Prüft Eure Idee – und lasst sie prüfen!

trackle hilft Frauen zu erkennen, wann sie schwanger werden können

Stellen Sie sich und das Startup trackle doch kurz unseren Lesern vor!
trackle ist ein Sensor, der Frauen dabei hilft zu erkennen, wann sie schwanger werden können und wann sie nicht schwanger werden können – ganz einfach und sicher, indem es die symtothermale Methode ins 21. Jahrhundert übersetzt. Damit wird diese sehr sichere Methode zur Bestimmung des Eispungs für die breite Masse anwendbar.

Wie ist die Idee zu trackle entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Katrin Reuter und ich (Maxim Loick) haben zuerst eine Familie gegründet. Dann wollten wir ein Produkt wie trackle kaufen – und als es das nirgends zu kaufen gab, haben wir es kurzerhand selbst entwickelt.

Warum haben Sie sich entschlossen ein Unternehmen zu gründen?
Wir haben die Idee über einen längeren Zeitraum immer wieder geprüft: Ist trackle technisch machbar? Kann sich das lohnen, dafür ein Unternehmen zu gründen, können wir damit Umsätze erzielen, die uns ernähren? Können wir damit Umsätze erzielen, die Investor*innen davon überzeugen, bei uns einzusteigen? Sehr hartnäckig hat diese Idee allen diesen Prüfungen standgehalten, so dass wir Ende 2015 die trackle GmbH gegründet haben.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Zu Beginn haben wir unseren Bausparvertrag auf den Kopp gehauen, danach haben wir Geld mit einer kleine Family & Friends Runde im Bekanntenkreis eingesammelt – und schließlich im Dezember 2017 die erste Seedrunde mit Business Angels und dem Seed-Programm der NRW-Bank abgeschlossen. Dabei konnten wir einen ansehnlichen sechsstelligen Betrag erzielen.

Die größte Herausforderung dabei war, mit schmalem Geldbeutel einen funktionierenden Prototypen zu entwickeln, der einen Proof of Concept erbringen musste – und das ganze mit unserem bis dato ganz normalen Leben zu koordinieren: Jobs, Familie, ehrenamtliches Engagement an diversen Stellen. Da wurden die Abende vor dem Rechner manchmal ziemlich lang. Aber als wir dann bereits im ersten Testlauf unseres Prototypen zum ersten Mal den signifikanten Temperaturanstieg gesehen haben, mussten wir uns erst einmal setzen vor Freude.

Wer ist die Zielgruppe von trackle?
Kurz gesagt: Alle Frauen weltweit mit einem gesunden Zyklus – und deren Partner*innen. Für unseren Business Case haben wir dann aber doch erheblich vorsichtiger kalkuliert und uns auf zwei Gruppen fokussiert: – Frauen, die gerne schwanger werden möchten und bei denen es nicht auf Anhieb klappt (das sind ca. 3 Mio allein in Deutschland) und Frauen, die gern hormonfrei verhüten möchten. Dass der Trend gerade dahin geht, die Pille als Verhütungmittel by de fault zu verstehen, haben wir so noch gar nicht einkalkuliert – aber wenn dieser Trend anhält, wird das unseren Businesscase nur noch verbessern.

Wie funktioniert trackle?
Da muss ich zunächst ein wenig ausholen: Frauen sind nur rund um den Eisprung fruchtbar, man rechnet fünf Tage vor Eisprung bis genau 48 Stunden nach Eisprung, also insgesamt gut 7 Tage pro Zyklus. Um dieses fruchtbare Zeitfenster zu bestimmen, muss man also den Eisprung finden. Nun ist es ein biologisches Prinzip, dass bei allen Frauen bei jedem Eisprung immer und ganz sicher in 100% der Fälle die Körperkerntemperatur um 0,5°C ansteigt. Man muss also „nur“ diesen Temperaturanstieg finden. Mit der symptothermalen Methode ist das sehr sicher möglich, dazu muss jeden Tag die niedrigste Temperatur ermittelt werden, die der Körper in völliger Ruhe erreicht. Diese Basaltemperaturen setzt man dann in eine Reihe – und sieht darin dann am Tag des Eisprungs den spezifischen Anstieg um 0,5°C.

trackle misst die Temperatur im Körper, übermittelt die Messwerte und wertet sie automatisch aus. Als Ergebnis zeigt trackle der Nutzerin auf ihrem Smartphone: Heute ist ein fruchtbarer Tag oder heute ist kein fruchtbarer Tag. Damit kann die Nutzerin dann entscheiden, was für ihre aktuelle Lebenssituation nötig ist: Verhüten – oder gerade das Gegenteil.

Welche Vorteile bietet trackle?
Die symptothermale Methode ist zwar sehr sicher, aber frau muss sich dafür ziemlich strikt an eine Reihe von Regeln halten – was zumindest in unserem Fall dazu führt, dass man einige Fehler machen kann. trackle eliminiert diese Fehlerquellen und macht die symptothermale Methode damit erstmals für eine breite Masse von Anwenderinnen interessant.

Wie ist das Feedback?
Wir erhalten überwältigendes Feedback von Frauen, die sich mit der Methode bereits auskennen, viele davon bestellen trackle schon bevor wir damit überhaupt am Markt sind. Aber auch Frauen, die sich bisher eher wenig um ihren Zyklus gekümmert haben, interessieren sich zunehmend. Das Ausknipsen des Zyklus mit hormonellen Mitteln wie der Pille ist zwar immer noch Standard im Jahr 2017 – aber es gibt eine starke Bewegung zur hormonfreien und natürlichen Familienplanung.

trackle, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir sagen ganz selbstbewusst: Wir wollen trackle weltweit vertreiben, weil trackle Frauen und ihren Partnern auf der ganzen Welt hilft. Wir werden zunächst als Medizinprodukt für Europa zertifziert, danach steht die weitere Expansion an, bei der wir auch die Vogaben der amerikanischen Behören erfüllen werden.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
– Prüft Eure Idee – und lasst sie prüfen!
– Haltet durch! Wenn’s einfach wäre, würde es ja jede*r machen.
– Es wird nicht gekickert und es werden keine Bärte getrimmt, sondern es wird hart gearbeitet, 24-7. Wenn’s einfach wäre, würde es ja jede*r machen.

Bildqeulle Beate Scherer, Lizenz: CC BY SA.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Maxim Loick und Katrin Reuter für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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