Die Kompetenzen der Gründer sollten sich in jedem Fall ergänzen

TeleClinic: Arzttermine und Gesundheitsdaten verwalten

Was ist TeleClinic?
TeleClinic ist eine digitale Gesundheitsplattform, über die Patienten rund um die Uhr und sieben Tage die Woche Ärzte aus ganz Deutschland per PC, Telefon oder Smartphone konsultieren können – ohne extra eine Arztpraxis aufsuchen oder Wartezeiten in Kauf nehmen zu müssen. Patienten können somit jederzeit und von überall aus Ärzte schnell erreichen und bekommen sofort einen Arzttermin. Auch Arzttermine und Gesundheitsdaten lassen sich über TeleClinic verwalten und mit Ärzten teilen.

Wie ist die Idee zu TeleClinic entstanden?
Ich komme aus einer Ärztefamilie und bin damit aufgewachsen, dass ich zu jeder Tages- und Nachtzeit und von überall aus einen Arzt erreichen kann. Freunde haben mich oft um diesen Luxus oft beneidet. Immer wieder kam es vor, dass sie meine Eltern um ärztlichen Rat gefragt haben. Da wurde mir bewusst, dass man hier dringend etwas tun muss, damit alle Menschen die Möglichkeit haben, einfach und unkompliziert mit einem Arzt zu sprechen.

Welche Vision steckt hinter TeleClinic?
Unsere Vision ist es, dass jeder Mensch unabhängig von Ort und Zeit und ohne lange Wartezeiten Zugriff auf ärztliche Versorgung hat. Mit der Umsetzung des digitalen Arztbesuches möchten wir nicht nur die Versorgung für Patienten in Deutschland verbessern, sondern auch das Gesundheitswesen entlasten und effizienter gestalten. TeleClinic soll den physischen Arztbesuch nicht ersetzen, sondern sinnvoll ergänzen.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Zum einen sind wir durch bestehende Regulatorien, wie das ausschließliche Fernbehandlungsverbot, in unserem Angebot natürlich eingeschränkt. In Baden-Württemberg haben wir allerdings im Rahmen eines Modellprojektes bereits eine Genehmigung zur Fernbehandlung erhalten und sind damit die ersten in Deutschland, die Fernbehandlungen vermitteln können. Zum anderen war die Zertifizierung als Medizinprodukt ein sehr aufwändiger Prozess, aber auch das haben wir erfolgreich gemeistert. Damit möglichst viele Patienten den digitalen Arztbesuch bzw. die Videosprechstunde in Anspruch nehmen können, sprechen wir mit vielen unterschiedlichen Kostenträgern und schließen mit Ihnen Kooperationsverträge, was natürlich keine leichte Aufgabe ist. Bisher konnten wir sieben Krankenversicherungen – gesetzliche und private – von unserem Angebot überzeugen und kooperieren sogar mit der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. Damit haben wir quasi einen Fuß in der Regelversorgung – das ist bisher keinem anderen Start-up gelungen.

Finanziert sind wir unter anderem durch verschiedene Business Angel und den Wagniskapitalgeber Digital Health Ventures. Doch auch durch die zahlreichen Kooperationen mit gesetzlichen und privaten Versicherungen sowie der Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg haben wir solide Einnahmen und ein enormes Wachstum, sowohl hinsichtlich Nutzer als auch Umsatz.

Wer ist die Zielgruppe von TeleClinic?
Unsere Zielgruppe reicht von bis – letztendlich sprechen wir jeden an, der einen ärztlichen Rat oder Hilfe benötigt. Das können junge Eltern, Rentner oder Berufstätige sein. Natürlich nutzen viele ältere Menschen unseren Service, da sie in der Regel häufiger krank sind. Unter unseren Nutzern sind aber auch viele Berufstätige oder Mütter.

Wie funktioniert TeleClinic?
Zunächst muss man sich bei TeleClinic in der App oder auf unserer Website registrieren. Das ist mit wenigen Clicks erledigt. Wichtig: Man muss seine Krankenversicherung angeben. Dann kann man zwischen ‚Videoanruf’ ‚Telefonat’ oder Chat wählen, um mit einem Arzt zu sprechen. Zunächst wird man mit einer Nurse verbunden, die wie eine Arzthelferin das Anliegen aufnimmt und entweder direkt mit dem richtigen Arzt verbindet oder zeitnah noch am selben Tag einen Rückruf von diesem arrangiert. In der App kann man sich auch die Ärzte angucken und natürlich einen Wunsch äußern. Möchte man Röntgenaufnahmen oder andere Dokumente mit dem Arzt teilen und besprechen, tippt man auf ‚Dokumente’ und kann diese hochladen. Auch Gesundheitswerte oder Behandlungen lassen sich auf der App nachvollziehen.

Welche Vorteile bietet TeleClinic? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?
Die meisten Anbieter in diesem Bereich vermitteln beispielsweise nur Termine für physische Arztbesuche oder beschränken sich auf telefonische Arztgespräche bzw. sind auf bestimmte Krankheiten spezialisiert, wie Erektionsstörungen etc. Die meisten operieren vom Ausland aus, was in punkto Datenschutz Fragen aufwirft oder sind rein auf Selbstzahler ausgelegt, was in Deutschland natürlich nicht wirklich ein Markt ist . TeleClinic hat dagegen einen umfassenden Ansatz: Wir bieten 200 Ärzte aus 30 Fachrichtungen und verschiedene Kommunikationsmöglichkeiten per Telefonie, Chat oder Videoanruf.

Rezepte per App gehören bei uns genauso zum Service wie die Patientenakte. Für ein besseres Gesundheitstracking lassen sich auch Wearables mit unserer App verbinden. Denn in Zukunft wollen Patienten nicht zig unterschiedliche Apps nutzen sondern auf einer Plattform einen rund-um-Service für ihre Gesundheit haben. Und das sind wir. Durch die Kooperationen mit den Kostenträgern können wir unsere Leistungen kostenlos anbieten. Da wir auch mit betrieblichen Krankenkassen kooperieren sind wir außerdem Teil des Betrieblichen Gesundheitsmanagements seitens Arbeitgeber.

Teleclinic, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir sind hier in Deutschland ganz klar ein Vorreiter und telemedizinischer Pionier. Wir sind schon sehr weit gekommen. Insbesondere durch die Modellprojekte in Baden-Württemberg und unsere zahlreichen Kooperationen mit Kostenträgern. Aktuell nutzen 10.000 Patienten unseren medizinischen Service und wir bekommen viel Unterstützung von Kassen und Krankenversicherungen. In Zukunft möchten wir nicht nur unser Ärzte- Netzwerk oder unsere Nutzerschaft weiter ausbauen, sondern bundesweit mit allen gesetzlichen Kostenträgern kooperieren und fester Bestandteil der Regelversorgung sein.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein interdisziplinäres Gründerteam ideale Voraussetzungen schafft. Ich komme aus dem juristischen Bereich, Reinhard ist Professor der Medizin und Patrick bringt das technologische Know-how mit. Die Kompetenzen der Gründer sollten sich in jedem Fall ergänzen. Mut, Durchhaltevermögen und ein tolles und engagiertes Team sind wichtige Wegbegleiter.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Katharina Jünger für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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