Donnerstag, Januar 21, 2021

Zweiter Lockdown – und nun?

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Mein Kampf um die Existenz in der Corona-Krise

„Mein Name ist Tobias Körber, ich bin 43 Jahre alt und durfte als Gründer und Projektmanager bereits mehrere Start-ups im Freizeit- und Sportbereich positionieren. Aufgrund meiner Erfahrung, meiner Marktkenntnis, einer ausführlichen Wettbewerbsanalyse, strategischer Planung im Bereich Lizenz und Franchise sowie des Verständnisses dafür, dass medizinisches Training besonders in Hinblick auf betriebliche Gesundheitsvorsorge sich künftig einer digitalen Ausrichtung anpassen sollte, entschloss ich mich 2019 zur Gründung einer neuen gesundheitsorientierten Studio-Marke.

EXCO Training lautet der Name des sportmedizinischen und ganzheitlichen Studiokonzepts, das in Hinblick auf die konzeptionelle Ausrichtung der betrieblichen Gesundheitsförderung mit 12.000 Mitarbeitern in den umliegenden Firmen an einem perfekten Standort angesiedelt ist. Mit den ansässigen Unternehmen im Gewerbepark Süd in München-Gilching hatte ich bereits im Vorfeld über Kooperationen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement gesprochen und auch ein Franchisekonzept war in Planung – beste Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start. Dachte ich zumindest, denn am 01.04.2020 sollte die Eröffnung stattfinden, jedoch ging München bereits am 16. März 2020 in den ersten Lockdown.

Bis Mitte Juni lag der Betrieb brach, es bestand somit genug Zeit, um ein umfassendes Hygienekonzept auszuarbeiten.

Wir investierten in eine Belüftungsanlage mit speziellen Filtern, in eine App, die in Echtzeit die Belegung im Studio anzeigt und über die man Trainings-Slots buchen kann. Es gilt Maskenpflicht auf den Wegen zwischen den Geräten und natürlich wurden auch Desinfektionsspender installiert. Alles war und ist bereit für einen verantwortungsvollen Betrieb, in dem die AHA-Regeln eingehalten werden können und in der sich wichtige Fokusgruppen wie Best Ager und Menschen in Rehabilitation wohlfühlen.

Nach der Wiedereröffnung lief es gut, was sich auch im positiven Feedback der Kunden zeigte. Zwar war der Mitgliederzuwachs aufgrund der Umstände zäh, aber der Betrieb lief, das Training konnte stattfinden und ich war positiv gestimmt. Bis zum 28. Oktober 2020, dem Tag, an dem die Bundesregierung den zweiten Lockdown beschloss. Seitdem diskutiert Deutschland über die Gastronomie und Veranstaltungsbranche – dabei wird jedoch in der öffentlichen Meinung derzeit vergessen, dass auch die Fitness- und Gesundheitsbranche zu den sogenannten Verlierern der Krise gehört. Noch stärker als die etablierten Betriebe trifft es jedoch branchenübergreifend die Start-ups: Eine Hilfe von 75 Prozent des November-Vorjahreseinkommens bedeutet für viele von ihnen eine Unterstützung von 0 Euro.

Inzwischen hat die Politik nachgebessert und den Bezug auf Oktober 2020 geändert:

Für mich und viele weitere Start- ups bedeutet das trotzdem keine Hilfe, denn eine Firmengründung in Kombination mit der Corona-Krise führt bei vielen Betrieben zu einem Umsatz, der weit hinter den prognostizierten Zahlen zurückbleibt. 75 Prozent von dem Verbliebenen – davon können Betriebe weder weiterleben noch Mitarbeiter bezahlen. Wir können nicht auf erwirtschaftete Reserven zurückgreifen und wir mussten bereits unsere zurückgestellten Betriebsmittel aufbringen.

An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich absoluter Befürworter aller aktiven Maßnahmen wie AHA und Risikogruppenschutz bin. Jedoch glaube ich daran, dass unter konsequenter Einhaltung dieser Regeln ein unbedenkliches Training stattfinden kann, zumal dieses der Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit dient.

Da mir bereits vor Wochen klar wurde, dass ich meinen Umsatzausfall kompensieren muss, haben wir das Thema ‚gesunde Mitarbeiter‘ anders gedacht und ein neues Konzept entwickelt. So entstand das Rückenprogramm ‚EXCO Micro Studio‘. Kleine Einheiten aus je vier medizinischen Kräftigungs- und Beweglichkeitsgeräten sowie einer Diagnostik-Station zur Erfassung individueller Beschwerden und Probleme von Mitarbeitern, die vor Ort in Unternehmen installiert werden und voll umfassend digital durch unseren Standortpiloten betreut werden. Das Fokusproblem ‚Rückenschmerzen‘ kann so durch uns als Experten zielgerichtet behandelt werden. Der Mitarbeiter trainiert zwei- bis dreimal wöchentlich für je 15 Minuten an seiner Rückengesundheit und möglichen anderen Beschwerdebildern.

Eine Kombination unterschiedlicher Geräte, um auf unterschiedliche Arbeitsplatzanforderungen zu reagieren, macht uns einzigartig in diesem Marktsegment.

Die dargestellten Einheiten sind für Unternehmen preislich sehr attraktiv, laufzeitgebunden (24/36/48 Monate), flexibel sowie lösungsorientiert in der Ausstattung und bieten die Möglichkeit für Unternehmen, sich als attraktive Arbeitgebermarke zu präsentieren. Dieser Ansatz steht in den Startlöchern, ein erfolgreicher Roll-out lässt sich auch aufgrund des erneuten Lockdowns jedoch wieder nicht verwirklichen, da unser Studiopilot als Projekt-Showroom und vor allem für Probetrainings genutzt werden muss. Darüber hinaus entsteht für die gesamte Branche ein nicht zu messender Imageschaden.

Ich bin gezwungen, einen erweiterten Kredit zur Nachfinanzierung des Unternehmens aufzunehmen. Mietstundungen aus den Monaten Juli bis Oktober müssen zurückgeführt werden. Als Geschäftsführer kann ich mir seit dem Lockdown zur Sicherung der Arbeitsplätze und des Unternehmens kein Gehalt auszahlen und bin auch nicht KUG-fähig, weshalb mein Beitrag zur Sicherung meiner Familie aktuell nicht vorhanden ist. Für mich und mein Unternehmen stellen sich alle vermeintlichen Unternehmenshilfen und Pakete als vollkommen gegenstandslos dar.

Ich werde als Unternehmer, als Arbeitgeber, als Investor völlig alleine gelassen. So wie mir geht es vielen anderen Gründern in Deutschland – wir haben allerdings keine Lobby, weshalb wir kaum Gehör finden. Für uns alle hoffe ich, dass Bund und Länder auf das Problem aufmerksam werden und handeln, ehe es für die meisten von uns zu spät ist.“

Über den Autor:

Tobias Körber gründete in 2020 EXCO Training, eine Marke der SportPlan GmbH. Das einzigartige Konzept verbindet die vier Säulen Beweglichkeit, Kraft, Ausdauer und Koordination zu einem individuellen Training. Die vier Säulen bilden die Basis für ein gesundes und schmerzfreies Wohlbefinden und steigern die individuelle Leistungsfähigkeit. Eine sportmedizinische Analyse und eine umfangreiche Diagnostik bilden die Basis für das Training. Weitere Informationen unter exco.training.

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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