So international sind deutsche Tech-Unternehmen – drei CXOs berichten

Als deutsches Start-up oder Tech-Unternehmen ist es verlockend, sich vor allem auf Deutschland zu fokussieren und Kunden in erster Linie in der Bundesrepublik zu suchen. Denn hierzulande haben Unternehmen die größte Volkswirtschaft der EU vor der Haustür, und die Zielgruppen sind greifbarer und vermeintlich leichter zu verstehen und zu analysieren. Wenn aber erst nach ein paar Jahren an die Internationalisierung gedacht wird, stehen junge Unternehmen häufig vor einem Problem. Systeme lassen sich nicht mehr so leicht umstellen, Lösungen wurden nur mit Blick auf den Heimatmarkt gebaut, und die Anpassung an andere Zielgruppen fällt schwer.

Der Schritt ins Ausland wird damit schnell komplizierter als gedacht. Start-ups aus kleineren Volkswirtschaften, die von vornherein international denken, haben es da oft leichter und können schneller wachsen. Beispiele sind Spotify aus Schweden, Skype aus Estland oder Holvi aus Finnland. Die gute Nachricht: Auch deutsche Digital- und Wachstumsunternehmen sind immer häufiger auch international unterwegs, und das sehr erfolgreich. Auf drei gehen wir im folgenden einmal genauer ein: Statista, RIO und Factory Berlin.

Statista wurde 2007 in Hamburg gegründet und ist eine Plattform für Daten und Statistiken.

Das Portal bietet einen umfangreichen Datenbestand in deutscher, englischer, französischer und spanischer Sprache. Er wird nach Kundenbedürfnissen erhoben und täglich erweitert. Statista erlaubt den Zugriff auf rund eine Million Statistiken aus mehr als 18.000 Quellen und über 600 Branchen und bietet jeweils zu einem Drittel selbst erhobene Daten, Daten von Partnern und Daten aus öffentlich zugänglichen Quellen an. Darüber hinaus führt das Unternehmen umfangreiche Marktforschungsstudien durch und veröffentlicht etablierte Rankings und Toplisten in unterschiedlichen Branchen und Ländern. Statista beschäftigt 500 Mitarbeiter, davon 80 in New York und 20 in London. Das Portal macht 60 Prozent seines Umsatzes außerhalb von Deutschland.

Komplexe Abomodelle unterscheiden sich von Markt zu Markt

Statista vertraut bei der Internationalisierung auf Dienste wie die Payment-Plattform Stripe. “Mit Stripe Subscriptions lassen sich mit sehr geringem Aufwand auch komplexe Abomodelle abbilden. Die Verlängerungszyklen unserer Kunden sind international nicht immer gleich lang. Hier überzeugt uns die Einfachheit der Technologie“, kommentiert Bill Bolls, Chief Product Officer von Statista.

Statista setzt auf internationales Wachstum

In Zukunft strebt Statista weiteres Wachstum in den USA, Großbritannien sowie Kontinentaleuropa an. Hier stehen vor allem Frankreich und Spanien im Fokus. Außerdem wird das Geschäft in Asien weiterentwickelt. Bei der Internationalisierung erkannte Statista, dass sich vor allem eine gute User Experience positiv auf den Erfolg in einem Markt auswirkt. Dazu zählt u. a. eine gute Suchfunktion. Vor allem die Check-out-Prozesse unterscheiden sich deutlich pro Land. “Während beispielsweise im DACH-Raum eine Fortschrittanzeige im Kaufprozess sehr gut ankommen mag, tut sie es in den USA nicht unbedingt”, stellte Bill Bolls mit seinem Team fest.

Die Factory Berlin wurde 2011 von Udo Schloemer gegründet. Schloemer kommt ursprünglich aus der Immobilienwirtschaft und vermietete Immobilien, doch investierte er bereits früh auch in Start-ups. Mit der Factory Berlin hatte Schloemer die Idee, ein eigenes Ökosystem aufzubauen. Zunächst wurde in der Factory reines Co-Working angeboten, schnell entwickelte sie sich aber zur Community weiter. Das ist die Factory Berlin auch heute noch: Jedes Mitglied muss etwas zur Community beitragen und kann sich nicht einfach nur einkaufen. Die Community besteht aus Einzelmitgliedern, Start-ups und großen Unternehmen wie Siemens, McKinsey oder Audi. Die Mitglieder kommen aus 70 Nationen und decken alle Altersklassen ab.

