Wo liegen die Risiken wenn man ein FinTech Unternehmen gründet?

Stephan Paxmann im Interview über die FinTech Branche in Deutschland

Stephan Paxmann ist Gründer und Vorstand der TME AG sowie 1. Vorsitzender des TME Instituts für Vertrieb und Transformationsmanagement. Zuvor war es als Director im International Banking der Allianz SE in München und Paris aktiv und in der strategischen Konzernentwicklung der Commerzbank in Frankfurt tätig. Für die IMG St. Gallen betreute der Wirtschaftsinformatiker zudem diverse Projekte im Retail Banking, zuletzt als Co-Leiter der Business Unit „Banking“. Seine fundierte Expertise im Digital Banking baute Paxmann u.a. als Managing Director für eConsilium in London auf, wo er vier Jahre lang europäische Großbanken zu elektronischen Finanzdienstleistungen beriet.

Wie hat sich aus Ihrer Sicht die FinTech Branche entwickelt?
Stephan Paxmann: Die FinTech-Branche hat einen rasanten Aufstieg hinter sich. Noch vor vier Jahren wurden die Startups von der traditionellen Bankwirtschaft belächelt. Inzwischen sind sie eine ernst zunehmende Konkurrenz im Digital Banking. Nach einer aktuellen Auswertung des TME Instituts für Vertrieb und Transformationsmanagement sind derzeit mehr als 1.000 digitale Geschäftsmodelle auf dem Markt. Noch vor einem Jahr waren es weniger als die Hälfte. Doch der FinTech-Hype biegt allmählich in gemächliches Fahrwasser ab. Die Anbieter werden nicht mehr so stark überbewertet wie noch vor 12 Monaten. Wir gehen davon aus, dass sich der Markt schon ab 2018 deutlich konsolidieren wird. Dann wird nicht mehr als die Hälfte der Geschäftsmodelle noch auf dem Markt sein. Es werden zwar immer wieder neue Ideen und Startups entstehen, aber die Masse an ähnlichen Angeboten merklich schrumpfen.

Wo liegen die Risiken wenn man ein FinTech Unternehmen gründet?
Stephan Paxmann: Meist wird der Kapitalbedarf unterschätzt – nicht nur in der Startup-Phase, sondern auch in der Scale-up-Phase. Um den Marktdurchbruch zu schaffen, sind die meisten Unternehmensgründer letztlich auf einen oder mehrere Investoren oder einen starken Kooperationspartner angewiesen – spätestens dann wenn es darum geht, im großen Stil zu expandieren. In den Robo Advisor Scalable Capital wurden zuletzt sieben Millionen Euro investiert, damit das Münchner FinTech sein Geschäftsmodell auf weitere europäische Länder ausdehnen kann.

In welchen Ländern wächst die FinTech Branche am stärksten?
Stephan Paxmann: Geht man von den weltweiten Venture Capital-Investitionen aus, boomt die FinTech-Branche vor allem in Kalifornien. Ins Silicon Valley flossen 2015 rund 17,4 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Anteil von rund 35 Prozent. In Europa kam mit 5,4 Milliarden Dollar das meiste Kapital in Großbritannien an, dessen Hauptstadt aktuell als europäischer FinTech-Hub gehandelt wird. Deutschland steckt mit 0,2 Milliarden Dollar VC-Investment dagegen noch in den Kinderschuhen.

Wie wird die FinTech Branche in Deutschland unterstützt?
Stephan Paxmann: Anders als in Großbritannien gibt es hierzulande kaum gezielte Fördermaßnahmen für FinTechs. Doch das soll sich ändern. Die deutsche Finanzaufsicht will künftig deutlich enger mit den jungen Firmen zusammenarbeiten und ist gerade dabei, eine spezielle Verwaltungseinheit aufzubauen. Die BaFin will so die Kommunikation mit den FinTechs verbessern und Genehmigungsprozesse verkürzen. In regulatorischer Hinsicht – das hat Staatssekretär Jens Spahn bereits mehrfach deutlich gemacht – wird es jedoch keine Sonderbehandlung für FinTechs geben. Dass ihre Ideen jedoch von der Branche sehr ernst genommen werden, zeigt die Tatsache, dass der Bundesverband deutscher Banken FinTechs inzwischen als Mitglied zulässt. Damit wird auch formal nicht mehr zwischen FinTech und Bank unterschieden, sondern das Thema „Digital Banking“ in den Mittelpunkt gerückt.

Wo sehen Sie sich in den nächsten 5 Jahren?
Stephan Paxmann: Neben der Beratung für Digital Banking und Regulatorik bauen wir aktuell einen eigenen FinTech-Fond auf, der gezielt in die Bereiche FinTech, RegTech und InsurTech investieren wird. Damit schaffen wir eine verlässliche Basis, um Startups mit unseren Beziehungen in der Bankenbranche, unserem methodischen Fachwissen aus der Praxis sowie dem notwendigen Kapital beim Auf- und Ausbau ihres Geschäftsmodells maßgeblich nach vorne zu bringen. In fünf Jahren wollen wir einer der fünf wesentlichen Player in diesem Markt in Deutschland sein. Ob wir bei der Geburt eines Unicorns dabei sind, werden wir dann sehen. Aber es gibt ja auch andere schöne Tiere…

Welche 3 Tipps würden Sie Gründern mit auf den Weg geben?
Stephan Paxmann: Meine persönlich wichtigste Erfahrung beim Gründen ist, seine eigenen Ideen und Pläne soweit wie möglich zu konkretisieren und dann mit Spezialisten und Entrepreneurs zu diskutieren. Das hilft, die eigene Idee zu schärfen und erfolgreich umzusetzen. Allerdings sollte man nicht auf jeden selbsternannten Experten hören. Wenn ich das damals getan hätte, wäre die TME wahrscheinlich niemals gegründet worden.
Ebenso wichtig ist es, enge Vertraute an Bord zu haben,denn in der Gründungs- und Aufbauphase muss man sich absolut auf seine Mitstreiter verlassen können, schon weil man nicht alles alleine machen kann. Eitelkeiten, politische Spielereien oder die Gier nach dem schnellen Erfolg sind bei einer Unternehmensgründung vollkommen fehl am Platze. Meine Empfehlung in solchen Fällen lautet, sich sofort von der jeweiligen Person zu trennen, egal was es in dem Moment für das Vorhaben bedeutet. Eine längere Zusammenarbeit schadet nur.
Gründer sollten sich außerdem ein gutes Nervenkostüm zulegen. Nicht immer geht es bergauf und es gibt viele unruhige Nächte. Wenn sich ersten Erfolge abzeichnen, sollte Jungunternehmer auch nicht gleich abheben, sondern einen kühlen Kopf bewahren. Damit trifft man die besseren Entscheidungen.

Wir bedanken uns bei Stephan Paxmann für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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