Steve Blank – StartUps: Was ist eine Strategie?

Die Idee ist geboren und der nächste Schritt steht an… ein Unternehmen soll gegründet werden. Nach allen Regeln der „Kunst“ wird jeder erst einmal einen ausführlichen Businessplan – möglichst mit Fünfjahres Forecast – haben wollen.

Also setzt man sich hin, tagelang, wochenlang… man plant alles sehr akribisch und lässt keine Eventualitäten aus. Die Firma wird bis zu einem 200 Mann Unternehmen und Millionenumsätzen, Wachstumsraten, Ausgaben jeglicher Art, Investments, Bewertungsphasen und vielem mehr geplant. Alles schaut sehr vielversprechend aus, selbst die Zinsen und Rückzahlungsmodalitäten sind perfekt berücksichtigt. Es kann also losgehen.

Die Monate vergehen, das Produkt wird eifrig entwickelt und der erste Kunde steht vor der Tür.

Auf einmal kommt alles anders als man denkt. Dem Kunden fehlen zum einen Funktionen, und zum anderen gibt es Aspekte – die man selbst als Killerfeatures angesehen hat – die den Kunden überhaupt nicht interessieren. Ebenso sieht er das geplante Pricing als nicht tragfähig an, er möchte erst einmal testen und überhaupt – wie schaut es mit den anderen Kunden aus? Haben die schon ausreichend Feedback gegeben? Fehlanzeige, er ist ja der erste Kunde. Genau ab DIESEM Zeitpunkt wird ganz schnell klar, dass all die harte Arbeit und das „Fundament“ des Unternehmens, der irre teuere und sehr ausführliche Businessplan, auf sehr wackeligen Beinen steht. Es ist sogar so, dass es im Grunde gar keinen Sinn mehr ergibt, sich darauf zu stützen. Alles hat sich mit einem Schlag verschoben.

Das Tragische an dieser „Geschichte“ ist, dass man immer glaubte, dass ein sehr guter und ausführlicher Businessplan die Basis des Erfolgs ist. Und unter den ganz „gewieften“ war es immer von großer Bedeutung – und das betonte man auch immer sehr gerne -, dass man den Businessplan den ständig wechselnden Gegebenheiten anpassen müsse. Das Wunschdenken, dass dieser Plan auch als Blaupause für das Vorgehen dient, wird jäh in die Realität transportiert und Nein… ein einfaches Ausführen nach Schema X, wie im Plan vorgesehen, ist eben KEINE Erfolgsgarantie.

Als wir die Alugha GmbH gründen wollten sprach unser Investor uns darauf an, ob wir ein solches Zahlenwerk denn hätten. Ich gab damals unsere Vision des Produktes (welche sehr ausführlich war) und eine Tabelle dazu. Die Tabelle passte auf ein DIN A5 Blatt. Dort stand, wie viele Leute wir für wie lange brauchen, um die ersten Milestones zu erreichen. Dazu dann noch die Computer dazu, die Räumlichkeiten und hier und da die laufenden Kosten. Am Ende stand da einfach eine Zahl und genau DAS war es (und NUR diese Zahl), die wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Mindestkosten ermitteln konnten. Umsatz? Keine Ahnung, ich kann da mal was schreiben, aber ich kann es status quo heute nicht sagen… So meine damalige Aussage.

In einem StartUp ist es wichtig, sich den Umständen immer anzupassen.

Es gibt eine Grundvision und ein Ziel, welches man verfolgt, aber es ist wichtig, Entscheidungen zu hinterfragen und auch zu reagieren, es ist wichtig, seine Entscheidungen als falsch zu akzeptieren und die Richtung zu ändern. Montags kommt das Geld, Mittwoch ist es fast leer. Donnerstag kommt der erste Kunde und wir schöpfen Hoffnung, doch am Freitag scheinen ein unlösbares Problem und fehlende Features uns in die Pleite zu treiben, bevor wir am Montag im Silicon Valley auf den richtigen Partner stoßen und womöglich als nächstes Unicorn gehandelt werden… Spinnerei? Phantasie? Paranoia? Wunschdenken? Nein, so sieht die Realität aus, und wir sind sehr gut damit beraten, diese auch so in unserem Denken und Handeln einfließen zu lassen.

Aber Vorsicht! Ein Businessplan und die Forecast Planung sind wichtig.

Wie man das als StartUp am effizientesten angehen kann, zeigt Alexander Osterwalder mit dem von ihm entwickelten Business Model Canvas. Canvas ist ein mächtiges Werkzeug für StartUp CEOs und Gründer. In den nächsten Beiträgen behandeln wir Themen wie „Das Sortieren von Gedanken und Hypothesen“ und danach, wie wir diese Hypothesen dann auch draußen in der realen Welt umsetzen. Dazu schauen wir uns noch an, wie man das Canvas immer wieder auf den Stand der Dinge bringt und Fakten schafft, so dass es am Ende zu einer mächtigen Ergebnistabelle wird. Osterwalder hat hierfür mit seinem Handbuch „Business Model Generation“ (die Links zu Deutsch und Englisch) ein perfektes Werkzeug zur Verfügung gestellt.

Link zum Video: https://alugha.com/embed/web-player?v=de699586-5a65-11e8-b90e-a13498af05ab

Zu allen Beiträgen

 

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Bernd Korz

Dieser Artikel wurde von Bernd Korz, CEO der Alugha GmbH, geschrieben. Mit seiner Erfahrung als Unternehmer und Geschäftsmann, teilt er mit uns seine Sicht der Lektionen von Steve Blank. Folge unserer wöchentlichen Artikelreihe über die Lehren von Steve Blank!

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