Stolperstein Gründungsfinanzierung – und wie die Digitalisierung hier helfen kann

Was ist das aufwändigste an einer Gründung? Ganz klar, die Finanzierung des Geschäftskonzepts!

Ein Großteil der Gründer und Jungunternehmer scheitert an langwierigen Finanzierungsrunden. Die wissenschaftliche Beirätin des Deutschen Gründerverbands und Mitglied des Aufsichtsrats der Accelerest AG, Dr. Edeltraud Leibrock, erläutert, was Digitalisierung für einen erfolgreichen Gründungsprozess leisten kann.

Worauf achten Banken, wenn sie eine Kreditentscheidung treffen?
Allen voran benötigen Banken nachvollziehbare und plausibilisierte Informationen für ihre Kreditentscheidung, d.h. ein aussagekräftiges Rating, in das die vollständige Gründer-Historie, eine ausführliche Finanzplanung und natürlich ein plausibler Businessplan einfließt. Nur so lassen sich der Erfolg des Geschäftsmodells und damit umgekehrt auch das Kreditrisiko mit hoher Wahrscheinlichkeit richtig einschätzen. Wird beim Rating mit zu pauschalen Annahmen gemessen, die die spezifische Situation des Gründers wie Vorkenntnisse oder persönliche Motivation außer Acht lassen, dann fallen oft wichtige positive Aspekte unter den Tisch – mit der Folge, dass der Kreditantrag abgelehnt wird.

Wie schätzen Sie den Status Quo in puncto Gründungsfinanzierung heute ein?
Die Qualität der bei den Banken eingereichten Business- und Finanzpläne ist sehr heterogen. Viele Jungunternehmer tun sich damit schwer, nicht jeder ist ja im betriebswirtschaftlichen Bereich ausgebildet. Gründungsberater können zwar unterstützend und begleitend zur Seite stehen, aber auch hier gibt es nicht ausreichend Qualitätssicherung. Das führt dazu, dass etwa 80 Prozent der Kreditanträge im Papierkorb landen. Die Gründer erhalten keine Planungssicherheit – zumindest für sie ist das Vorgehen intransparent.

Und während der Kapitalbedarf für Gründer weiter wächst, steigen auch die Hürden für die Banken, z.B. aufgrund regulatorischen Anforderungen. Aufgrund der geringen Standardisierung der eingereichten Informationen sind außerdem der zeitliche Aufwand und damit die Kosten für die Bank vergleichsweise hoch. Diese beiden Faktoren – schwer zu treffende Risikoeinschätzung verbunden mit hohem Aufwand – führen dazu, dass sich viele Banken aus der Gründungs- und Wachstumsfinanzierung zurückziehen, die Schere zwischen Bedarf und Verfügbarkeit an Gründerkrediten geht auseinander.

Was kann die Digitalisierung hier zur Verbesserung leisten?
Was fehlt, ist ein einheitlicher, standardisierter und digitaler Prozess. Das würde allen Beteiligten helfen – den Unternehmern, den Beratern und den Banken. Digitalisierung bedeutet Veränderung von Prozessen. Der Deutsche Gründerverband hat dies mit der digitalen Plattform smartaxxess im Bereich der Gründungsfinanzierung gemeinsam mit der Accelerest AG umgesetzt. smartaxxess bildet den gesamten Gründungsprozess ab – von der Entwicklung des Geschäftsmodells bis hin zum Rating. Das Ergebnis ist eine einheitliche, vollständige Informations- und Kommunikationsbasis für alle Partner: vom Gründer über den Berater bis hin zur Versicherung und zum Kapitalgeber.

Am Ende eines erfolgreich durchlaufenen Prozesses steht somit ein verifizierter, bewerteter Businessplan. Der Gründer erspart sich den Nervenkrieg um die Finanzierung und steckt seine Energie stattdessen in die Verbesserung des Geschäftsmodells. Der automatisierte und standardisierte digitale Prozess funktioniert äußerst effizient und reduziert die Dauer der Gründungsphase daher von der Planung bis zur Finanzierung auf nur wenige Wochen. Kreditgeber versetzt er zudem in die Lage, nachhaltige Kostensenkungspotenziale zu realisieren.

Wie lassen sich die Erfolgschancen von Start-ups und Jungunternehmen auch ohne Kredithistorie solide bewerten?
Die Bewertung der Erfolgschancen von Jungunternehmern ist heute größtenteils subjektiv; verschiedene Bankberater, selbst innerhalb desselben Instituts, schätzen die gleichen Unterlagen unterschiedlich ein. Dazu kommt, dass klassische Ratings als Grundlage historische Daten (z.B. Bilanzen der letzten drei Jahre) brauchen, die die Gründer nun einmal nicht haben können. Daher wird eine qualitative Konzeptbewertung umso wichtiger je weniger konkrete historische Finanzzahlen zur Beurteilung vorliegen und daher stattdessen quantitative Ersatzwerte wie Planwerte herangezogen werden müssen.

Mit der Unterstützung von spezifischen Gründerratings wie dem der smartaxxess Plattform lässt sich die Wahrscheinlichkeit von Fehlbeurteilungen und Fehlinvestitionen für Kreditgeber und Investoren deutlich senken. Strukturierte Fragen und Checklisten, integrierte Beratungstools und eine flexible Fünfjahresplanung ermöglichen Gründern und Jungunternehmern eine konzeptkreative Entwicklung von Geschäftsmodellen mit hoher Marktakzeptanz. Über diesen Ansatz bildet das ebenfalls integrierte, sogenannte smartrating ein umfassendes Bild der Erfolgsfaktoren des Geschäftskonzeptes ab, ohne sich ausschließlich auf Finanzzahlen stützen zu müssen.

