Sei ein bisschen größenwahnsinnig

Stocard: Alle Kundenkarten in einer App

Stellen Sie sich und Ihr Startup Unternehmen Stocard doch kurz vor unseren Lesern vor!
Björn: Mit nahezu zehn Millionen Nutzern ist Stocard die führende Mobile Wallet App im Loyalty Bereich und vereint smarte Technologie und maximale Usability. Unser Ziel ist es, mit einem kompletten Mobile Wallet das Einkaufen zu revolutionieren – vom Entdecken der besten Angebote über das Sammeln von Treuepunkten bis hin zum Bezahlen.
Die Stocard App ermöglicht ihren Nutzern, alle Kundenkarten in Sekundenschnelle zur App hinzuzufügen. An der Kasse wird die digitale Kundenkarte in der App abgescannt und man sammelt so seine Treuepunkte. Auch über aktuelle Angebote von den Lieblingshändlern hält die App einen auf dem Laufenden, sodass man wirklich keine Rabatte mehr verpasst.

Wie ist die Idee zu Stocard entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Das Kundenkarten-Chaos im Geldbeutel kannten wir früher nur zu gut. Als David und ich Ende 2010 einen Roadtrip durch Australien machten, entstand erstmals die Idee, eine digitale Lösung für das Kartenproblem zu schaffen. Schon auf dem Rückflug fingen wir an, die Idee zu Papier zu bringen. Zurück in Mannheim holten wir an unserer Heimatuni unseren dritten Mitgründer Florian an Bord – und das Stocard-Gründerteam war komplett. Einige Monate später im Juni 2011 wurde die Stocard App gelauncht.

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Es gibt immer mal wieder kleinere Herausforderungen, die man aber meistern kann, wenn das Team stimmt – das ist für uns der mit Abstand wichtigste Faktor. Beispiele wie WhatsApp zeigen, dass man heute mit einem kleinen Team sehr viel erreichen kann. Umso wichtiger ist es deshalb, die besten Leute an Bord zu haben, die gemeinsam an einem Strang ziehen. Ich denke, das haben wir ziemlich gut hinbekommen.
Zur Finanzierung: Ende 2012 erhielten wir eine Seedfinanzierung im hohen sechsstelligen Bereich, unter anderem vom High-Tech Gründerfonds, Klaas Kersting und CD-Venture. Anfang des Jahres investierten unter anderem Shortcut Ventures, die Beteiligungsgesellschaft Alstin von Carsten Maschmeyer, sowie das Fotounternehmen Cewe vier Millionen Euro in Stocard.
Da die Digitalisierung von Kundenkarten mit Stocard für die Nutzer kostenlos ist, monetarisieren wir inzwischen durch das Angebot an die Händler, Stocard als Kommunikationskanal zu nutzen. Das reine Einstellen von Angeboten in die App ist dabei grundsätzlich kostenlos, Kosten fallen für unsere Handelspartner nur an, wenn der Kunde das eingestellte Angebot tatsächlich nutzt.

Wie hat sich das Unternehmen seit dem Start entwickelt?
Unsere Nutzerzahlen sprechen für sich: Noch nicht einmal 2 Jahre nach der Gründung hatten wir bereits eine Million User gewonnen. Letztes Jahr waren es noch fünf Millionen, und inzwischen stehen wir bei fast zehn Millionen Nutzern – Stocard ist somit das führende Mobile Loyalty Wallet. Anfang Juli haben wir nun ein Büro in Australien eröffnet, wo uns Radinck van Vollenhoven, zuvor bei Apple und Spotify tätig, als Country Manager unterstützt. Bald folgt ein Office in Italien.

Wer ist die Zielgruppe ?
Es gibt zwei typische Arten von Stocard-Nutzern: Die einen haben unzählige Kundenkarten im Portemonnaie und nutzen Stocard, um diesen Ballast loszuwerden. Die anderen haben gar keine Kundenkarten, weil sie es nicht mehr zeitgemäß finden – wollen aber beim Einkauf trotzdem gerne Geld sparen und nutzen deshalb Stocard.
Mit der App wollen wir Kundenbindung in das 21. Jahrhundert holen und endlich eine nutzerfreundliche Plattform anbieten, die es schafft, eine Beziehung zwischen Händler und Kunde aufzubauen.

Wie funktioniert Stocard?
Alle Plastik-Kundenkarten lassen sich bequem zur Stocard App hinzufügen. Mit der Scan-Funktion werden die relevanten Informationen auf der Karte automatisch erkannt und gespeichert. An der Kasse zeigt der Nutzer einfach die digitale Kundenkarte in Stocard vor, die vom Kassenpersonal eingescannt wird. So sammeln Stocard-Nutzer in allen Geschäften ihre Treuepunkte – ganz ohne Plastikkarte. Außerdem zeigt die App aktuelle Angebote und Aktionen der Händler an, von denen Karten gespeichert wurden und die mit Stocard kooperieren. Wird in den Einstellungen der “Kartenassistent” aktiviert, erinnert Stocard in der Nähe von relevanten Geschäfte daran, die jeweilige Karte zu verwenden.

Warum sollte man Stocard nutzen?
Jeder spart doch gerne Geld beim Einkauf, aber niemand schleppt dafür gerne zig Plastikkarten im Portemonnaie mit. Stocard ist der ideale Begleiter für den Mobile Shopper – und ein hocheffektiver Marketingkanal für die Händler.

Wie ist das bisherige Feedback?
Sehr gut – die steigenden Nutzerzahlen geben uns recht.

Wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Unsere Vision ist es, den Geldbeutel vollständig digital zu machen. Bisher haben wir uns deshalb auf Mobile Loyalty konzentriert, also die Digitalisierung und Verwaltung von Kundenkarten per Smartphone. Bald wird aber zusätzlich eine Mobile-Payment-Funktion integriert.
Wir möchten mit Stocard einfach ein ganz neues Einkaufserlebnis schaffen. Die Beziehung zwischen Händler und Kunde muss dabei immer im Fokus stehen.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
1. Am wichtigsten ist das Team: Wenn du es schaffst, talentierte Leute zusammenzubringen, die auch noch ein gemeinsames Ziel vor Augen haben, kannst du viel bewegen. Ein stabiles, loyales Team ist Gold wert.

2. Hab’ den Mut zum zu frühen Launch: Einfach mit einer guten Version des Produktes live zu gehen – ohne, dass es perfekt war – war zu Beginn ein wichtiger Schritt für uns. Ab diesem Zeitpunkt bekommt man wertvolles Nutzerfeedback und weiß, in welche Richtung man weitergehen muss. Vor allem steht man ab dann in der Öffentlichkeit – was ein wertvoller Antrieb ist, die nächste, bessere Version schnellstmöglich zu veröffentlichen, anstatt ewig weiter halbherzig im Verborgenen zu tüfteln.

3. Sei ein bisschen größenwahnsinnig. Du wirst unzählige Male stolpern und wirst dich wieder aufraffen müssen. Das für eine große Mission zu tun, fällt leichter, als für das Backen kleiner Brötchen.

Wir bedanken uns bei Björn Goß für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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