Start-up Sustonable präsentiert Verbundstein aus recycelten PET-Flaschen

Die drei Gründer von Sustonable, Laurens Van Graafeiland, Aad van Helden und Erik Schoneveld haben einen Weg gefunden, zwei wesentliche Umweltprobleme der Baumaterial-Industrie zu lösen: zum einen geben sie gebrauchten PET-Flaschen einen neuen Sinn, indem sie diese als natürliches Bindemittel für ihr Steinmaterial einsetzen. Des Weiteren helfen sie dabei, die enormen Mengen an Verschnitt in der Industrie zu reduzieren, da Sustonable mit weniger Prozessabfall produzieren kann. Dies ist der Eigenschaft zu verdanken, dass Sustonable im Vergleich zu konventionellem Verbundstein zu dünneren Platten verarbeitet werden kann. Jetzt hat es das niederländische Start-up in das Finale des Green Alley Awards 2017 geschafft, einen europäischen Gründerwettbewerb für Entrepreneure der Circular Economy.

Wir haben den beiden Köpfen hinter Sustonable, Erik und Lorens, einige Fragen zu ihrer innovativen Technologie und den Hintergründen der Idee gestellt

Wie entstand die Idee einer neuen Technologie für die Produktion von Verbundstein?
Die Idee, einen Verbundstein mit recycelten PET-Flaschen als Bindemittel herzustellen entstand bereits vor 15 Jahren, als mein Kollege Aad von Helden und ich (Erik Schoneveld) gemeinsam in der F&E-Abteilung bei Mineralöl- und Gaskonzern in Amsterdam gearbeitet haben. Insgesamt war ich dort drei Jahre lang tätig. In dieser Zeit begann ich mit der technischen Entwicklung des späteren Sustonable. Aad hat dies nach meinem Weggang dann für mehrere Jahre weitergeführt. Ich habe das Unternehmen damals verlassen, um für einen kommerziellen Verbundstein-Produzenten in Spanien zu arbeiten. Dort habe ich weiterhin an unserem Projekt Sustonable getüftelt. Aufgrund von anderen Prioritäten meines spanischen Arbeitgebers habe ich es dann aber wieder fallen lassen müssen. Schließlich habe ich mich aber doch dazu entschlossen, das Projekt selbst weiterzuführen. Und so habe ich das spanische Unternehmen verlassen und Aad und Laurens gefragt, ob sie sich dem gemeinsamen Projekt in Form eines neuen Unternehmens anschließen wollen. Vor drei Jahren haben wir dann Sustonable gegründet.

Laurens, warum hast du dich nach jahrelanger Erfahrung als Consultant und Gründer einer Strategie- und Market-Intelligence-Beratung für einen Neuanfang mit Sustonable entschieden?
Erik und ich kennen uns schon seit über 25 Jahren. Wir sind während des Studiums drei Jahre lang Ruderrennen gefahren und haben bei der täglichen Arbeit sehr gut zusammen funktioniert – mit den üblichen Höhen und Tiefen. Als er dann mit der Idee auf mich zugekommen ist, Sustonable zu gründen, hielt ich es für eine tolle Gelegenheit, mit ihm und Aad zusammen zu arbeiten. Mich reizen Herausforderungen.

Ich habe ganze 17 Jahre im professionellen Dienstleistungsbereich gearbeitet und dort hat man nicht wirklich mit Dingen zu tun, die man anfassen kann. Es geht hauptsächlich um Zahlen, Berichte und Präsentationen. Was wir jetzt machen, ist etwas, das sich tatsächlich greifen und fühlen lässt. Es ist ein richtiges Produkt! Und es gibt nicht viele Start-ups, die eine eigene Produktionsanlage konstruieren wollen. Das ist die Herausforderung.

