Dienstag, August 16, 2022

Phantom Transparenz

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Transparente Kommunikation in Startups – wie die Wachstumsphase gelingt

Wenn es in einem Startup richtig gut läuft, wächst es durchaus innerhalb weniger Wochen von fünf auf dreißig Mitarbeitende. Wo vorher noch beim Feierabendbier lässig über neue Kunden, strategische Entscheidungen und die finanzielle Lage geschnackt wurde, wird „Transparenz“ im stark wachsenden Team schnell zum Phantom. Natürlich ist der basisdemokratische Ansatz, der oft noch in der Gründungsphase existiert, bei steigender Mitarbeitendenzahl nicht mehr zielführend – eine transparente Unternehmenskultur als Basis für eine glaubwürdige Arbeitgebermarke lässt sich aber dennoch umsetzen: Mit Ehrlichkeit, realistischem Erwartungsmanagement und Authentizität.

Was Transparenz für Unternehmen bedeutet

Zunächst einmal muss die Definition des Wortes verinnerlicht werden: Transparenz meint nämlich auf keinen Fall, dass Führungskräfte ihren Mitarbeitenden alle Entscheidungen und Entwicklungen kleinschrittig erklären müssen. Für die Verantwortlichen sollte es eher darum gehen, ehrliche Beziehungen zu ihren Beschäftigten aufzubauen, die von beidseitig realistischen Erwartungen geprägt sind. Wenn offen und ehrlich kommuniziert wird – und dabei auch Orientierung und Überblick ausgestrahlt wird, entsteht Fairness und Gleichberechtigung, was wiederum die Mitarbeitendenbindung stärkt. Eine offene und transparente Unternehmenskultur fördert außerdem die Kreativität und Zufriedenheit des Teams und schafft Raum für Innovation.

Ehrlichkeit ist wichtiger als eine alle Bereiche durchdringende Transparenz

Eine transparente Unternehmenskultur setzt allerdings immer voraus, dass Arbeitgebende in den entscheidenden Prozessen den tatsächlichen Stand offen kommunizieren. Welche Prozesse das sind, geben die Mitarbeitenden meist bewusst oder unterbewusst durch Äußerungen oder Verhalten vor. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um Themen rund um die Entstehung von Gehältern, Arbeitsbedingungen und Karrierechancen. Wenn Fragen aufkommen, heißt es, die richtigen Antworten parat zu haben und offen und ehrlich zu kommunizieren. Ein FAQ, das Führungskräfte immer weiter ergänzen und überarbeiten können, ist in vielen Fällen hilfreich, um Orientierung und einheitliche Informationen zu geben.

Ein essenzieller Prozess im Aufbau transparenter Unternehmen ist aber auch das Recruiting, wo Startups auf jeden Fall mit Ehrlichkeit bei den Kandidatinnen und Kandidaten punkten können. In diesem Prozess gehört es natürlich dazu, sich als Arbeitgebender besonders positiv darzustellen – interessanter als die Vorteile im Unternehmen, sind für Bewerber*innen aber auch die „Nachteile“ oder die Bereiche, in denen sich das Startup noch entwickeln möchte. Nichts schadet dem Arbeitsklima mehr, als Versprechen, die nicht eingehalten werden.

Finanzen, Gehälter, Feedbackprozesse – Fair-Pay-Kommunikation

Nicht nur im Recruiting, sondern auch unter den Mitarbeitenden ist eines der Hauptthemen nach wie vor das Gehalt. Dennoch versuchen auch heute noch viele Unternehmer*innen mit unwirksamen Klauseln im Arbeitsvertrag ihre Mitarbeitenden davon abzuhalten, über ihr Gehalt zu sprechen. Transparenz in diesem Bereich scheint weiterhin ein Tabuthema. Dabei bietet genau diese Sensibilität großes Potenzial die eigene Unternehmenskultur zu schärfen und sich als fairer Arbeitgeber herauszustellen. Gerechte und gleichberechtigte Bezahlung ist für Talente ein wichtiger Wert.

Dabei geht es nicht darum, das Gehalt aller Mitarbeitenden einzeln offenzulegen. Auch hier gilt wieder, dass das Wort Transparenz nicht missverstanden werden darf – eine solche Vorgehensweise könnte sonst zu Missgunst und Unruhe im Team führen. Laut einer Studie wünschen sich fast zwei Drittel der Befragten bereits im Bewerbungsprozess mehr Transparenz im Umgang mit dem Thema Gehalt. Mit der Angabe des Verdienstes in der Stellenanzeige können sich Unternehmen innovativ und offen positionieren.

Doch auch für die Employer Brand an sich und die bestehenden Mitarbeitenden kann die Offenlegung der Gehaltsstrukturen ein starkes Bindungsinstrument sein – sofern Unternehmen hier gute Ergebnisse vorweisen können. Eine gerechte Bezahlung motiviert die bestehenden Mitarbeitenden und fördert so die Produktivität des Unternehmens. Der offene und faire Umgang mit dem Thema Gehalt nach innen und außen kann so ein wirkungsvolles Alleinstellungsmerkmal für Unternehmen sein, wenn es darum geht, Fachkräfte zu gewinnen und zu binden.

Abseits der Hard Facts – die Kultur im Startup

Transparenz zählt aber nicht nur bei den Hard Facts. Um eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu erzielen, braucht es sie genauso auf der zwischenmenschlichen Ebene. Hierfür ist natürlich eine ehrliche und klare Arbeitgebermarke ist nötig, um sie mit den Einstellungen, Verhaltensweisen und Wertvorstellungen der (potenziellen) Mitarbeitenden zu vergleichen. Das bedeutet im Klartext: Die Menschen, die zusammen in einem Unternehmen arbeiten, müssen nicht nur fachlich, sondern auch menschlich zueinander passen.

Legt ein Unternehmen beispielsweise besonderes Augenmerk auf Nachhaltigkeit, sollte für die ideale Zusammenarbeit auch den Mitarbeitenden dieser Wert etwas bedeuten. Ein Blick auf den Cultural Fit zu werfen, bedeutet den Fokus weg von Qualifikationen hin zu sozialen Kompetenzen und persönlichen Überzeugungen zu lenken. Transparenz ist in diesem Fall von beiden Seiten gefordert. Arbeitgeber und Arbeitnehmende müssen hier ehrlich zueinander sein, um ein möglichst harmonisches Match zu erzielen, von dem sie dann beide profitieren.

Autor

Jan Lübcke ist Mitgründer und CEO von HEY NOW, der Digitalagentur für Talent Communication. Mit seinen Co-Gründer*innen Lorena Beltrami und Svenja Wiegemann gestaltet er die Kommunikation zwischen Unternehmen und Talenten. Zu ihren Kunden zählen Marken wie comdirect, EOS und New Work SE.

https://www.hey-now.de/

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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