Stefan Schütze: Beim Pitching Authentisch und ehrlich bleiben

Treffen Sie Stefan Schütze auf der StartupCon in Köln

Stelle dich doch unseren Lesern kurz vor!
Stefan Schütze: Ich bin 44 Jahre alt, verheiratet und habe 3 Kinder. Aufgewachsen bin ich in Magdeburg. Durch die Wiedervereinigung konnte ich meinen Wunsch erfüllen und Jura studieren. Über das Jurastudium kam ich dann nach Berlin. Dort führte mein Weg über die Rechtsabteilung der Dresdner Bank zur bmp AG wo ich von Januar 2000 bis Juni 2004 tätig war. Bei der bmp AG konnte ich meine ersten wertvollen Erfahrungen im VC Geschäft erwerben. Im Juli 2004 bin ich dann zur Altira Group nach Frankfurt gewechselt und war dort für die rechtliche Begleitung der Beteiligungstransaktionen verantwortlich. 2013 wurde ich zum Vorstand bestellt und habe im Rahmen der Neustrukturierung der Gruppe mit meinem Vorstandskollegen die FinLab AG ins Leben gerufen. Ich bin zugelassener Rechtsanwalt und in diversen Aufsichtsräten tätig.

Stelle doch bitte FinLab vor!
Stefan Schütze: Die FinLab AG ist einer der ersten und größten börsennotierten Company Builder und Investoren im Bereich Financial Services Technologies („fintech“). Im Zentrum unserer Strategie steht die Entwicklung neuer, disruptiver fintech-Geschäftsmodelle in Deutschland, die später dann Europa- oder auch weltweit ausgerollt werden sollen. Dafür streben wir einen einflussreichen Beteiligungsbesitzvon mindestens 20% an und wollen unsere Beteiligungen durch die verschiedenen Finanzierungsrunden hindurch begleiten.Wir, unser Team und unsere Partner haben insbesondere im Finanzdienstleistungssektor langjährige Expertise, so dass in der Kombination mit uns die FinLab den Startups einen großen Mehrwert bieten kann. Dazu zählt neben der reinen Finanzierung der Unternehmung, Expertise in der Regulierung von Finanzprodukten sowie ein großes Netzwerk im Gesellschafterkreis an KWG-lizensierten Vertriebs- und Marketingpartnern.

Gibt es den richtigen Zeitpunkt um ein Startup zu gründen?
Stefan Schütze: Ich glaube nicht, dass es den richtigen bzw. dann auch den falschen Zeitpunkt zum Gründen gibt. Die Gesamtsituation muss passen, was für mich meint ein homogenes Team, um die Idee umzusetzen. Natürlich ist es hilfreich, wenn ein reges Interesse an neuen Ideen bei Investoren, wie jetzt aktuell im Finanz- und Versicherungssektor, besteht. Allerdings wurden erfolgreiche Startups in diesem Sektor bereits gegründet, als es den Begriff „fintech“ noch gar nicht gab.

Welche Startups habt Ihr im Portfolio?
Stefan Schütze: In der Reihenfolge der durch uns erfolgten Investition sind dies nextmarkets, eine E-Learning und Trading Plattform; Kapilendo ein Plattform für Crowdlending und Crowdinvesting; Deposit Solutions („Zinspilot“), eine Plattform für die Vermittlung von Tages- und Festgeldern, wobei der Unterschied zu anderen Plattformen in der so genannten „Ein-Konto-Lösung“ liegt und Authada, eine Firma welche eine Software zur Legitimation von Kunden mittels der elektronischen Identität (eID) des Personalausweises ermöglicht.

Was muss ein Startup mitbringen um es zu euch ins Portfolio zu schaffen?
Stefan Schütze: Generell natürlich eine Geschäftsidee, die das Potential hat, ein so genannter „gamechanger“ in einem etablierten Markt zu sein, wie zum Beispiel unsere Beteiligung Authada, die mit der elektronischen Identität (eID) des Personalausweises und dem Smartphone die Legitimationvon Kunden in wenigen Sekunden ermöglicht und damit PostIdent und Videolegitimation ablösen kann. Als FinLab bringen wir langjährige Erfahrung im Finanzmarkt mit und durch unser großes Netzwerk bieten wir unseren Beteiligungen insbesondere Expertise und Infrastruktur bei regulatorischen und rechtlichen Fragestellungen. Dazu können wir unseren Startups im Bereich Marketing und Vertriebs-Zugang zu den Endkunden herstellen. Aus diesem Grund investieren wir nur dort, wo wir einen signifikanten Anteil am Startup erhalten können. Das Startup kann dabei gerade gegründet worden sein (Seed Phase) oder auch vor Series A stehen. Spätere Zeitpunkte als Series A kommen eher weniger in Betracht. Last but not least muss uns das Team absolut überzeugen. Das Management bleibt wie immer Key.

