There ist no I in Team – Warum Gründer jetzt gemeinsam kämpfen müssen

Bei vielen Gründern herrscht gerade Corona-Panik: Jeder versucht, sein eigenes Unternehmen zu retten. Doch dabei sollten wir nicht vergessen: Um große Krisen zu meisten, brauchen wir eine starke Gemeinschaft. 

Wie bei einem Tanz auf Messers Schneide – so fühlen sich viele Start-up-Gründer angesichts der Krise.

Sie müssen jetzt schnell die richtigen Schritte tun, bekommen meist jedoch nicht ausreichend staatliche Unterstützung – sind also akut in ihrer Liquidität bedroht. Gerade bei defizitären Start-ups ist die Situation brenzlig. Viele sind noch nicht am Markt etabliert, können nicht auf langjährige Stammkunden oder vertrauensvolle Beziehungen zu Dienstleistern und Lieferanten bauen. Doch genau diese Verbindungen sind in der Krise Gold wert. 

Große Veränderungen brauchen eine starke Gemeinschaft – das war schon immer so. In schlechten Zeiten ist Solidarität wichtiger denn je. Einzelkämpfer haben es gerade dann schwer. Ich selbst durfte das erleben, nachdem ich vor 13 Jahren beim Wandern einen falschen Schritt machte und kopfüber in einen Bach stürzte. Ich überlebte – querschnittsgelähmt vom fünften Halswirbel abwärts. Seitdem bin ich im Leben immer wieder auf Hilfe angewiesen. 

Zum Beispiel als ich viele Monate nach dem Unfall aus der Klinik entlassen wurde. Damals stellte sich für mich die Frage: Kann ich an meine alte Schule zurückkehren, um mein Abitur abzuschließen? Die Schule ist nicht rollstuhlgerecht ausgebaut. Ein Aufzug? Fehlanzeige. Doch die Vorstellung, als frisch Querschnittsgelähmter an eine andere Schule gehen zu müssen, in der ich niemanden kannte, war für mich damals ein Albtraum. 

„Dann tragen wir dich hoch“, war die kurzentschlossene Antwort meiner Schulkameraden. „Das wird schon irgendwie gehen.“ Und genauso lief es dann auch ab – zwei Jahre lang, während der gesamten Oberstufe. Meine Mitschüler hatten mit den anstehenden Prüfungen selbst genug um die Ohren. Aber ihre Bereitschaft, mich zu unterstützen, hat uns zu einem starken Team zusammengeschweißt. Wir sind heute noch sehr gut befreundet. 

So wie ich mich damals auf meine neue Situation einstellen musste, sollten jetzt auch Gründer auf gegenseitige Hilfe setzen, um ihre Unternehmen durch die Krise zu retten. Dadurch können Beziehungen entstehen, die auch nach der Krise Bestand haben.

Um Unterstützung bitten

In dieser Zeit brauchen Sie jede Hilfe, die Sie kriegen können. Scheuen Sie sich nicht, danach zu fragen. Das kann meiner Ansicht eines der wichtigsten Learnings aus der Krise sein. Offenheit schafft hier Vertrauen. Denn so hart uns die Krise auch trifft – sie bringt gerade eine Menge Solidarität zum Vorschein. 

Nur Bares ist Wahres

Das Wichtigste ist jetzt: liquide bleiben. Prüfen Sie neben staatlichen Förderungen auch andere Möglichkeiten, den Cashflow möglichst positiv zu halten: Vielleicht sind Kunden bereit, für stornierte Aufträge Gutscheine zu erwerben. Ein offenes Gespräch mit Mitarbeitern könnte dazu führen, dass sie auf einen Teil Ihres Gehalts verzichten. Eventuell sind Investoren und Lieferanten bereit, Ihnen Zahlungen zu stunden. Welchen Mehrwert können Sie Ihren Geschäftspartnern in der Krise bieten? Jetzt sind kreative Ideen gefragt. Es braucht einen vertrauensvollen Austausch, der auch Win-Win-Situationen ermöglichen kann.

Den Energieschub nutzen

In Extremsituationen schütten wir Adrenalin aus und entwickeln eine ungeahnte Energie und Gruppendynamik, um Dinge anzugehen. Also nutzen sie diese Motivation und lassen Sie Ihren Mitarbeitern jetzt die Freiräume, die sie brauchen, um loszulegen. 

Rat suchen

Wie machen es eigentlich die anderen? Wer selbst nicht weiterkommt, kann jetzt auf reichlich Schwarmwissen zurückgreifen. Mitstreiter geben sich gegenseitig Tipps und stellen Linksammlungen zusammen, auch Verbände und Netzwerke sorgen für eine Menge Wissenstransfer. Seien Sie bereit, Rat zu geben und ihn auch nachzufragen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für „echtes relationshipping“.

Gerade Unternehmer tun sich oft nicht leicht damit, sich auf andere zu verlassen. Sie haben sich selbständig gemacht, um die Fäden selbst in der Hand zu halten. Kooperationen mit anderen? Immer gerne, schließlich beinhalten sie Vorteile für beide Seiten. Aber um Hilfe bitten, ohne etwas zurückgeben zu können? Das kann sich anfühlen wie ein Eingeständnis von Schwäche oder wie eine Schuld, die man vorerst nicht begleichen kann. 

Vergessen Sie solche Gedanken. Sie stehen mit Ihren Problemen nicht alleine da: Gründern auf der ganzen Welt geht es gerade nicht anders als Ihnen. Und echte Solidarität – da bin ich das beste Beispiel – bleibt auch über das Ende der Krise hinaus bestehen und zahlt sich langfristig für alle Seiten aus. 

Zum Autor: 

Sebastian Wächter unterstützt als Coach und Speaker Unternehmen dabei, ihre Change-Projekte zu bewältigen. Er verbindet sein Wissen als ehemaliger Aktienanalyst mit den Erfahrungen aus seiner Querschnittslähmung, um die Brücke zum Unternehmenskontext zu schlagen. Ziel ist es, Barrierefreiheit in den Köpfen zu schaffen. Gerade jetzt in der Krise, in der viele Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit umgehen müssen, sind Wächters Erkenntnisse und Erfahrungen ungemein wertvoll. Sein Buch Change Mindset – Veränderungsprozesse ins Rollen bringen! erscheint am 23. April (BoD, 14,95 €). https://barrierefrei-im-kopf.de/ 

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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