Fehlschläge, Sackgassen und Fehlentscheidungen sind absolut normal.

Tremitas: Der Tremipen wird zum treuen Begleiter bei Parkinson und Essentiellem Tremor und ermöglicht eine verlässliche Verlaufsbeobachtung

Stellen Sie sich und das Startup Tremitas doch kurz unseren Lesern vor!
Die Tremitas GmbH ist ein Medizintechnik-Startup, welches sich auf die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von Medizinprodukten und dazugehöriger Software spezialisiert. Der Fokus liegt auf neurodegenerativen Erkrankungen, vor allem auf der Parkinson-Krankheit und dem Essentiellen Tremor. Das erste bald serienreife Produkt ist der Tremipen, der Symptome wie den Tremor (unkontrollierbares Zittern) der Hände erfassen kann. Das Unternehmen hat ihren Sitz in Klagenfurt, Österreich, jedoch gibt es durch verschiedene Kooperationen auch Tätigkeiten in Graz, Wien und anderen Städten. Derzeit besteht das Unternehmen aus 3 Kernmitgliedern und mehreren Kooperationspartnern, in Kürze werden aber mehrere neue Mitarbeiter aufgenommen.

Wie ist die Idee zu Tremitas entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Die Idee für das Projekt kam Tibor Zajki-Zechmeister während dem letzten Studienabschnitts seines Studiums im Jahr 2011. Auf der Suche nach einem passenden Projekt für seine Bachelorarbeit unterhielt er sich mit seinem Vater, László Zajki-Zechmeister über verschiedene Themen. Unter anderem wurde auch über den Urgroßvater von Tibor Zajki-Zechmeister gesprochen, der an Parkinson litt. Insbesondere das starke Zittern in den Händen und der Versuch aus einer subjektiven Selbstbeobachtung einen Verlauf der Krankheit zu interpretieren, belastete ihn sehr. Aus dieser Geschichte wurde die Idee geboren, einen handelsüblichen Gegenstand, nämlich einen Stift, mit intelligenter Sensorik zu kombinieren, um die Symptome endlich objektiv zu erfassen und so den Krankheitsverlauf besser überwachen zu können.

Tibor Zajki-Zechmeister hat sich nach seinem Abschluss selbstständig gemacht und bei der Aufnahme in den regionalen Startup Inkubator !build, wurde die Aufnahmebedingung gestellt, jemanden mit wirtschaftlicher Erfahrung aufzunehmen. Während dieser Suche entstand eine Kooperation mit Tara Geltner und später unterstützte auch László Zajki-Zechmeister das Projekt.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Während dem Projekt gab es diverse große Herausforderungen, von denen folgende drei vielleicht am markantesten waren:
1. Am Anfang des Projektes war es eine große Herausforderung die medizintechnische Idee in Einklang mit den Wünschen und Bedürfnissen der Patienten und Ärzte zu bringen. Ärzte wollen nicht, dass der Tremipen Ihre Kompetenz streitig macht und selbständig diagnostiziert, Patienten möchten ein Maximum an Informationen, die aber unkompliziert und übersichtlich dargestellt werden soll.

2. Die Akquisition von genügend Geldmitteln war ebenfalls eine ständige Herausforderung, neben einer strikten Kostenplanung wurden auch komplexe Förderungen beantragt, die viel Zeit und Arbeit vorausgesetzt haben.

3. Nach der Fertigstellung und Validierung der Technologie musste ein passendes Vertriebskonzept erstellt werden. Dies ist bis heute eine Herausforderung, jedoch ist ein Produkt ohne Vertriebskonzept zum Scheitern verurteilt.
Die Finanzierung des Tremitas Projektes wurde mit Kapital der Gründer, einem ersten Investor, dem !build Inkubator, der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), dem Kärntner Wirtschaftsförderungsfonds (KWF) und weiteren Organisationen ermöglicht.

Wer ist die Zielgruppe von Tremitas?
Die Hauptzielgruppe sind Betroffene mit Parkinson, Essentiellem Tremor und anderen Tremorerkrankungen. Gleichzeitig sind aber auch Ärzte eine wichtige Zielgruppe, da das System aus ärztlicher Sicht akzeptiert werden muss.

Welche Vorteile bietet Tremitas?
Mit dem Tremipen ist es möglich den Tremor objektiv und unkompliziert zu erfassen. Darüber hinaus ist die Messung sowohl in der Klinik als auch Zuhause problemlos möglich. Der Tremipen wird zum treuen Begleiter bei Parkinson und Essentiellem Tremor und ermöglicht eine verlässliche Verlaufsbeobachtung.

Wie ist das Feedback?
Während einem intensiven Kontakt mit Selbsthilfegruppen in ganz Österreich erhielten wir sehr positives Feedback, es gibt auch schon einige Ärzte, die das System und das Projekt unterstützen.

Tremitas, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Zurzeit ist es das Ziel den Tremipen serienreif werden zu lassen und anschließend den Markteintritt umzusetzen. Danach gilt es erste Umsätze zu generieren und zu wachsen. In 5 Jahren möchten wir den Tremipen in der ganzen EU vertreiben und auch die Märkte auf anderen Kontinenten nutzen. Unser langfristiges Ziel ist es für Parkinson und Essentiellen Tremor einen neuen therapeutischen Standard zu etablieren.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Aus der bisherigen Erfahrung haben wir folgende essentiellen Dinge gelernt:
1. Das Gründerteam muss IMMER so zusammengestellt sein, dass alle wichtigen Kernkompetenzen für das Projekt intern abgedeckt ist.
2. Sobald ein Funktionsprototyp oder eine Beta Version des Produktes fertig ist, sollte man sofort damit beginnen Feedback von Kunden einzuholen und Vertriebsstrategien zu entwickeln. Das weltbeste Produkt ist sinnlos, wenn Kunden es nicht kaufen wollen oder der Vertrieb nicht geklärt ist.
3. Fehlschläge, Sackgassen und Fehlentscheidungen sind absolut normal. Aus Fehlern sollte man unbedingt lernen, um es das nächste Mal besser zu machen. Zusätzlich ist die Umsetzung eines Startups ein Marathon und kein Sprint. Trotz der Arbeit sollten Familie, Freunde und Freizeit eine hohe Priorität haben, ansonsten ist man ausgebrannt, bevor es richtig losgeht.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Niklas Schwichtenberg für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

X