Man muss sich der eigenen Stärken aber auch der eigenen Schwächen bewusst sein

SIMCharacters – Paul Frühgeborenensimulator

Stellen Sie sich und das Startup SIMCharacters doch kurz vor!
SIMCharacters entwickelt und vertreibt lebensechte Kindersimulatoren, die es medizinischen Teams ermöglichen, kritische Situationen unter hochrealistischen Bedingungen zu trainieren.

Unser erstes Produkt ist Paul, ein Frühgeborenes der 27. Schwangerschaftswoche, also 13 Wochen zu früh geboren, mit einem Gewicht von knapp 1000 g.

Wie ist die Idee zu SIMCharacters entstanden?
Als Kinderarzt habe ich 15 Jahre an der Medizinischen Universität Wien auf einer Frühgeborenenintensivstation gearbeitet. Die Versorgung von lebensbedrohten Früh- und Neugeborenen ist hochkomplex, zeitkritisch und damit höchst anspruchsvoll. Ein Team aus Intensivschwestern, Kinderärztinnen und –ärzten muss in diesen Situationen optimal zusammenarbeiten, jeder Handgriff muss sitzen. Deshalb benötigen auch medizinische Teams, wie Flugbegleiter und Piloten in der Luftfahrt, regelmäßige Trainings. Eigentlich wollte ich nur mein eigenes Team an meiner Frühgeborenenstation trainieren, da aber kein entsprechender Frühgeborenensimulator zur Verfügung stand, mussten wir also selbst einen entwickeln.

Was war die größte Herausforderung?
Technisch lag die größte Herausforderung sicher in der Miniaturisierung der einzelnen Simulatorkomponenten. Paul ist ein hochtechnologisches Produkt! Die gesamte Sensorik, Mechanik und Elektronik musste im Körper eines kleinen Frühgeborenen untergebracht werden. Um Paul das hochrealistische Äußere eines echten Frühgeborenen zu verleihen, war zudem Know-How aus dem Bereich Special-Effects notwendig. Als Arzt verfügt man über diese Kompetenzen einfach nicht, geschweige denn über das notwendige kaufmännische Wissen.

Von Anfang an war es daher entscheidend, ein geeignetes Team zusammenzustellen.

Wie viele Frühgeborene kommen jedes Jahr zur Welt? Wie funktioniert Paul?
Jedes 10. Neugeborene ist ein Frühgeborenes. Etwa 15 Millionen Kinder werden jedes Jahr zu früh geboren. Weltweit verstirbt leider weiterhin eine Million dieser Kinder. Auch in den industrialisierten Ländern ist Frühgeburtlichkeit die Haupttodesursache im Kindesalter. Zwar haben sich die Überlebensraten von Frühgeborenen in den Industrieländern in den letzten Jahren deutlich verbessert, damit ist aber die Frage nach der Überlebensqualität deutlich in den Vordergrund gerückt. Wird ein Frühgeborenes optimal versorgt, ist heute ein völlig gesundes Überleben möglich.

Hier setzen wir mit Paul an. Mit ihm ist es möglich, die Versorgung eines kritisch kranken Frühgeborenen im Team zu trainieren. Er wird über einen Computer gesteuert und kann alle denkbaren Krankheitszeichen im Frühgeborenenalter simulieren. Ist Pauls Atmung z.B. nicht ausreichend, wird er blau und kann schließlich komplett aufhören zu atmen. Das Team muss nun effektiv reagieren und ihn beatmen oder auch einen Beatmungsschlauch in der winzigen Luftröhre platzieren.

Aufgrund des hohen Realismus können die Trainingsteilnehmer tief in das Trainingsszenario eintauchen und so das Erlernte in der echten Situation, bei der Versorgung eines echten Frühgeborenen, wieder abrufen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich für Die Höhle der Löwen zu bewerben?
Paul ist ein hochtechnologisches Produkt, für die Entwicklung war daher ein hoher Kapitalbedarf notwendig. Da wir Paul stetig weiterentwickeln wollen und er auch kein Einzelkind bleiben soll, sondern wir auch „ältere Geschwister“, also Simulatoren im Neugeborenen- und Kindesalter entwickeln möchten, sind wir immer auf der Suche nach geeigneten Investoren. Zudem haben wir sehr schnell festgestellt, dass Paul eine weltweite Nachfrage ausgelöst hat. Um v.a. unseren Kernmarkt, die USA – etwa 60 % der Investitionen in medizinischer Simulation werden hier getätigt – effektiv bedienen zu können, sind wir auf der Suche nach Kapital. Da sich mit Herrn Thelen und Herrn Maschmeyer durchaus an Hochtechnologie interessierte Investoren befinden, kam die Idee uns in die Höhle zu wagen.

Zudem verfügen sie selbstverständlich über hervorragende Kontakte in die Vereinigten Staaten.

Wie haben Sie sich auf die Sendung vorbereitet?
Natürlich haben wir unseren Pitch immer wieder trainiert. Letztlich weiß man aber natürlich nie, was kommt. Ehrlicherweise macht es uns aber auch einfach Spaß Paul zu präsentieren, weil wir wissen, dass wir mit ihm ein wichtiges und tolles Produkt entwickelt haben.

