Start-up Solmove will durch Solarstraßen erneuerbare Energie erzeugen

Donald Müller-Judex ist Ingenieur und hat bereits zwei Softwareunternehmen aufgebaut. Aus einer anfänglichen Idee, die er 2009 hatte, gründete er fünf Jahre später sein drittes Start-up: Solmove. Dieses verfolgt die Mission, Photovoltaik-Module – ähnlich wie einen Teppich – auf unseren Straßen auszulegen und so nachhaltig Energie zu erzeugen. Die Solarstraßen bestehen zu 50 Prozent aus Glas, das recycelt werden kann. Auf gefährliche oder knappe Substanzen wird bei der Produktion gänzlich verzichtet. Dieses Jahr stellt sich das Start-up mit Sitz in München im Rahmen des Green Alley Awards 2017, einem europäischen Gründerwettbewerb rund um die Themen der Kreislaufwirtschaft, live einer Jury aus Experten der Abfallindustrie und Start-up Welt.

Im folgenden Interview erzählt uns Gründer Donald mehr über die Anfänge von Solmove, die Motivation dahinter sowie das dreiköpfige Team.

Donald, du hast bereits zwei Start-ups gegründet und aufgebaut. Was hat dich dazu bewogen, aufs Neue zu gründen und woher kam die Idee Photovoltaik auf horizontalen Flächen einzusetzen?
Viele Menschen leben unglücklich oder werden krank, weil sie ihr Wesen nicht finden und nicht ihren Talenten entsprechend leben. Ich habe meines gefunden. Ich bin ein Erfinder, der Neues in soziale Gemeinschaften bringt. Wenn ich eine Idee habe, möchte ich diese umsetzen. Das habe ich mit vielen kleinen Ideen gemacht und mit ein paar großen. Die Entwicklung von Solarstraßen ist die größte Idee von allen. Sie begeistert mich und hat mich motiviert, gegen jede Vernunft (wieder) eine Firma zu gründen. Das heutige Team besteht aus Leuten, deren Begeisterung für das Thema und unser Vorhaben mindestens genauso groß ist.

Die konkrete Idee Solarstraßen zu entwickeln entstand 2009 bei einer Radtour durch das Allgäu. Ich war auf der Suche nach einer geeigneten Dachfläche, die ich zum Betreiben einer PV-Anlage mieten wollte. Leider konnte ich damals keine passende Dachfläche mehr finden. Auf allen in Frage kommenden Dächern waren bereits PV-Anlagen installiert. Da habe ich mir gedacht, warum nicht Straßen, Gehwege, öffentliche Plätze oder Fahrradwege für die Energieerzeugung nutzen. Schließlich scheint auf diesen auch den ganzen Tag die Sonne. So ist die Ursprungsidee entstanden.

Du hast 2014 mit Solmove gestartet. Warum ist die Idee der Solarstraße noch nicht massentauglich geworden?
Die Straße besteht seit 100 Jahren aus Asphalt, nun wird sie „multifunktional“. Das können wir mit Solmove nicht von heute auf morgen ändern, solche Prozesse dauern. Die Entwicklung eines völlig neuen Straßenkonzeptes ist außerdem an sich schon sehr komplex. Und am Ende entscheiden unzählige Personen aus Politik, aus Institutionen und Bauunternehmen über ihre Einführung. Das dauert in einem Land wie Deutschland, in dem es sehr viele regulatorische Vorschriften zu beachten und mitunter zahlreiche „Bedenkenträger“ gibt, eben recht lange.

Vermutlich werden wir in China schneller vorankommen. Solmove arbeitet zusammen mit dem chinesischen Research Institute of Highways (RIOH) und Partnern an der Realisierung einer Teststrecke in Peking. In einem Folgeprojekt soll ein 190 km langer Highway zu den Winterspielen 2022 fertiggestellt werden, der mit Solmove-Modulen belegt ist, und induktiv autonom fahrende Busse zum Olympiadorf in den Bergen fährt.

Werden Solarstraßen in Zukunft Standard sein und falls ja, warum?
Wenn 10-20 Prozent der Straßen einen solaren Belag bekommen würden, dann wäre das vorhandene Potential gut genutzt. Die horizontalen Module lassen sich zudem ideal auf Radwegen, Gehwegen und großen Flächen wie Messegelände verlegen. Hier ist so viel großes Potential für die Gewinnung von sauberem Strom, das bis jetzt nicht genutzt wird.
Generell entsteht für die Kommunen, die den Straßenbau finanzieren müssen, eine erhebliche Kosteneinsparung. Herkömmliche Straßen kosten ca. 25 Euro pro Quadratmeter in 25 Jahren – Solarstraßen generieren im gleichen Zeitraum Geld (ca. 250 Euro pro Quadratmeter nach Abzug der Baukosten und Wartung).

Die ökologische Amortisation erfolgt nach drei Jahren, die wirtschaftliche nach 12-14 Jahren. Damit ist der Bau von Solmove-Anlagen eine solide und langfristige Investition. Der Bedarf für Solarstraßen ist grundsätzlich überall dort vorhanden, wo Strom gebraucht wird und die Sonne scheint. Darüber hinaus bündeln Solarstraßen weitere Funktionen, wie z.B. Beleuchtung oder Lärmminderung, und bieten damit finanzielle Vorteile.

Wurden eure Produkte “SOLWALK” oder “VOLTSTREET” schon in der Praxis eingesetzt und falls ja, wo?
Wir arbeiten fortwährend an der Optimierung der Technologie. Wir entwickeln zwei Produkte. Das größere VOLTSTREET™ Modul ist ideal für Straßen und große Flächen geeignet. Die quadratischen Module sind 1,2 x 1,2 Meter groß, lassen sich mit einem Stecksystem einfach verbinden und können ans Stromnetz oder direkt bei Verbrauchern angeschlossen werden.

SOLWALK ist eine Gehwegplatte, die 60 x 60 cm groß ist und ideal auf Gehwegen, Radwegen und Plätzen verlegt werden kann. SOLWALK ist befahrbar, kann optional beleuchtet und beheizt werden.

Die ersten Anlagen bauen wir Anfang 2018 in Erftstadt bei Köln (100 m Radweg). Weitere Testflächen sind in Berlin geplant, auf der nicht nur Solarstrom erzeugt wird, sondern der Strom dann auch induktiv an e-Autos übertragen wird.

Habt ihr schon potentielle Investoren in Aussicht?
Solmove hat im Jahr 2016 eine Startfinanzierung in Brandenburg und Beteiligungen von Business Angels erhalten. In einer zweiten Finanzierungsrunde in 2017 haben erneut Business Angel in Solmove investiert. Auch große Investoren haben bereits Interesse gezeigt, wollen aber erst sehen, dass es funktioniert. Bald sind wir soweit.

Wie plant ihr die eine Million Euro zusammenzubekommen, die für den Produktionsstart in Deutschland nötig ist?
Mit einem Investor, der bereit ist, in den Produktionsaufbau zu investieren. Gespräche dazu beginnen jetzt.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wir bedanken uns bei Donald Müller-Judex für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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