Diversität im Unternehmen ist immer eine Stärke

Stellen Sie sich und das Startup Taxando doch kurz unseren Lesern vor!

Maciej Wawrzyniak und ich haben 2017 das FinTech Taxando zusammen gegründet. Taxando ist eine Steuer-App, mit der Nutzer vollständig digital in rund 15 Minuten ihre Steuererklärung per App erstellen und an das Finanzamt übermitteln lassen können.  Zudem ist die App auf Deutsch, Polnisch, Englisch und Russisch verfügbar, eine türkische Version ist ebenfalls geplant. Wer zusätzliche Beratung benötigt, dem steht ein Steuerberater zur Seite. Er überprüft die Steuererklärung, schlägt zusätzliche Steuerabzüge vor und vertritt den Kunden komplett gegenüber dem Finanzamt. Eine Besonderheit ist, dass für Expats bzw. deren noch im Ausland lebende Partner*innen auch Angaben von ausländischem Einkommen möglich sind.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?

Der Ausgangspunkt war natürlich die Erkenntnis, wie schwierig und vor allem aufwendig es für viele Menschen ist, ihre Steuererklärung zu erledigen. Wir sahen allerdings zusätzlich eine Marktlücke in den besonderen Bedürfnissen, von beispielsweise Expats, die bisher so nicht wahrgenommen wurden. Also haben wir die Initiative in die Hand genommen, um den Prozess der Steuererklärung für alle einfacher und schneller zu machen. 

Welche Vision steckt hinter Taxando?

Unser Ziel ist es, Steuererklärungen für alle, inklusive in Deutschland lebende Ausländer sowie Expats, einfach und schnell zu gestalten. Wenn schon deutsche Muttersprachler an manchen Formulierungen und Angaben scheitern, so gestaltet sich diese Aufgabe für Menschen, die keine Muttersprachler sind, noch schwieriger. Unsere App ist daher auch in drei weiteren Sprachen verfügbar. Dabei haben wir allerdings nicht auf eine automatische, sondern auf eine professionelle Übersetzung gesetzt. 

Von der Idee bis zum Start: Was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?

Vor uns gingen bereits mehrere Anbieter von Steuer-Apps an den Markt und konnten sich dementsprechend etablieren. Wir haben zwar eine Marktlücke erkannt, die nun zu den USPs unseres Startups zählt, dennoch ist es ein langer Weg vom Erkennen des eigenen Mehrwerts bis hin zur zufriedenstellenden Umsetzung für uns und unsere Kunden.

Bisher haben wir uns über Eigenkapital und durch Einnahmen aus dem B2B-Geschäft, digitale Lösungen für Steuerkanzleien für Expats in Polen, finanziert. Ende 2018 und 2019 hat die EURO-TAX.pl AG Anteile an Taxando gekauft. Die EURO-TAX.pl AG in Polen und in anderen Ländern Europas ist eine der führenden Steuerkanzleien für im Ausland Beschäftigte. Damit haben wir einen professionellen Partner gewonnen sowie sein wertvolles Wissen.

Wer ist die Zielgruppe von Taxando?

Alle Arbeitnehmer*innen in Deutschland, die steuerpflichtig sind und ihre Steuererklärung abgeben müssen bzw. wollen, sind Zielgruppe für Taxando. Da die App auch ausländische Einnahmen berechnen kann, richten wir uns auch an ebenso englisch-, polnisch- und russisch-sprachige Expats Natürlich wollen wir auch Selbständigen, wie bspw. Freelancern sowie kleinen Gewerbetreibenden, unsere Lösung anbieten und arbeiten derzeit daran, dies zu ermöglichen – sowohl im Self-Service als auch mit Unterstützung eines Steuerberaters.

Wie funktioniert Taxando? Wo liegen die Vorteile? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Taxando Steuererklärung App Steuer

Die App erstellt automatisch mittels eines Fotos der Lohnsteuerbescheinigung die Steuererklärung und führt den Nutzer durch weitere Fragen und Formalitäten. Innerhalb von 15 Minuten ist der Prozess der Steuererklärung zu 100 Prozent digital abgeschlossen. Direkt im Anschluss berechnet Taxandos Steuerrechner die zu erwartende Steuerrückzahlung. Mit unserem Premiumpaket übermitteln wir die Steuererklärung online ans Finanzamt für eine einmalige Gebühr. Mit der kostenlosen Basisversion erstellen Nutzer die Erklärung auch vollständig online, schicken diese aber selbst per Post an das Finanzamt und haben keine Möglichkeit, Werbungskosten geltend zu machen. 

Ein weiterer, besonderer Aspekt – neben der Erklärung von ausländischem Einkommen sowie der Sprachenvielfalt – unserer App ist die Möglichkeit, einen Steuerberater hinzuzuziehen. In dem Paket STEUER++ ist eine persönliche Beratung zu komplexen Sachverhalten enthalten. Darauf sind wir besonders stolz.

Taxando – wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Der Markt und somit auch das Potential für Taxando ist mit circa 45 Millionen Steuerzahlern sehr groß. Wir möchten uns langfristig auf diesem Markt als der Experte für einfache, schnelle und digitale Steuererklärungen in Deutschland beweisen. Zudem arbeiten wir fortlaufend an sprachlichen Erweiterungen unserer App, um diese möglichst vielen Menschen, die Deutsch nicht als Muttersprache beherrschen, zugänglich zu machen. Zudem möchten wir zukünftig den Dienst von Steuerberatern mehr einbinden bzw. noch weiter ausbauen, so dass unsere Kunden zumindest ihre steuerlichen Sorgen komplett dem Berater überlassen können. Durch den automatisierten Prozess der Online-Beratung können wir unseren Klienten einen vergleichsweise niedrigen Preis für diese professionelle Hilfe anbieten.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?

Diversität im Unternehmen ist immer eine Stärke. Dadurch findet ein steter Perspektivenwechsel statt und ihr könnt über eure eigene Brille hinaus blicken. Davon wird letztendlich auch euer Produkt profitieren. Fördert also von Anfang an die Diversität in euren Startups.

Zudem solltet ihr euch stets fragen, ob ihr die Bedürfnisse der Kunden im Blick habt. Schließlich ist das Ziel, das Leben eurer Nutzer, auf welche Weise auch immer, einfacher zu machen. Daher würde ich die Extrameile gehen und mir kontinuierlich Feedback holen.

Nicht zuletzt müssen sowohl Gründer*innen als auch gestandene Unternehmer*innen den Markt im Blick behalten und schauen, welche Wege die Konkurrenz einschlägt. Man kann viel von den Wettbewerbern lernen. Das heißt aber nicht, dass diese nachgeahmt werden sollten. Startups sollten vielmehr innovative Wege gehen, um sich durch Besonderheiten von der Masse abzusetzen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Maciej Tadeusz Szewczyk für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Schreibe einen Kommentar