Sie sind eines der wenigen Start-up Unternehmen, dass es in die Sendung „Die Höhle der Löwen “ geschafft hat. Wie motivierend ist das für Sie und was versprechen Sie sich von der Show?
Wir freuen uns natürlich, Paul den Investoren und einer breiten Öffentlichkeit präsentieren zu können. Es ist natürlich sehr einfach einen Investor von der Sinnhaftigkeit unseres Projekts zu überzeugen, ob er oder sie dann allerdings auch das Potenzial für sich erkennt und letztlich investiert, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Paul ist selbstverständlich kein Consumer-Product. Aber Paul weiter bekannt zu machen, ist natürlich in unserem Sinne. Vielleicht findet sich über die Sendung neben dem Investment ja auch zusätzlich der ein oder andere Sponsor, der Paul einer Kinderklinik zur Verfügung stellen möchte.

Darüber hinaus haben wir ja eine Mission: Wir möchten so viele Kinderleben wie möglich retten und diesen Kindern ein gesundes Leben ermöglichen.

Wie wichtig ist dieser Schritt für Sie als Startup Unternehmen? Auch unter dem Gesichtspunkt, dass durch „Die Höhle der Löwen “ viele Interessenten und auch Medien auf  SIMCharacters aufmerksam werden?
Neben dem Ziel, Paul noch weiter bekannt zu machen, möchten wir auch einmal verdeutlichen, was medizinisches Personal tagtäglich leistet. Alle in der Medizin Tätigen stehen jeden Tag auf, um das Beste für ihre Patienten zu tun. Wir wollen keine Fehler machen, aber werden durch die moderne Medizin jeden Tag in Situationen gebracht, die wir nicht bewerkstelligen können.

Deshalb benötigen medizinische Teams Trainings und wollen auch trainieren. Leider fehlt dafür häufig die Zeit, weil es im Tagesablauf eines Krankenhauses nicht vorgesehen ist. In der Luftfahrt sind Trainings verpflichtend und vom Gesetzgeber zwingend vorgeschrieben. Damit wir als Mediziner zu unseren Trainings kommen, benötigen wir diese gesetzliche Regelung ebenfalls. Es gibt z.B. ein Aktionsbündnis Patientensicherheit, um die Sicherheit von Patienten in Krankenhäusern zu verbessern. Es gibt aber kein Aktionsbündnis Passagiersicherheit, weil dies einfach nicht notwendig ist? Das sollte uns doch zu denken geben, oder?

Ziel der Sendung „Die Höhle der Löwen “ ist es, dass ein Deal zustande kommt. Welchen der Löwen haben Sie als Investor im Fokus?
Paul ist ein hochtechnisches Produkt. Mit Frank Thelen und Carsten Maschmeyer sitzen zwei Investoren in der Jury, die technologischen Produkten durchaus zugeneigt sind und in diesem Bereich ein hervorragendes Netzwerk besitzen. Paul bietet über sein Einsatzgebiet als Patientensimulator hinaus die Möglichkeit, anderen Medizinprodukten die Tür in die Kliniken zu öffnen, was vielen Medizinprodukten deutliche Schwierigkeiten bereitet. Medizinprodukte mit einem Paul zu testen, in die Trainingssituation einzubinden und so den Einsatz am echten Menschen vorzubereiten macht Paul zu einer Präsentations- und Testplattform für andere Medizinprodukte. Gerade im Bereich der Augmented- und Virtual Reality bieten sich hier in Zukunft ganz neue Möglichkeiten.

Wir hoffen, dass wir den Investoren dieses Potenzial über Paul als reinen Trainingssimulator hinaus vermitteln können.

SIMCharacters, wo geht der Weg hin? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
Wir möchten SIMCharacters als Spezialisten für Kindersimulatoren im internationalen Markt etablieren und weitere innovative Produkte entwickeln. Gerade auch der Bereich der Augmented Reality ist hier eine Schlüsseltechnologie.
Jede Klinik, die über die Anschaffung eines Kindersimulators nachdenkt, soll als erstes an SIMCharacters denken. Mit Paul konnten wir die ersten erfolgreichen Schritte in diese Richtung einleiten. Unser Paul-Video wurde auf Facebook 6,1 Millionen Mal gesehen und 10 Millionen Mal angeklickt.

Zum Schluss: Welche 3 Tipps würden Sie angehenden Gründern mit auf den Weg geben?
Team, Team, Team. Man muss sich der eigenen Stärken aber auch der eigenen Schwächen bewusst sein und nicht glauben, dass man alles können muss. Von Anfang an ein effektives Team aufzubauen, das über die notwendigen Kompetenzen verfügt und dieses tagtäglich weiterzuentwickeln ist wahrscheinlich einer der Schlüssel zum Erfolg. Neben einer guten Idee ist auch wirtschaftliche Kompetenz entscheidend. Viele Start-ups „sterben“ wahrscheinlich in Schönheit, weil sie das Produkt zu spät auf den Markt bekommen und auf halber Strecke das Geld ausgeht. Zeitgleich mit dem Beginn der technischen Entwicklung muss daher auch bereits das Marketing beginnen und es müssen Kontakte zu Investoren gesucht werden.

Bild © MG RTL D /Bernd-Michael Maurer

Weitere Informationen finden Sie hier

Sehen Sie SIMCharacters am 18.September in #DHDL

Wir bedanken uns für das Interview

Aussagen des Autors und des Interviewpartners geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion und des Verlags wieder.

Sabine Elsässer

Sabine Elsässer is founder and chief editor of the StartupValleyNews Magazine. She started her career at several international direct sale companys. Since 2007 she works main time as a journalist. While that time she learned more about the Startup Scene, what made her start her own Startup Magazine the StartupValleyNews.

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