Welche Faktoren spielen für ein qualitatives Rating eine Rolle?
In den qualitativen Teil dieses digitalen Ratings fließen sowohl personelle, organisationale wie auch externe Faktoren ein. Typische Fragen an dieser Stelle sind: Verfügen die Gründer bereits über entsprechende Erfahrung? Wie sind ihre Risikoneigung und ihre Expertise einzuschätzen? Es werden Fragen zum Produkt bzw. der angebotenen Leistung ebenso wie zur Logistik und Preispolitik gestellt. Außerdem werden Standort, Wettbewerb und bestehender Markt analysiert sowie Unternehmensorganisation, Produktentwicklung, Strategie und Controlling bewertet. Bereits vorliegende quantitative Werte werden natürlich ebenfalls berücksichtigt.

Was sind die Vorteile des digitalen Ratings?
Das Rating erfasst alle verfügbaren relevanten Informationen, bereitet sie auf, bewertet sie und macht sie den Partnern zugänglich. Das ist eine große Erleichterung für die Jungunternehmer. Und die Banken bekommen ein einfach zu nutzendes Tool an die Hand, mit dem sich die Komplexität und Aufwand der Kreditvergabe in diesem Segment massiv reduzieren lassen, und mit dem das Risiko viel besser einschätzbar wird. Insgesamt funktioniert der Gründungsprozess so für alle Beteiligten schneller, besser und komplett digital. Schneller, weil der Gründer ohne lange Suche einen erfahrenen Berater aus dem smartaxxess-Netzwerk aussuchen kann, der ihn nicht nur kurzzeitig berät, sondern ihn auch nach der Gründung weiter begleitet.

Außerdem bestehen strategische Partnerschaften zu Versicherern, Finanzdienstleistern und Leasinggebern. Besser, weil der Gründers seien Idee über ein konzeptkreatives System mit dem Berater gemeinsam entwickelt und durch das eigens für diesen Zweck entwickelte smartrating, das alle qualitativen und quantitativen Erfolgsfaktoren miteinbezieht, bewerten kann. Und schließlich digital, weil sich alle Informations- und Kommunikationsbedürfnisse papierlos und webbasiert bedienen lassen. Für Gründer bietet die Plattform eine Komplettlösung mit hoher Planungssicherheit. Für Banken bedeutet die durchgehende Prozessoptimierung und -automatisierung erhebliche Kostenreduktion und verbesserte Risikoeinschätzung. Kennzahlenbasierte Früherkennungssysteme ermöglichen es zudem, potenzielle Schwierigkeiten rechtzeitig zu erkennen und entsprechend gegenzusteuern.

Welche Rolle wird der Berater künftig beim digitalen Gründungsprozess spielen?
Die Erfolgsaussichten sind nach wie vor erheblich größer, wenn der Gründungsprozess von einem kompetenten Berater begleitet wird. Dabei gilt es, den Gründer nicht nur anfangs einmalig, sondern auch in der Umsetzungs- und Wachstumsphase zu betreuen. Die Beratung lebt auch im digitalen Zeitalter weiterhin von Menschen und deren Expertise, Engagement sowie Beratungsverständnis. Die neuen Technologien verändern allerdings die Art und Weise, wie Beratungsleistung erbracht wird. Das ist weit mehr, als die Kommunikation zu beschleunigen oder das Reisen überflüssig zu machen.

Der komplette Beratungsprozess wird transformiert, denn der Berater kann in seiner täglichen Arbeit mit dem Gründer online in Echtzeit Informationen wie Ergebnisse von Standortanalysen und Persönlichkeitstests, Plausibilisierungs-Tools und branchenspezifische Kennzahlen wertschöpfend integrieren. Durch die Interpretation und Bewertung von Faktoren wie Standort, Innovationsgrad, Marktentwicklung, Zielgruppen, Lieferanten und Wettbewerbssituation fällt dem Berater eine Schlüsselrolle zu. Berater und Gründer fügen die parametrisierten Bausteine zusammen und entwickeln so gemeinsam, interaktiv ein ganzheitliches Geschäftskonzept.

Finanzierung Gründung GründerÜber Edeltraud Leibrock: „Bewegung ist die Ursache allen Lebens.“ Dieser Satz von Leonardo da Vinci habe sie in ihrem gesamten Berufsleben entscheidend geprägt, sagt die promovierte Physikerin Dr. Edeltraud Leibrock. Genau diese Beweglichkeit und der Wille, Veränderungen aktiv zu gestalten, sind es, die für sie den Reiz von jungen Unternehmen ausmachen. Frau Dr. Leibrock ist wissenschaftliche Beirätin des Deutschen Gründerverbands und Mitglied des Aufsichtsrats der Accelerest AG: Sie verfügt über eine umfangreiche und langjährige Management-, Beratungs- und Fachexpertise in der Transformation und Steuerung von IT- und Technologie-getriebenen Organisationen und Prozessen. In diesem Umfeld war sie unter anderem bei der Boston Consulting Group, als CIO und Generalbevollmächtige der Bayern LB sowie als Mitglied des Vorstands der KfW-Bankengruppe tätig. Als Gründerin von Connected Innovations berät Dr. Leibrock etablierte Unternehmen in Innovations- und Digitalisierungsfragen und engagiert sich als Mentorin für Start-ups.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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