Montag, Dezember 5, 2022

Wie der Südwesten Deutschlands als Tech- und Start-up-Hub punktet

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Sabine Elsässer
Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Wer an die deutsche Start-up- und Venture-Capital-Szene denkt, hat wohl erst einmal Metropolen wie München, Hamburg und vor allem Berlin im Kopf. Nicht ganz zu Unrecht: Einer Auswertung der Analysefirma Startupdetector zufolge entstanden im Jahr 2021 22 Prozent aller neu gegründeten Start-ups in der Bundeshauptstadt. Auch die Finanzierungssummen sind im Bundesvergleich in Berlin überdurchschnittlich hoch. Neben politischen Maßnahmen zur Förderung von Start-ups dürfte eine weitere Erklärung in der hohen Zahl der Mehrfachgründungen liegen – Gründende bringen im Durchschnitt mehr Erfahrung sowie ein etabliertes Netzwerk mit und kommen folglich schneller an mehr Geld.

Abseits der Metropolen gibt es viel Bewegung

Trotz der hohen Konzentration in den “Hochburgen” besteht auch im restlichen Deutschland eine sehr lebendige und äußerst spannende Start-up-Szene. Meist in Verbindung mit Technischen Universitäten gibt es in der “Provinz” eine Vielzahl an Standorten, die im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung viele Neugründungen hervorbringen, darunter bekannte und erfolgreiche Start-ups wie sevDesk, Volocopter, Anydesk oder die Karlsruher Plattform für Luxusuhren Chrono24. 

Besonders einmalig ist das Cluster im Südwesten Deutschlands, an dem wir als bewusst in Karlsruhe ansässiger Kapitalgeber Anteil nehmen. Hier treffen mehrere günstige Voraussetzungen aufeinander: Mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gibt es eine Technische Universität, die eine erstklassige Ausbildung in Studiengängen wie Informatik oder den Ingenieurwissenschaften ermöglicht. Die Nähe zu weiteren hervorragenden (Technischen) Universitäten wie Darmstadt, Freiburg, Heidelberg, Kaiserslautern, Mannheim, Saarbrücken, Stuttgart und Tübingen ermöglicht weitere Synergieeffekte und sorgt für eine einmalige Konzentration hochqualifizierter Talente.

Aus diesem Grund sind viele der heute erfolgreiche Start-ups Ausgründungen dieser Universitäten, darunter beispielsweise das Karlsruher Virtual-Reality-Unternehmen Enscape. Entstanden 2017 aus einem Forschungsprojekt am KIT, arbeiteten dort Ende 2019 bereits 60 Mitarbeitende. Inzwischen ist es als Headquarter Teil der Chaos Group, einem weltweit führenden Anbieter von 3D-Visualisierungslösungen mit 800 Angestellten.

Weniger Venture-ready, mehr Fokus auf Deep Tech

Dabei unterscheiden sich die Start-ups im Südwesten in einigen Punkten von denen der Metropolen: Die Geschäftsmodelle sind insgesamt stärker auf B2B ausgelegt, industriegetriebener und ihr Fokus liegt häufiger auf Deep Tech. Gerade auf der Technologieebene sind die Start-ups sehr visionär. Gleichzeitig stellen wir fest, dass sie insgesamt weniger bereit für eine Finanzierung durch Venture-Capital-Investor:innen sind. Das heißt, den Gründenden fehlt es teilweise an Know-how, ihr technisches Wissen in ein Start-up zu überführen. Dies zeigt sich beim Erstellen von Pitch Decks oder Geschäfts- und Finanzierungsplänen. Hier zeichnet sich allerdings eine Professionalisierung ab. In Baden-Württemberg kommen außerdem inzwischen Netzwerkeffekte zum Tragen: Erfolgreiche Gründer:innen geben ihr Wissen durch Angel Investments oder Beratung weiter und es bildet sich eine eigene lokale Start-up-Historie. 

Strukturelle Vorteile zahlen sich aus

Neben hervorragenden Universitäten profitiert das Technologie-Cluster im Südwesten von weiteren strukturellen Standortvorteilen, die sich positiv auf Neugründungen auswirken. So tragen etwa Accelerator-Programme wie das Cyberforum in Karlsruhe, der Gründermotor in Stuttgart oder das städteübergreifende Up2B-Programm dazu bei, die Start-ups auf eine Venture-Capital-Finanzierung vorzubereiten. Das Land Baden-Württemberg bietet darüber hinaus gute Fördermöglichkeiten. Die Wechselwirkung aus diesen Faktoren und den vielen klugen Köpfen führt inzwischen dazu, dass Baden-Württemberg insgesamt mehr Aufmerksamkeit von Venture Capital Investor:innen erfährt. Daraus entstehen die oben erwähnten positiven Netzwerkeffekte, die die Entwicklung weiter beschleunigen.

Lokale Verwurzelung mit internationaler Ausrichtung

Die örtlichen Besonderheiten und Voraussetzungen bleiben aus unserer Sicht weiterhin hochrelevant, trotz den Folgen der Pandemie und dem dadurch noch stärkeren Fokus auf Remote Work. Teilweise kommen sogar Firmen gezielt in die Region, um von den Synergieeffekten zu profitieren, wie z. B. das Unternehmen Paretos, das inzwischen aus Heidelberg operiert. Der Kampf um die besten Talente findet natürlich auch hier statt und je nach Unternehmenskultur stellen auch unsere Portfoliounternehmen teilweise international ein oder arbeiten remote.

Für uns als Kapitalgeber bietet das Technologie-Cluster im Südwesten einen hervorragenden Ankerpunkt, sodass wir schon viele erfolgreiche lokale Investments tätigen konnten. Bei aller örtlichen Verbundenheit ist uns aber natürlich trotzdem der Blick über den Tellerrand wichtig. Ohne Vernetzung mit Start-ups und Investor:innen in ganz Deutschland und weltweit ist unsere Tätigkeit schlecht vorstellbar. Genauso richten sich viele unserer Portfoliounternehmen stark international aus, so haben beispielsweise Flip, Smart Steel Technologies und Enscape Standorte in den USA oder UK und expandieren weltweit. Für uns ist der Südwesten Deutschlands ein einmaliges Cluster mit vielen talentierten Gründer:innen und positiven Synergieeffekten – und gleichzeitig auf seine Weise ein “Tor zur Welt”.

Autor

Nils Seele ist Principal beim strategischen Investor LEA Partners. Seit fünf Jahren baut, investiert und leveraged er Deep-Tech-Firmen. Mit Beiratsmandaten in Firmen wie Aleph Alpha, sevDesk oder Flip unterstützt er Deep-Tech-Unternehmen dabei marktführende Positionen zu erreichen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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