwickelt gemeinsam neue Ideen, schließt Kooperationen oder lässt seiner Kreativität und seinem Ideenreichtum gemeinsam freien Lauf – ein gemeinsames Brainstorming sozusagen. Mit einigen Dienstleistern – wir sind derzeit 12 – haben wirzum Beispiel die „Hochzeitskooperative“ (http://tuell-und-spitze.de/Hochzeitskooperative/) gegründet, da unsere Schnittmenge das Thema Hochzeit ist. Wir haben uns bewusst entschieden, eigene kleine Veranstaltungen zu machen, damit wir Zeit für Kundengespräche und Beratungen haben, aber auch, um selbst als Dienstleister wahrgenommen zu werden. Groß Hochzeitsmessen „erschlagen“ oft durch ein Überangebot an Ausstellern.

Muss man mit seinen Aufgaben wachsen?
Da bin ich mir sicher. Selbst wenn man noch so perfekt organisiert startet oder meint, alles überdacht zu haben – man wird meist eines Besseren belehrt. Irgendetwas gibt es immer, was man vorher nicht in dem und jenem Maß bedacht hat.
Das geht los bei der Existenzgründung, bis hin zu den Kundenaufträgen. Bei extrem kniffligen Aufträgen und Wünschen muss man lernen, zu sagen, dass man den Auftrag so nicht realisieren kann und muss ggf. an einen anderen Dienstleister verweisen. In puncto „Herausforderungen“ und „an den Aufgaben wachsen“ ist man meiner Meinung nach nie am Ziel. Man lernt immer irgendetwas für die Zukunft dazu, und das ist auch gut so.

Kann man auch mit einer Idee starten, wenn noch nicht alles perfekt ist?
Auf jeden Fall. Solange man mit Herzblut hinter seiner Idee und seinen Visionen steht, gibt das alleine schon Antrieb genug, mit Überzeugung an den Markt zu gehen. Nur so merke ich ja auch, ob es für meine Idee überhaupt eine Zielgruppe gibt oder ob die Idee nur in meinem Kopf existiert, aber der Markt und die Nachfrage noch nicht so weit sind.

Wer ist die Zielgruppe von Tüll und Spitze?
Da mein Angebot sehr umfangreich ist, spreche ich alleine damit schon ganz unterschiedliche Zielgruppen an, und auch meine Klientel ist ganz unterschiedlich. Es kommen Damen zu mir, die aus figürlichen Gründen nichts Passendes in Fachgeschäften finden oder die gesundheitliche Probleme haben beispielsweisedurch ein verschobenes Skelett, Operationen und vieles mehr. Darüber hinaus gibt es Bräute, die für ihren schönsten Tag etwas Hübsches für unter das Brautkleid haben möchten. Wenn das Brautkleid rückenfrei ist, darf natürlich kein Träger oder Rückenverschluß aus dem Kleid herausblitzen. Einen BH, der diese Anforderungen erfüllt, finden Sie selten im Fachgeschäft.

Wie läuft die Bestellung bei Tüll und Spitze ab?
Ich vereinbare einen Termin mit der Kundin, bei dem wir ihre Wünsche und Vorstellungen besprechen und bei dem ich ihre Maße nehme.Maßgenommen wird über der eigenen Wäsche. So sehe ich auch gleich, welche Problematik es mit den vorhandenen Dessous gibt.
Dann wählen wir das Wunschmodell und geeignete Materialien aus. Da die Stoffe unterschiedliche Stärken und Dehnungen haben, muss die Auswahl gezielt getroffen werden. Nicht jeder Stoff eignet sich für ein Hemdchen, leichte Stoffe sind ungeeignet für große Größen usw.
Für das erste Treffen inkl. Beratung, Maßnehmen und Materialauswahl sollte man ca. 1,5 Stunden einplanen.
Nach dem Treffen erstelle ich das Schnittmuster anhand der persönlichen Maße und fertige das Probemodell. Bei der Anprobe besprechen wir den Sitz des Modells, danach wird das Wunschmodell gefertigt.
Je nach Auftragsvolumen beträgt die Fertigung der Dessous oder Bademoden nach Maß ca. 4 Wochen.

Tüll und Spitze, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in den nächsten 5 Jahren?
Ich möchte Tüll und Spitze im Markt etablieren und bekannter machen. Dabei ist es natürlich auch wichtig, den Markt zu beobachten und die Entwicklung der Dessous- und Bademodeindustrie.
Außerdem möchte ich das Bewusstsein für kompromisslos gut sitzende Wäsche und Bademode bei den Frauen erweitern. Einen kleinen „Wäscheknigge“ – der gerade für Geschäftsfrauen interessant ist, der aber auch generell Tipps fürden Alltag bereit hält, habe ich im Frühjahr zusammengestellt. Und sicher folgen noch weitere Tipps rund um das Thema „passgenaue Unterwäsche und Bademode zum Wohlfühlen“.
Ganz wichtig ist es mir auf jeden Fall, meiner Vision zu folgen und auf meinem Weg zu bleiben.

Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründerinnen mit auf den Weg geben?
In erster Linie sich selbst und seiner Idee treu zu bleiben und sich nicht vom Weg abbringen zu lassen, denn man trifft auf so manchen Kritiker. Das soll nicht heißen, dass man Kritiken nicht auch annehmen soll – man kann ja auch viel daraus lernen. Aber man sollte sich nicht entmutigen lassen durch sie.
Dann ist es wichtig, Präsenz zu zeigen. Netzwerke sind dabei eine gute Plattform, um sich und sein Unternehmen vorzustellen. Hier ergeben sich oft gute Synergien mit anderen Netzwerkern, man findet Dienstleister, die einem das ein und andere abnehmen können -Webdesigner, Grafiker, Fotografen, Finanzberater – was immer man benötigt. Und es entsteht eine gute Mund-zu-Mund-Propaganda, da man sich gegenseitig weiterempfehlen kann. Gegenseitige Unterstützung ist enorm wichtig, sonst verlässt einen unter Umständen schnell der Mut, wenn man das Gefühl hat, nicht voran zu kommen.

Wir bedanken uns bei Tüll & Spitze für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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