Sind Kryptowährungen und Blockchains die Zukunft für Start-Ups?

Kursschwankungen hin oder her, das Interesse an Kryptowährungen und ihren Blockchains ist ungebrochen.

Vor allem die jüngeren Generationen setzen auf das Potenzial der virtuellen Währungen – nicht umsonst waren etliche Teenager unter den ersten Bitcoin-Millionären.

Die Möglichkeit, mit einer guten Idee im Hintergund schnell und unkompliziert durch Initial Coin Offerings (ICOs) an Gründungskapital heranzukommen, ohne im Gegenzug Anteile und damit auch einen Teil der Kontrolle abgeben zu müssen, findet immer mehr Zuspruch unter jungen Start-Ups.

Die Inhaber der beim ICO erworbenen Tokens, wie die jeweils neu geschaffenen Kryptowährungen allgemein genannt werden, können diese auf der Plattform nutzen.

Je erfolgreicher das Start-Up ist, desto mehr steigen die Tokens im Wert.

Die Schweiz, welche seit langem als Hochburg im Bankgeschäft bekannt ist, ist auch hier Vorreiter. Rund 70 Start-Ups warben mit ICOs eine Milliarde Franken im Jahr 2017 in der Schweiz ein. Im vergangenen Jahr wurden bis zu 120 ICO-Gänge und rund 1,5 Milliarden Franken an Einnahmen erwartet. Etliche Schweizer Firmen nehmen längst auch schon Bitcoin, Ethereum und andere Kryptowährungen als Zahlung für Dienstleistungen an.

Die Blockchain-Technologie, die mit Bitcoin erfunden wurde und jede Transaktion im Zusammenhang mit der Währung wie in einem virtuellen Kontobuch verzeichnet und damit nachvollziehbar macht, ist nach Ansicht der Start-Ups einer der großen Vorteile.

KYC.Legal – die Abkürzung steht für „Know your customer – kenne deinen Kunden“ – hat sich darauf spezialisiert, die Daten von Kunden zu überprüfen und in der Blockchain festzuhalten. Damit sollen Identitätsdiebstahl, Geldwäsche und mehr verhindert werden. Das soll den Geschäftsverkehr nicht nur sicherer machen, es ist auch deutlich schneller, als wenn Firmen selbst die Kundendaten verifizieren müssen.

Der Anfang 2018 begonnene Krypto-ICO von KYC.Legal hatte von Anfang an positive Bewertungen, auch von Bitcoin-Tradern.

Wie etliche andere Start-Ups hat das junge Unternehmen den ICO in mehreren Phasen abgewickelt, wobei die Token-Preise schrittweise angehoben wurden. Je eher Anleger investieren, desto mehr Rabatt wird ihnen gewährt.

Das Prinzip galt auch für Medicalchain. In der ersten Phase der Kapitalsammlung Ende 2017 kostete ein Token 20 US-Cent und damit fünf Cent weniger als beim Ende des ICO-Gangs im Februar 2018. Insgesamt wurden 24 Millionen US-Dollar eingenommen. Das Ziel von Medicalchain ist es, Patienten den Zugriff auf ihre Krankendaten zu ermöglichen, und das dezentral. Mit dem Zugriff auf persönliche Informationen ist auch die Interaktion mit Medizinern, Versicherungen, Gesundheitsorganisationen und Interessenvertretern möglich. Die Akten werden auf eigens dafür entwickelten Blockchains gespeichert.

Bereits in der ICO-Phase wurde im Februar 2018 die mobile App freigegeben. Der Rollout einer Kommunikationsplattform zwischen Arzt und Patient folgte im März.

Strittiger war das Start-Up der Berliner Werbefirma Wenn Digital, die mit ihrem Projekt KodakOne eine Blockchain für die Verwaltung von Foto-Rechten mit KodakCoins als Währung auf den Markt gebracht hat. Das Problem war der Name, der zahlreiche Anleger überzeugte, dass der Fotogigant Kodak selbst hinter dem Projekt steckt. Stattdessen handelt es sich „nur“ um eine Zusammenarbeit, und Kodak hat eine Minderheitsbeteiligung.

Die Plattform, auf der Bildrechte registriert werden können, soll es Fotografen ermöglichen, mühelos zu ihren Honoraren zu kommen und Urheberrechtsverletzungen zu vermeiden. Wenn Digital hofft, KodakOne in diesem Jahr endgültig auf den Markt bringen zu können.

Die Diskussion um das Start-Up zeigt auch auf, wie wichtig weiterhin eine Recherche der Idee und der Hintergründe ist, ehe Investoren einsteigen. Nicht jede Blockchain-Plattform ist eine Anlage wert, und Zugewinne sind keine Garantie. Um sich gründlich zu informieren, was es für Investitionsmöglichkeiten gibt, werden regelmäßig Listen veröffentlicht. Bei der ständig steigenden Zahl an ICOs ist es ansonsten schwierig den Überblick zu bewahren und nicht die besten Gelegenheiten zu verpassen.

Autor: Marianne Schwarz

Bild: pixabay

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder

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