Wie sieht der perfekte Pitch aus?
Stefan Schütze: Die Gründer müssen es verstehen, die Geschäftsidee und das Geschäftsmodell so einfach wie möglich darzustellen. Ich mag es, wenn die Gründer kurz und prägnant die Unterschiede zu bestehenden Wettbewerbern darstellen, also ihr Alleinstellungsmerkmal oder das Problem und die entworfene Lösung = Geschäftsidee. Wichtig auch, dass man den avisierten Finanzierungsbedarf so aufschlüsselt, dass der Investor nachvollziehen kann, wofür das Geld eingesetzt werden soll. Generell sollte der Gründer authentisch und ehrlich bleiben.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag von Stefan Schütze aus?
Stefan Schütze: Mein Tag beginnt wegen meiner Kinder meistens sehr früh (Smile). Ich checke dann in der Regel zunächst die News aus der Startup Landschaft und allgemeinen Wirtschaftspresse. Sofern wir gerade ein konkretes Investment verfolgen stehen Meetings mit dem jeweiligen Startup bzw. dem internen Team und/oder Beratern an. Andernfalls schaue ich mir Pitch Decks potentieller Investments an und stimme mich hierzu im Team bzgl. des weiteren Vorgehens ab. Da wir börsennotiert sind ist ein Großteil meiner Tätigkeit aber auch die Beschäftigung mit den Folgepflichten der Börsennotiz. Infolge der Schnelllebigkeit des Geschäfts gibt es aber in der Regel keinen „vorhersehbaren“ Arbeitstag. Die aktuellen Entwicklungen in Portfoliounternehmen oder potentiellen Investments entscheiden oft, was über den Tag zu erledigen ist.

Über welches Thema wirst du auf der StartupCon referieren?
Stefan Schütze: Warum haben wir uns für die Investitionen in den genannten Startups entschieden.

Wie hat sich die Startup-Szene in den letzten Jahren verändert?
Stefan Schütze: Ich bin seit Anfang 2000 in der Beteiligungsbranche aktiv. Man kann klar feststellen, dass die Startup-Szene in den letzten Jahren deutlich professioneller geworden ist. Das Wissen um die Bedürfnisse und Bedingungen der Investoren und die damit zusammenhängende Ansprache durch die Gründer haben deutlich zugenommen. Dies zeigt sich insbesondere bei den Pitch Decks und Businessplänen, die doch weitaus besser aufbereitet sind, als noch vor 10 Jahren.

Welches sind die größten Fehler Junger Gründer?
Stefan Schütze: Die meisten Fehler nach meiner Einschätzung sind den eigenen Markt und die Wettbewerber zu wenig zu analysieren. Insbesondere die Kundenbedürfnisse und die generelle (zeitlich verzögerte) Anbindung von Kunden werden unterschätzt.

Welches war das letzte Buch das du gelesen hast?
„The Big Short“ von Michael Lewis

Wo siehst du dich in den nächsten fünf Jahren?
Ich gehe davon aus, dass ich bei dem erfolgreichsten deutschen Company Builder im Fintech Sektor arbeite, also bei der FinLab AG.

Welche 3 Tipps hast du für Gründer?
1. Von vorne herein ist es wichtig den eigenen Markt und die Wettbewerber genausten zu analysieren und zu kennen. Man sollte insbesondere nicht die bestehenden Big Player unterschätzen.
2. Eine solide Finanzplanung und das rigorose managen der vorhandenen Finanzmittel ist essentiell. In vielen Startups wird es mehr Finanzrunden und einen längerem Atem bis zum Erfolg benötigen, als angenommen.
3. Beim Pitching Authentisch und ehrlich bleiben.

Wir bedanken uns bei Stefan Schütze für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

Schreibe einen Kommentar

X
X