Mitten rein, machen, und nicht aufgeben!

Stitch by Stitch Schneiderwerkstatt die mit geflüchteten Schneiderinnen Kleinserien für Modelabels anfertigt

Stellen Sie sich und das Startup Stitch by Stitch doch kurz unseren Lesern vor!
Stitch by Stitch ist eine B2B Schneiderwerkstatt, die mit professionellen Schneiderinnen, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind, Kleinserien für lokale Modelabels anfertigt. Die Schneiderinnen erhalten eine Ausbildung oder Nachqualifikation und wir kümmern uns um alles rund um das Thema Integration. Gleichzeitig zeigen wir, dass eine Produktion in Deutschland machbar ist.

Die Vision ist es, den Frauen durch das gemeinsame, handwerkliche Arbeiten die Chance zu geben, sich mittels ihrer mitgebrachten Fähigkeiten und Talente zu integrieren. Im August 2016 haben wir die Schneiderwerkstatt eröffnet – mittlerweile sind wir ein Team aus 9 Frauen und 3 Ländern

Wie ist die Idee zu Stitch by Stitch entstanden und wie haben Sie sich als Gründerteam zusammengefunden?
Claudia Frick hatte mit ihrem eigenen Modelabel ‚Coco Lores’ selbst stets den Bedarf nach einer zuverlässigen Produktionsstätte für kleine Stückzahlen. Zusammen mit Nicole von Alvenslebens Expertise im Bereich Social Entrepreneurship entstand so die Idee, eine Schneiderwerkstatt mit geflüchteten Schneiderinnen aufzubauen.

Die exzellenten Schneiderinnen bringen nämlich wertvolle und traditionelle Techniken aus ihrer Heimat mit, die so nicht mehr in Deutschland zu finden sind. Und das universelle Schneider-Handwerk erlaubt es sprachenübergreifend und schnell die Flüchtlinge in den Arbeitsprozess einzubinden. Kennen gelernt haben wir uns vor vielen Jahren über eine gemeinsame Freundin – jetzt sind wir Business-Partnerinnen!

Von der Idee bis zum Start was waren bis jetzt die größten Herausforderungen und wie haben Sie sich finanziert?
Die größten Herausforderungen waren wahrscheinlich, passende Räumlichkeiten zu finden. Uns war und ist es wichtig, mitten in Frankfurt zu sein um eine gewisse visibility zu haben. Wir wollen uns nicht verstecken, uns das ist uns zum Glück auch gelungen! Dann aber auch der bürokratischer Dschungel zwischen Jobcenter, Bundesagentur für Arbeit, Sozialamt und Ausländerbehörde. Finanziert haben wir uns komplett aus eigenen Mitteln. Mit einem Mikrokredit haben wir dann letzten Sommer die Werkstatt eröffnet – und seitdem haben wir kontinuierliche Einkommen durch die Kundenaufträge.

Parallel wurden wir als Leuchtturmprojekt im Rahmen des Ankommer-Programms der KfW und des Social Impact Labs ausgezeichnet, was uns eine Anschubsfinanzierung ermöglichte. Für eine Mitarbeiterin haben wir einen kleinen Eingliederungszuschuss von der Bundeagentur für Arbeit erhalten.

Warum haben Sie sich für eine Crowdfunding Finanzierung entschieden?
Wir wurden von der Hertie-Stiftung für den Deutschen Integrationspreis nominiert, welcher an eine Crowdfunding-Kampagne gekoppelt ist. Aus 250 Projekten wurden 40 Projekte ausgewählt, die vor drei Wochen gleichzeitig ins Crowdfunding gestartet sind. Morgen, am Dienstag 11.04. um 12 Uhr ist Stichtag: Die Projekte mit den meisten Unterstützern erhalten einen Extra-Zuschuss – je mehr einzelne Unterstützer, desto höher der Zuschuss. Unterstützen kann man durch eine Spende ab 5 Euro oder man erwirbt ein Dankeschön aus unserer limitierten Design-Edition: www.startnext.com/stitch-by-stitch. Wenn wir, was geplant ist, unsere eigenen Produkte auf den Markt bringen, können wir uns sehr gut vorstellen, wieder eine Crowdfunding-Kampagne zu starten.

Warum sollte man Stitch by Stitch unterstützen?
Das Thema Flüchtlinge geht uns alle etwas an, genauso wie das Thema lokale (Textil-)Produktion. Mit unserem Social Business bieten wir Menschen eine Perspektive. Denn niemand hat es in der Hand, warum er/sie seine/ihre Heimat verlassen muss. Unsere Idee basiert hierbei auf einem Geschäfts-Modell, welches sich langfristig selber tragen kann. Wir sind deshalb überzeugt, dass es sich in andere Städte übertragen lässt und wir so noch viel mehr Menschen erreichen und ihnen eine Perspektive bieten können. Wir glauben daran, dass Stitch by Stitch viel bewirken kann und einen wichtigen Anstoß gibt!

Was werden Sie nach erfolgreicher Finanzierung umsetzen?
Die erfolgreiche Crowdfunding-Finanzierung ermöglicht es uns, mindestens 2 weitere Ausbildungsplätze zu schaffen und für 1 Jahr zu sichern. Zu den neuen Ausbildungsplätzen gehören nicht nur die intensive Betreuung, um im deutschen Arbeitsmarkt anzukommen, sondern auch neue Nähmaschinen, Lernmaterial, Deutschkurse, Nachhilfe und der gesamte ‚Step by Step Lehrkoffer‘ dazu.

Wer ist die Zielgruppe von Stitch by Stitch?
Unsere Zielgruppe sindnatürlich geflüchtete Frauen, die Schneiderinnen sind oder es werden wollen – und damit alle, die es wichtig finden, dass sich geflüchtete Menschen eine berufliche Existenz aufbauen können. Wir wollen aber auch Modelabels ansprechen, die wachsen wollen und eine Produktion in Deutschland wertschätzen und eine fair produzierte Mode anbieten wollen.

Wie ist das Feedback?
Wir erhalten von allen Seiten unglaublich positives und bestärkendes Feedback! Von Kunden, von Nachbarn – unsere Schneiderwerkstatt liegt mitten in einem Wohngebiet neben einer Fußgängerzone –, von der Presse und von Personen, die sich in der Flüchtlingshilfe integrieren. Und dies spiegelt sich auch in unserer Crowdfunding-Kampagne wieder. Uns haben schon 450 Personen unterstützt, und wir hoffen, dass noch viele weitere Menschen unsere Vision wichtig finden und bismorgen 11.4.17 unterstützen!

Stitch by Stitch, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir wollen wachsen und so noch mehr geflüchteten Menschen eine berufliche Perspektive bieten. Wir glauben fest daran, dass das Modell in andere Städte skalierbar ist. Zudem wollen wir ein eigenes kulturenübergreifendes Produkt entwickeln, in welchem die Design-Kenntnisse unserer Schneiderinnen mit einfließen.

Zum Schluss: Welche3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
• Bewusst machen, dass es immer wieder Hürden und Stolpersteine gibt, dann meistert man diese aber auch.
• In einer Gründer-Partnerschaft muss alles auf den Tisch, ein offener und ehrlicher Austausch ist unabdingbar.
• Mitten rein, machen, und nicht aufgeben!

Link zum Crowdfunding

Weitere Informationen finden Sie hier

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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