Es schadet nicht, Leute zu kennen und sich gegenseitig zu unterstützen

tarife.at Vergleichsportal für Mobilfunk- und Telekommunikation

Stellen Sie sich und tarife.at doch kurz unseren Lesern vor!
tarife.at ist Österreichs größtes Vergleichsportal für Mobilfunk- und Telekommunikation – wir helfen monatlich rund 300.000 Besuchern, den besten Tarif für sie zu finden. Das ist für österreichische Verhältnisse schon recht groß, wenngleich deutsche Vergleichsportale natürlich in einer ganz anderen Liga spielen. Ich bin Gründer und geschäftsführender Gesellschafter der tarife.at MS VERGLEICHSPORTAL GmbH, 25 Jahre alt / jung und schließe in absehbarer Zeit mein Wirtschaftsinformatik-Studium an der TU Wien ab. Meine unternehmerischen Ursprünge liegen im Online-Marketing, genauer gesagt in den Performance-Kanälen Search sowie Affiliate, in denen ich mich seit 9 Jahren bewege.

Wir haben uns explizit auf den Telekommunikationsbereich spezialisiert und versuchen nicht, eine One-for-all Lösung zu sein; sondern punkten mit über 7 Jahre Erfahrung im Markt und einem Rundumservice, der von der Kündigung, über die Tarifauswahl bis zu Beratung bei Vertragsabschluss und After-Sales Betreuung reicht. Zusätzlich verfügen wir mit unserer einzigartigen SpeedMap über umfassendes Wissen über die österreichischen Mobilfunknetze und können anhand von über einer Million Messungen abschätzen, welcher Internet- oder Mobilfunkanbieter am Standort unseres Besuchers eine gute Wahl wäre. Selbstverständlich sind sämtliche Services für unsere Besucher komplett kostenfrei.

Wie ist die Idee zu tarife.at entstanden?
Bevor wir mit 2012 tarife.at – oder genauer gesagt dessen Vorgängerseite (2010) – gestartet sind, gab es für Konsumenten in Österreich kaum eine bequeme Methode, Handytarife einfach und vor allem korrekt zu vergleichen. Ich erinnere mich noch, dass es eine Webseite gab, bei der man eine Excel Vorlage herunterladen konnte, darin seinen monatlichen Verbrauch angab und die Datei anschließend wieder hochladen musste. Daraufhin hat eine Person die Berechnung tatsächlich selbst durchgeführt und nach einiger Zeit wieder retourniert. Dieser Dienst war allerdings kostenpflichtig und technisch schlichtweg nicht in der Lage, die mittlerweile hoch komplexen Tarifstrukturen korrekt zu berechnen.

Da habe ich mir gedacht – das muss besser gehen. Als Wirtschaftsinformatikstudent mit jahrelanger Erfahrung in der Webentwicklung traute ich mir zu, ein entsprechendes Vergleichsportal selbständig auf die Beine zu stellen und zumindest so wirtschaften zu können, dass es eine reelle Chance hat – zumal durch die Eigenentwicklung die finanziellen Risiken und notwendigen Mittel überschaubar waren. Nach wenigen Wochen war der Vorgänger von tarife.at online – damals noch unter einem anderen, nicht so prägnanten Namen. Im Frühjahr 2012 habe ich dann die Möglichkeit gehabt, die Domain tarife.at zu kaufen und mir gedacht: Wenn du das machst und das über die Jahre Ersparte darin investierst, dann mach es richtig. Es ging um (für einen 20-jährigen) relativ viel Geld, entsprechend schwierig war die Entscheidung. Im Juli 2017 werden wir 5-jähriges Jubiläum feiern und ich bin jeden Tag aufs Neue froh, das Risiko damals gewagt zu haben.

Warum haben Sie sich entschieden ein Unternehmen zu gründen?
Dass ich prinzipiell einmal Unternehmer (bzw. selbständig) sein möchte, war mir eigentlich schon mein ganzes Leben lang bewusst – vielleicht nicht für immer, aber zumindest so lange, um sich selbst verwirklichen zu können und um das auszuprobieren, worauf man Lust hat und woran man glaubt.
In den Sommerferien 2008 – ich war 16 und ging damals noch zur Schule – kam ich erstmals mit dem Bereich Online Marketing in Berührung. Ich betrieb damals eine Fanseite zu einem der beliebtesten Computerspiele aller Zeiten und konnte täglich mehrere Zigtausend Zugriffe verzeichnen. Natürlich leckt man irgendwann Blut und möchte mehr Besucher erreichen – und irgendwann möchte man damit vielleicht sogar mein Taschengeld aufbessern.

