Wie reagieren die Banken auf den FinTech Boom?

Als Gründungspartner sitzt Stefan Roßbach im Management Board der TME AG und ist Mitglied im Vorstand des TME Instituts

Stefan Roßbach sein Fokus liegt auf der Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle im kundenzentrierten Digital Banking, der strategischen (Neu-)Ausrichtung und digitalen Transformation. Zuvor stellte der erfahrene Diplom-Kaufmann und Bankkaufmann sein Können bei internationalen   Managementberatungen unter Beweis.

Wie viel wird in FinTechs investiert?
Stefan Roßbach: Mehr denn je. Weltweit wurden im vergangenen Jahr rund 19,1 Milliarden Dollar in FinTech-Startups investiert. Das sind 56 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Investitionen in deutsche FinTech-Startups haben sich außerdem nahezu verdoppelt – auf 193 Millionen Euro. Viel Geld floss vor allem in Firmen, die sich mit Blockchain-Lösungen und Bitcoin beschäftigen, aber auch Robo Advisory war ein heißes Thema.

Wer investiert in die FinTech Branche?
Stefan Roßbach: Jeder, der aus dem Marktpotenzial der disruptiven Technologien Profit schlagen will. Das sind in erster Linie klassische Venture Capital Unternehmen. 2015 entfielen auf sie 73 Prozent der weltweiten Investitionen in Startups aus dem Finanzdienstleistungsbereich. Abgesehen davon investieren Banken derzeit stark in die Branche – zum einen um hautnah bei der Entwicklung neuer digitaler Finanzlösungen dabei zu sein, zum anderen, um sich im wachsenden Wettbewerb mit anderen Anbietern zu positionieren.

Wie reagieren die Banken auf den FinTech Boom?
Stefan Roßbach: In vielen Geldhäusern, die das Innovationspotenzial der FinTechs lange verkannt haben, findet derzeit ein Umdenken statt. Die Mehrheit hat inzwischen eine Digitalisierungsstrategie entwickelt. Für die Umsetzung werden zum Teil dreistellige Millionenbeträge in die Hand genommen. Allein die Deutsche Bank will 750 Millionen Euro in die Hand nehmen. Mit diesem Investment will das Geldhaus eine eigene „Digitalfabrik“ auf die Beine stellen, die innovative Technologien gezielt fördert. Zudem rüsten sich viele Kreditinstitute für den digitalen Wettbewerb, indem sie Kooperationen mit FinTechs eingehen (z. B. ING DiBa, DZ-Bank), sich an Startups beteiligen (z. B. BBVA) oder Inkubatoren aus der Taufe heben (z. B. MainIncubator). Andere Banken wiederum entwickeln eigene digitale Finanzdienstleistungen, zum Beispiel die Erste Bank aus Österreich. Sie betreibt das Internetbanking-Portal MyGeorge. Der Dienst ist im Januar 2015 an den Start gegangen und verzeichnet mittlerweile 600.000 Kunden.

Von wem bekommen FinTech Startups fachliche Unterstützung?
Stefan Roßbach: In frühen Phasen sind es überwiegend Inkubatoren, die den jungen Unternehmen unter die Arme greifen. Die Experten unterstützen sie bei der Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells, bei der Erarbeitung erster Prototypen oder Piloten und beraten sie in rechtlichen oder finanziellen Fragen. Abgesehen davon bietet sich für viele FinTechs eine strategische Kooperation mit einer Bank an – nicht nur in Hinblick auf den Know-how-Transfer, sondern auch in Hinblick auf die breite Kundenbasis und regulatorische Erfahrung, die die Geldhäuser mitbringen. Eine Win-win-Situation für beide Seiten. Aber auch die BaFin ist eine zentrale Anlaufstelle für FinTechs, wenn es um regulatorische Fragestellungen geht. Im Vergleich zu Großbritannien oder Skandinavien hat die deutsche Behörde aber noch Nachholbedarf. In unseren Nachbarländern wird deutlich pro-aktiver mit den neuen digitalen Geschäftsmodellen bzw. FinTechs umgegangen.

Wird es eine Regulierung geben?
Stefan Roßbach: Ja und nein. Nach Meinung der meisten Experten ist eine Regulierung auf dem Level Playing Field, also Vorgaben für die neuen Finanzdienstleistungen und nicht für die FinTechs selbst, am zielführendsten. Eine zu strenge Regulierung würde die aktuelle Marktentwicklung und den Kreativprozess im Digital Banking zu stark ausbremsen. Nichtsdestotrotz sind regulatorische Vorgaben im Finanzgeschäft unerlässlich. Sie schaffen Sicherheit und Vertrauen bei den Kunden und fördern einen fairen Wettbewerb

Wo sehen Sie sich in den nächsten 5 Jahren?
Stefan Roßbach: Wir werden auf unseren eingeschlagenen Weg mit klarem Fokus auf unsere Kernthemen „Digital Banking“ und „Risiko & Regulatorik“ voranschreiten. In fünf Jahren wollen wir als feste Größe für FinTech-Programme und Venture Capital-Investments etabliert sein. Wer an Digital Banking und FinTech denkt, soll automatisch an die TME AG als zentralen Ansprechpartner denken.

Welche 3 Tipps würden Sie Gründern mit auf den Weg geben?
Seit unserer Gründung vor gut fünf Jahren haben sich eine Reihe von Best Practices und Lessons Learned herausgebildet. Drei wesentliche Grundprinzipien sollten Gründer unbedingt beherzigen:
1) Erst geben, dann nehmen: Um eine solide Kundenbeziehung zu entwickeln und nachhaltig Vertrauen aufzubauen, ist es elementar,zuerst zu fragen „Welchen Mehrwert kann ich unseren Kunden bieten?“ statt „What’s in forme?“.
2) Nie den Fokus aus den Augen verlieren: Gründer sollten regemäßig den eigenen Business Plan und ihre Unternehmensstrategie hinterfragen, um sich nicht am Markt und an den Kunden vorbei zu entwickeln.
3) Immer bereit sein , eine „Extra-Meile“ zu gehen und dabei nicht die eigenen Mitarbeiter, den Spaß und vor allem die eigene Familie aus den Augen verlieren. Denn sie bilden das Rückgrat eines Unternehmensgründers und sichern langfristig seinen Erfolg.

Wir bedanken uns bei Stefan Roßbach für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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