Wie kommt es, dass eure Herstellungskosten viel niedriger sind als die bei eurer Konkurrenz?
Zuallererst benutzen wir billigeres Bindemittel. Unsere Konkurrenten nutzen ein natives Harz, das aus Öl hergestellt wird. Wir hingegen setzen auf recycelte PET-Flaschen. Außerdem können wir durch unseren effizienteren, kontinuierlichen Produktionsprozess das Sustonable-Material in viel dünneren Platten herstellen – es entsteht also viel weniger Prozessabfall.

Sustonable kann unter anderem als Küchenarbeitsplatte eingesetzt werden. Wie garantiert ihr in diesem Fall, dass die hygienischen Standards erfüllt werden? In dem Material befindet sich immerhin recyceltes PET.
Zwar waren die PET-Flaschen bereits in Verwendung, diese werden im Anschluss dann aber geschrotet, sortiert und von unserem Lieferunternehmen gewaschen. Dieses recycelte PET-Material erfüllt daher einen sehr hohen Qualitätsstandard und entspricht nahezu fabrikneuem PET. Abgesehen davon wird es im Laufe unseres Verarbeitungsprozesses auf fast 300 Grad Celsius erhitzt. Hierdurch stellen wir sicher, dass jegliche organische Kontamination neutralisiert wird. Wir nutzen während unseres Produktionsprozesses keinerlei chemische Reaktionen, demnach sind wir auch auf nicht auf den Einsatz chemischer Katalysatoren oder Lösungsmittel angewiesen.

Müssen wir aufgrund der PET-Flaschen Angst vor einem Eigengeruch haben?
Unser Material weist aufgrund der oben erklärten Produktionsschritte keinerlei Geruch auf. Da keine chemischen Reaktionen notwendig sind, können wir kontaminierende Rückstände von Lösungsmitteln oder Ähnlichem ausschließen, was ein Großteil unserer Wettbewerber gar nicht garantieren kann. Sie sind im Gegensatz zu uns nämlich auf die Verwendung chemischer Lösungsmittel im Prozess angewiesen.

Was sind die entscheidenden Vorteile von Sustonable gegenüber vergleichbarem Material wie Granit, Keramik oder Verbundstein?
Ein großer Vorteil von Sustonable liegt zum einen darin, sehr viel dünner und leichter zu sein als beispielsweise Granit oder konventioneller Verbundstein. Solche Materialien werden als Küchenarbeitsfläche normalerweise in einer Dicke von 2 bis 3 Zentimeter zugeschnitten, woraus sich für eine Standard Küchenplatte von 63 x 220 Zentimetern ein Gewicht von über 70 Kilogramm ergibt. Eine Platte mit derselben Länge und Breite aus 6 Millimeter dünnem Sustonable wiegt hingegen nur 20-25 Kilogramm – das macht die Montage um einiges einfacher und günstiger.

Unser Material ist zudem widerstandsfähiger als das konventionelle. Keramikmaterial zum Beispiel ist in 6 Millimetern Dicke verfügbar, allerdings ist es dann sehr bruchanfällig und durch die geringe Schlagfestigkeit schwierig zu transportieren. Sobald das Material als Küchenarbeitsfläche montiert ist, zeigt sich schnell: es kann Schlägen, beispielsweise durch fallende Objekte, nicht standhalten. Das bedeutet wiederrum, dass es durch einen Stahlrahmen unter dem Keramikmaterial verstärkt werden muss. Die Kosten für die Installation werden dadurch enorm in die Höhe getrieben.

Betrachten wir hingegen Sustonable: unser Material verfügt über eine extrem hohe Schlagbeständigkeit. Das ermöglicht uns, es einfacher zu transportieren und in Form von 6 Millimeter dünnen Platten als Küchentheke oder Wandverkleidung zu installieren. Zudem haben wir einen hocheffizienten Herstellungsprozess entwickelt, wodurch wir unter anderem zu niedrigen Kosten produzieren können. Darüber hinaus ist unser Material zu 100 Prozent recycelbar.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Erik und Lorens für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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