Die Fanseite habe ich dann mit der Zeit aufgegeben, nachdem der Aufwand für mich alleine deutlich zu hoch war und ich es – neben der Schule – nicht „groß machen“ konnte. Der Marketing Branche bin ich allerdings treu geblieben und war in unterschiedlichen Märkten (thematisch wie geographisch) unterwegs. Schlussendlich bin ich 2010 im österreichischen Telekommunikationsmarkt gelandet, in dem ich sozusagen meine Heimat gefunden habe. Einzig, dass ich mich direkt nach meinem 18. Geburtstag – weniger als 1 Monat vor der Matura (dem Abitur) – selbständig gemacht habe, war meinen Eltern ein kleiner Dorn im Auge, aufgehalten haben sie mich aber nicht.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Wir sind ein zur Gänze eigenfinanziertes Unternehmen, das in keiner Phase seines Bestehens auf Fremdkapital angewiesen war. Wir sind organisch gewachsen, Gewinne wurden zeitnah reinvestiert und hatten als reines online Startup geringe Startkosten. Entwicklung, Marketing, Sales, etc. habe ich in den ersten Jahren zur Gänze alleine gemacht, wodurch die Personalkosten niedrig gehalten werden konnten. Wir hatten zudem das Glück, von Anfang an einen positiven & stetig wachsenden Cashflow vorweisen zu können, wodurch die Finanzierung auch in den Folgejahren durchgehend gesichert war.

Die größte Herausforderung auf finanzieller Ebene waren die in der Branche üblichen Zahlungsziele. Bis ein DSL-Anschluss verlegt oder ein Mobilfunkvertrag bestätigt ist, können Wochen vergehen. Vermittlungsprovisionen werden teils erst ausgezahlt, wenn ein Kunde die ersten 1-2 Rechnungen auch tatsächlich überwiesen hat, wodurch zwischen der durch uns erbrachten Leistung (Benutzer schließt über tarife.at einen Vertrag ab) und der Auszahlung dieser Transaktion bis zu 6 Monate vergehen können. Sobald diese „Pipeline“ gefüllt ist und man monatlich neue Auszahlungen erhält, entschärft sich dieses Problem, in den ersten Monaten hat es aber hier und da zu Liquiditätsengpässen geführt, die aber immer gelöst werden konnten.

Wer ist die Zielgruppe von tarife.at?
Vereinfacht gesagt: Jeder, der einen Handytarif, Internetzugang, Fernsehen oder auch ein Smartphone benötigt, und dabei Wert auf das beste Preis-Leistungs-Verhältnis legt. Logischerweise sprechen wir insbesondere preissensitive Zielgruppen an, wenngleich wir als Vergleichsportal nicht nur auf den Preis fokussiert sind. Auch die Servicekomponenten und Leistungen der einzelnen Anbieter bzw. Tarife werden bei uns verglichen, wodurch auch Technikliebhaber, die für die entsprechende Leistung gerne ein paar Euro mehr zahlen, bei uns fündig werden. Natürlich spiegelt unsere Nutzergruppe die tatsächliche Gesellschaft nicht 1:1 wieder, sondern bewegt sich eher im jüngeren, online-affinen Umfeld. Etwa 2/3el unserer Nutzer sind männlich, 50% sind unter 35 Jahre alt. Hier ist durchaus noch Aufklärungsarbeit durch uns gefragt – viele Konsumenten denken schlicht nicht an die Möglichkeit, Handytarife online zu vergleichen, und das wollen wir natürlich ändern. Mit aktuell 300.000 Besuchern im Monat erreichen wir aber doch eine recht breite Bevölkerungsschicht.

Wie funktioniert tarife.at? Wie viele Tarife können verglichen werden?
Wir fokussieren uns ausschließlich auf die Bereiche Mobilfunk bzw. Telekommunikation und haben den Anspruch, dort den bestmöglichen Service und die größte Expertise zu bieten. Aktuell befinden wir uns rein im Privatkundensegment und decken die Produkte Handytarife, Internet für Zuhause, mobiles Internet, Fernsehen sowie Kombi-Pakete, die aus mehrere Produkte bündeln, ab.
Die Datengrundlage bilden aktuell etwa 400 Tarife, die mit etwa 200 Zusatzpaketen ergänzt werden können. Unsere intern entwickelten Algorithmen nutzen mathematische Modelle, die auf Graphentheorie basieren, um diese Tarife und Zusatzpakete so geschickt wie möglich zu kombinieren, weshalb wir pro Vergleich mehrere Zigtausend Berechnungen durchführen, die aus theoretisch mehreren Hunderttausend möglichen Kombinationen errechnet werden.

