Tipps für Spielverderber: Wie man die Digitale Transformation erfolgreich blockiert

Die Digitale Transformation ist derzeit in aller Munde. Häufig wird dabei diskutiert, wie man die Chancen dieses Wandels am besten nutzt. 

Wenn Sie aber gegen den Strom schwimmen wollen und das Vorhaben Ihrer Organisation lieber scheitern sehen möchten, halten Sie sich an unsere Top-Tipps zum Verhindern erfolgreicher Digitaler Transformation! 

Lassen Sie es den Chef machen 

Gerade im Mittelstand werden viele Unternehmen noch von der starken Hand des Geschäftsführers geführt. Er gilt als die höchste fachliche Instanz. Ermutigen Sie die Mitarbeiter, sich in ihrer Arbeit und der Produktentwicklung am Geschmack des Vorgesetzten statt dem der Konsumenten zu orientieren. Schmeicheln Sie sich beim Geschäftsführer ein, indem Sie ihm suggerieren, dass er den Markt schon immer richtig eingeschätzt hat. Gottlieb Daimler sagte einst: “Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird 1.000.000 nicht überschreiten – allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren.” Damit lag er, milde gesagt, daneben. Nehmen Sie sich wenn möglich unbedingt ein Beispiel an dieser Haltung.

Fehler konsequent bestrafen 

Machen Sie “wertschätzende und offene Kommunikation wird überbewertet” zu Ihrem Motto. Jeder Fehler sollte abschätzig vor großem Publikum – vielleicht mit einer Prise Arroganz – kritisiert werden. Am besten kurz nachdem Ihr Geschäftsführer eine offene Fehlerkultur verkündet hat. Sätze wie “Das ist die dümmste Idee, die ich je gehört habe. Wer hat diesen Blödsinn fabriziert?” können Wunder wirken. 

Spielverderber
Tal Uscher

Am Ende wissen Sie auch schon, was der Kunde braucht. Daher ist der neumodische Kram wie inkrementelle Produktentwicklung – also die schnelle und kundenzentrierte Umsetzung in Zyklen – eigentlich nutzlos. Mit einer soliden, gut durchgeplanten Produktentwicklung können keine Fehler passieren und darauf sollten Sie auch die Kolleginnen und Kollegen einschwören. 

Lange und ausführlich abwägen

Probleme sollten gründlich und ausführlich analysiert werden. Vor allem so ausführlich, dass die Problemlösung in den Hintergrund tritt. Bei komplexen Projekten, die unternehmerisches Neuland bedeuten und ein kontinuierliches „Test & Learn“ brauchen, sollten Sie unbedingt eingreifen. Lassen Sie Szenarien entwickeln und Probleme bewerten. Engagieren Sie Berater und Experten, die umfassende Analysen erstellen und komplexe Business Cases kalkulieren und möglichst umfangreiche technische Anforderungen definieren. Validieren Sie keine Hypothesen und vor allem gehen Sie nicht hinaus zu Ihren Kunden. Man kann alles vorab in einer Excel-Tabelle abbilden. Es gibt kein Innovationsprojekt, das man in einem Lenkungskreis nicht kaputt rechnen kann. 

Finden Sie die Risiken oder die wenigen kritischen Aspekte und übertragen Sie diese auf die gesamte Glaubwürdigkeit eines Projektes. Lassen Sie die Innovatoren immer neue Business Cases rechnen, die immer komplexere Anforderungen haben. Abschließend beschweren Sie sich, dass dieses Innovationsteam nichts voranbringt. Sie werden sehen, diese innovativen Kollegen werden entweder zur „Besinnung“ kommen oder einen neuen Arbeitgeber suchen. 

Guten Ideen freien Lauf lassen. Sie werden sich von alleine durchsetzen!

Sinnvolle, kreative Initiativen sind in einem Unternehmen immer eine Herausforderung. Veränderungen begeistern nicht alle Menschen und auch wenn man in einem Umfeld arbeitet, in dem sich alle einig sind, dass Innovation sinnvoll ist, sind Neueinführungen und innovative Produktvisionen sowie deren Etablierung keine Selbstläufer. 

Viele können sich ein noch nicht bekanntes Produkt in einer unbekannten Zukunft nicht vorstellen. Das ist nicht ungewöhnlich.

Was heißt das für Sie als Spielverderber? Wirken Sie bei innovativen Initiativen engagiert, aber sagen Sie, dass gute Vorhaben von ganz alleine ihren Weg finden. Da muss nichts aufwendig erklärt und durchgesetzt werden – sonst ist es ja nicht wirklich gut. 

Zusammengefasst: 

Mit diesen Tipps sind Sie auf dem besten Weg zum Spielverderber – alles bleibt wie es ist. Achten Sie aber auf eine Sache: Bei der Suche nach dem Schuldigen darf die Schuld nicht an Ihnen kleben bleiben. Das Schwarze Peter Spiel möchte gut beherrscht werden. Konzentrieren Sie all Ihre Energie kooperativ zu wirken aber konsequent den Schwarzen Peter zu verteilen.  

Autoren:

Nicole Röttger und Tal Uscher sind Geschäftsführer von Apiarista, einer Beratung für agiles Management und Organisationsentwicklung aus Berlin.  Apiarista verbindet klassische Managementmethoden mit Startup- und agilen Methoden, um die Herausforderungen in der digitalen Welt zu meistern. Mit der hauseigenen Mokka Challenge, einem innovativen und praxisorientierten Training, ermöglicht Apiarista Organisationen das Erlernen agiler Methoden anhand der Herstellung eines konkreten Produkts: Mokka.

Titelbild: Nicole Röttger

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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