Skalierbarer Zahlungsdienstleister erleichterte das Wachstum

Für das starke Wachstum der Factory Berlin suchte das Unternehmen nach einem skalierbaren Zahlungsdienstleister. “Die Prozesse mussten vereinfacht werden, wir wollten die Anzahl der einzelnen Tools reduzieren und nur einen weiteren Zahlungsdienstleister nutzen”, erklärt Peter Jaud, CFO der Factory Berlin. Auch internationales Wachstum sollte möglich sein. “Und für die Internationalisierung ist Stripe der beste Partner.” Andere Gründe für die Wahl waren die Effizienz der Payment-Plattform und vor allem auch die Möglichkeit zu weiterem Wachstum. “Die technische Seite von Stripe hat uns begeistert: Es ist leicht und schnell zu integrieren, gut zu bedienen und ermöglicht uns gute Analysen.”

Stärkeres Wachstum in Europa

Die Factory Berlin plant über Berlin hinauszuwachsen – sowohl in Deutschland als auch in Europa und darüber hinaus. Aber nicht nur durch neue Locations, sondern auch durch Mitgliederwachstum, nicht nur auf Berlin begrenzt, plant sich das Unternehmen zu vergrößern. Außerdem sind weitere Produkte in Planung.

“Es war eine Revolution, im großen Konzern eine digitale Einheit zu gründen”

Die Idee für RIO ist 2015 entstanden. MAN wollte seinen Telematik-Bereich neu aufstellen und dabei neue Technologien einsetzen. Alles sollte auf einer neuen, cloud-basierten Plattform gebündelt werden. So entstand MAN RIO – als Start-up innerhalb des Großunternehmens MAN. “Für uns war das eine Revolution, im großen Konzern eine eigene digitale Einheit zu gründen”, erklärt Franziska Leidenroth, CFO bei MAN RIO. RIO ist eine offene Plattform, die auch für Drittparteien wie z. B. selbstständige App-Entwickler offen ist. So ist RIO nicht nur eine Telematiklösung für MAN, sondern ein Marktplatz für viele Anbieter und Hersteller. “Das ist der Spagat, den es beim Wachstum zu bewältigen gibt. RIO ist ein kleines Leuchtturm-Projekt für MAN, dessen Marke wir unabhängig von MAN aufbauen”, erklärt Franziska Leidenroth.

Aufgrund der europäischen Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 ist für die Entgegennahme und Verarbeitung von Zahlungen sowie für die Auszahlung an die Entwickler entweder eine e-Geld-Lizenz oder die Zwischenschaltung eines Zahlungsdienstleisters notwendig. Für RIO fiel die Wahl auf Stripe. Für die Zusammenarbeit war RIO von Anfang an wichtig, dass sie technisch auf höchstem Niveau und dabei reibungslos abläuft. “Besonders schätzen wir die Whitelabel-Lösung von Stripe”, sagt Franziska Leidenroth. Auch das Angebot diverser Zahlungsmethoden (wie Kreditkarten, SEPA-Lastschrift, etc.) und die Schnittstelle zu Zuora, einer SaaS-Plattform für Abo-Modelle, mit der RIO zusammenarbeitet, erwies sich als hilfreich für die Zusammenarbeit.

Expansion nach Lateinamerika

MAN RIO ist heute bereits in über 30 Ländern aktiv. Im nächsten Schritt plant das Unternehmen den Launch in Lateinamerika, denn dort ist die Nachfrage nach Lösungen wie RIO sehr hoch. Zudem will sich das Corporate-Start-up noch weiter in Richtung Logistik entwickeln und in Zukunft ganze Logistikketten, nicht nur Transportwege, abbilden und steuern. “Wir wollen für unsere großen Kunden in-house eine Komplettlösung bieten”, erklärt Franziska Leidenroth. RIOs Vision ist es, alle Use Cases der Logistik abzudecken.

Autor: Felix Huber, Head of Central and Eastern Europe, Middle East, and Africa (CEEMEA), Stripe 

Felix Huber leitet die Region Zentral- und Mitteleuropa, Naher Osten und Afrika (CEEMEA) bei Stripe. Zuvor war er als Engagement Manager bei McKinsey & Company tätig, wo er zahlreiche Projekte in den Bereichen Telekommunikation und Hightech betreute. Auch bei Google und als CTO bei fotocommunity war er tätig. Huber absolvierte ein Studium in Management Science & Engineering an der Stanford University, USA.

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