Welche Vorteile bietet tarife.at?
Die wenigsten Konsumenten beschäftigen sich gerne mit ihren Tarifen – sie sind kompliziert, haben gemeine Klauseln, es gibt zu viele unterschiedliche Anbieter und eigentlich möchte man nur ein schönes Smartphone und seine Ruhe haben. Die Beratung in Mobilfunkshops beschränkt sich in der Regel auf einen Einzigen bis wenige Anbieter, ein vollständiger Marktvergleich ist für den Konsumenten alleine also kaum möglich oder wirtschaftlich, wenn er erst stundenlang die Tarife von 32 Anbietern aggregieren und vergleichen muss.

Bei uns reicht es, wenn der Nutzer uns seinen monatlichen Bedarf nennt und hat in weniger als 2 Sekunden sein Ergebnis – und durch unsere intelligente Kombination von Tarifen und Zusatzpaketen kommen wir in der Regel auf deutlich günstigere Kosten, als wenn man den Berater seines Vertrauens fragt. Wenn mich jemand fragt, welcher Handytarif für ihn die günstigste Wahl ist und mir seinen Bedarf nennt, nutze ich immer unseren Tarifvergleich – es ist für ein menschliches Gehirn schlichtweg nicht möglich, die Menge an Tarifkombinationen zu verarbeiten, die unsere Algorithmen in wenigen Augenblicken berechnen.

Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren von tarife.at ist sicher unsere Authentizität. Gerade im Marketing und Sales-Bereich wird einem oft der Himmel auf Erden versprochen und nach Vertragsabschluss kommt die Ernüchterung. Mir ist es wichtig, mit unseren Partnern – also insbesondere Telekommunikationsanbieter – ein enges Vertrauensverhältnis zu fragen. Wenn ein Anbieter fragt, was eine bestimmte Werbeleistung von uns kostet, wir aber nicht davon überzeugt sind, dass diese Werbung für den Anbieter gerade passend ist, sagen wir das auch ganz offen – entweder, indem wir sagen „ganz ehrlich, das bringt dir nichts“, oder indem wir es einfach mal kostenlos anbieten und es testen.

Diesbezüglich sind wir sicher ein etwas frischer, vielleicht auch naiver Gegenpol zu den üblichen Sales-Mitarbeitern, mit denen sich die Mitarbeiter der Konzerne sonst so herumschlagen müssen. Also – authentisch sein, das schafft Sympathie und spart Nerven, weil man sich nicht permanent verstellen muss.

Zweitens – viel unterwegs sein. Natürlich bleibt Arbeit liegen, wenn man nicht im Büro vor dem Computer werkelt, aber Kontakte sind mindestens genauso wichtig – und diese möglichst breit gefächert. Ob auf Konferenzen, auf Stammtischen, in Co-Working Spaces o.Ä. – es schadet nicht, Leute zu kennen und sich gegenseitig zu unterstützen. Entweder, weil man vielleicht etwas von ihnen lernen kann, weil sie einen Kontakt zu einer „Zielperson“ herstellen können, weil sie dich vielleicht einmal empfehlen oder einfach nur, weil es Spaß macht.

Und als dritter Punkt – weniger ein Tipp, aber mir in der heutigen „ich-will-Unternehmer-werden“-Zeit ein Anliegen: Gründet nicht um gegründet zu haben. Unternehmen müssen in der Regel entweder bestehende Probleme lösen, oder neue Möglichkeiten aufzeigen, an die bisher niemand gedacht hat. Am Ende der Kette muss es aber jemanden geben, der bereit ist, für eure Leistung zu zahlen, und man sollte sich die eigene Geschäftsidee nicht gut reden müssen. Das heißt natürlich nicht, dass man beim kleinsten Widerstand oder Zweifel Dritter aufgeben soll, aber gute Ideen für Unternehmen entstehen kaum, wenn man sich mit Block und Stift hinsetzt und überlegt, was man denn als nächstes Gründen könnte.

Fotocopyright: Foto Wilke

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Wir bedanken uns bei Maximilian Schirmer für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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